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Ziel der Stadt ist eine "Rollstuhl-App".

Mobilität

Mit der Rollstuhl-App in Frankfurt unterwegs

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Die Stadt Frankfurt erarbeitet eine erste Internet-Karte zur Barrierefreiheit des öffentlichen Raumes.

Es ist ein ehrgeiziges Unterfangen. Christiane van den Borg sagt schlicht: „Es wäre toll“. Die Leiterin der städtischen Stabsstelle Inklusion spricht von dem Prozess, den die Stadtverordneten jetzt per Beschluss im Planungsausschuss in Gang gesetzt haben. Am Ende einer komplexen Arbeit soll nicht weniger stehen als eine internet-basierte Karte, auf der sich der Stand der Barrierfreiheit im öffentlichen Raum in Frankfurt ablesen lässt.

Die Menschen sollen dann jederzeit im Internet recherchieren können, wie etwa die Zugänglichkeit von Plätzen und Gebäuden für Personen im Rollstuhl ist. Wo Aufzüge zur Verfügung stehen. Wo es behindertengerechte oder auch nur eingeschränkt rollstuhlgerechte Toiletten gibt. Wo Menschen mit Hör- oder Sehbehinderungen welche Hilfen finden.

Für die Stadt Frankfurt wäre das eine nachgerade revolutionäre Entwicklung. Van den Borg gibt im Gespräch mit der FR als „Zielvorstellungen“ eine „Fußgänger-App“ oder eine „Rollstuhl-App“ aus. „Dort könnte man auch ablesen, wo zum Beispiel Bordsteine abgerundet sind oder es behindertengerechte Ampeln gibt.“

Die Stadtverordneten machen in ihrem Beschluss ordentlich Druck. „Rechtzeitig bis zur Beratung des Haushaltes 2020“ der Kommune sollen der Stadtverordnetenversammlung bereits Ergebnisse vorliegen. Diese Beratungen beginnen freilich schon jetzt.

Mit dem Antrag, den die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen auf den Weg gebracht hat, wird dem Magistrat auch aufgegeben, den „Personal- und Kostenaufwand“ des Prozesses zu ermitteln. Die Frankfurter Behinderten-Arbeitsgemeinschaft (FBAG) wird einbezogen. Als erster Schritt sollen nun erst einmal alle vorhandenen Daten zur Barrierefreiheit zentral erfasst werden. Es entsteht auf diese Weise eine „Ist-Analyse Barrierefreiheit“.

Im nächsten Schritt folgt dann ein „Soll-Konzept“ zur Barrierefreiheit. Die Fachleute im Stadtvermessungsamt arbeiten bereits an einer „Geodateninfrastruktur Frankfurt am Main“, für Kenner auch kurz GDI-FFM genannt. Unter diesem Datendach ist zum Beispiel auch der Baumbestand der Stadt erfasst, zahlreiche Luftbilder geben einen Überblick über das gesamte Stadtgebiet.

Antrag schon 2017 gestellt

Den politischen Prozess in Gang gebracht hatte die Fraktion der Linken im Römer. Sie hatte Ende 2017 beantragt, Daten zur tatsächlichen Barrierefreiheit im Frankfurter Stadtgebiet zu erfassen.

Menschen mit Handicaps und Einschränkungen haben es in Frankfurt noch immer schwer. So verfehlt die Stadt zum Beispiel deutlich die Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes. Es sieht vor, dass der öffentliche Nahverkehr mit seinen Bussen und Bahnen für alle zugänglich sein soll.

Immerhin hat die städtische Tourismus und Congress GmbH eine Broschüre unter dem Titel „Barrierefrei – Informationen für Reisende mit Behinderung“ herausgegeben.

Hintergrund: Behindertenhilfe

In Frankfurt arbeiten etwa 60 Organisationen, Vereine und Gruppen, in denen sich Menschen mit Behinderungen organisiert haben.

Bei der Stadtverwaltung werden ihre Interessen von der städtischen Stabsstelle Inklusion unter der Leitung von Christiane van den Borg vertreten.

Behindertenorganisationen melden sich auch bei Projekten der Stadtplanung zu Wort und kritisieren zum Teil scharf die Probleme durch mangelnde Barrierefreiheit.

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