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Hauptfriedhof

Roma-Gräber sorgen für Ärger

  • Ursula Rüssmann
    VonUrsula Rüssmann
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Am Frankfurter Hauptfriedhof ruhen Roma in Unfrieden: Ein Pfarrer beschwert sich über rauchende Grabbesucher, andere stören sich am "Baumarkt-Stil" der Gräber. Die Stadt hält dagegen. Zur Vielfalt der Religionen gehörten auch großzügige Bestattungsregeln.

Allerheiligen seien sie sogar mit ihren Autos auf dem Hauptfriedhof vorgefahren. Hätten die Kofferräume aufgemacht, Tische und Bänke, Getränke und Speisen rausgeholt, und vor dem Prachthaus gefeiert.

So macht ein Frankfurter namens Claus Kopinski seinem Ärger Luft. Objekt des Zorns: Zwei Grabstätten von Sinti und Roma, an prominenter Stelle auf dem alten Teil des Hauptfriedhofs. Ort des Zorns: ein Online-Forum zum Hauptfriedhof, seit einigen Wochen geschaltet.

Unbekannte haben ein Grab mit Farbe beschmiert

So ähnlich sieht das Bernd Förstner, der, wie er am Telefon erklärt, den Hauptfriedhof als Kulturdenkmal bedroht sieht. "Zugegeben", sagt Förstner, an Allerheiligen sei es "nicht so schlimm wie befürchtet" gewesen. 20, 30 Personen hätten im Freien gegessen und getrunken, "aber ganz zivilisiert, vertretbar." Aber bei allem Verständnis für andere Bräuche: Das Aussehen störe.

Die Optik ist es, und die Lage der Grabmäler, an der sich die Gegner reiben. Von "Baumarkt-Baustil" ist die Rede. Harald Fester, der das Forum betreibt, spricht von Gartenhäuschen-Architektur und ärgert sich, dass die Stadt das genehmigt. Ein Pfarrer hat sich beim Amt für Multikulturelle Angelegenheiten über rauchende Roma-Grabbesucher beschwert.

Ein Blickfang sind die zwei Grabmäler ohne Zweifel. Wer den Friedhof durch das neue Portal an der Eckenheimer Landstraße betritt, dem fällt ein leuchtend-weißer Bau links hinter der Trauerhalle gleich auf. Zwei rosa Säulen tragen das Giebel-Vordach, eiserne Rebenornamente schmücken die zweiflügelige Glastür. Drinnen in der Kapelle: zwei Sessel, viele Blumen, Kerzen, ein Bild der verstorbenen Sinti-Frau. Ein halbgefüllter Aschenbecher draußen zeugt vom kürzlichen Besuch: Wenn Sinti trauern, geht es lebendig zu.

Passt so viel Leben auf den ehrwürdigen Friedhof?

Die Kritiker sagen: Das passt nicht auf den ehrwürdigen Friedhof, nicht in diese Nachbarschaft der alten Gräber von Leo Gans und Artur von Weinberg, Ehrenbürger der Stadt. Warum die Grabmäler nicht weiter abseits errichtet worden seien, wo ja schon kleine Romagräber sind, fragen sie. Eine der neuen Gedächtniskapellen wurde kürzlich mit Farbe verschmiert. Von so etwas distanziert sich die Gruppe um Fester und Förstner. Die verärgerten Roma wischten alles mühsam wieder ab.

Im Grünflächenamt reagiert man gereizt auf den Protest. Das seien "wenige, die aber viel Wind machen", sagt Thomas Linne. Der Abteilungsleiter für Friedhofsangelegenheiten hat aber auch triftige Argumente gegen die Kritiker. Er verweist auf die Vielfalt des Friedhofs, die die Vielfalt der Religionen in der Stadt spiegeln müsse: "Die Gesellschaft verändert sich, deshalb lassen wir auch das zu. Wir hätten es gar nicht ablehnen können, ohne zu diskriminieren." Der Hauptfriedhof ist ein öffentlicher Friedhof und muss für alle offen sein.

"Das ist eine Geschmacksfrage"

Bei der Genehmigung der Grabstätten hat sich das Grünflächenamt laut Linne an die Vorschriften gehalten. "Die beiden Familien haben sich einen Platz ausgesucht, einen Antrag gestellt, und dann haben sie den Platz bekommen." Da sie, der Tradition der Sinti und Roma entsprechend, Grüfte wollten, mussten sie die Grabplätze für 40 Jahre buchen. Den Preis bestimmte die Gebührenordnung: An die 9000 Euro dürfte etwa der Platz für das Säulen-Grabmal gekostet haben.

Mit dem Bauergebnis indes scheint auch bei der Behörde nicht restlos zufrieden zu sein. Die Kapellenentwürfe hat sich die Verwaltung vorlegen lassen, nicht aber die Entwürfe für die Außengestaltung. "Das würden wir demnächst anders machen", räumt Linne ein. "Wir würden detailliertere Vorschriften zu den Baumaterialien machen."

Abgesehen davon beharrt Linne darauf: Vielfalt ist willkommen auf dem Hauptfriedhof. Dafür steht schon die seit Sommer 2010 gültige neue Friedhofsordnung. Die berücksichtige auch den Wunsch vieler Bürger, mehr Freiheit und Vielfalt bei der Grabgestaltung zuzulassen. Zum Beispiel können Gräber seither mit ganzen Grabplatten oder Kieselsteinen statt mit Pflanzen geschmückt werden, auf Kindergräbern darf ein Kuscheltier platziert werden. Und irgendwann, meint der Friedhofsmann, "ist es eben immer auch eine Geschmacksfrage, ob ein Grab gefällt oder nicht."

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