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Römerbriefe: Verrückte WM

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Von: Sandra Busch, Georg Leppert

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Die deutsche Nationalmannschaft beim Teamfoto in Katar.
Die deutsche Nationalmannschaft beim Teamfoto in Katar. © dpa

Der „Bahnbabo“ wird zum Poeten, und auch sonst kann noch viel während dieser WM passieren. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Tut mir leid, dass der Papierstapel schon wieder von deinem Schreibtisch fiel, als ich vorbeilief. Aber der steht auch wirklich wackelig.

Busch: Bald wird der Schreibtisch ganz ordentlich sein.

Leppert: Du räumst auf?

Busch : Bei dieser WM kann alles passieren.

Es ist Fußballweltmeisterschaft, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Aber das wird Ihnen sicher nicht entgangen sein, ob Sie nun die Spiele schauen, die WM im Fernsehen boykottieren oder Ihnen Fußball sowieso schon immer egal war. Die WM in Katar ist schließlich von vielen Kontroversen geprägt und außerordentlich umstritten. Dann ist sie auch noch zu einem verrückten Zeitpunkt. Im Winter. Und jetzt haben auch noch die ersten Spiele gezeigt: Es gibt sogar Nachspielzeiten von 24 Minuten. Alles irre bei dieser WM.

Da werden sogar beinharte Straßenbahnfahrer zu Poeten. Ja, wirklich, auch das passiert bei dieser WM. Als die europäischen Mannschaften unter dem Druck der FIFA einknickten, eine Gelbe Karte fürs Tragen der One-Love-Binde kassieren zu können – und das wäre jetzt eigentlich schon irre genug –, da begann der „Bahnbabo“ und OB-Kandidat Peter Wirth auf Twitter zu dichten. „Die Liebe lässt sich niemals töten, doch das Verhalten des DFB lässt mich vor Scham erröten / Sie geben klein bei und knicken ein, das kann kein ernstgemeintes Statement sein ...“ Es reimt sich und was sich reimt, ist gut. Und es beweist nun wirklich: Bei dieser WM kann alles passieren. Sie ist völlig unwägbar. Wir haben da auch bereits Vorstellungen, was alles noch so geschehen könnte.

Weil ARD und ZDF so viel Geld für den Schutz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Katar ausgeben müssen, gibt es Überlegungen, das Programm der Weltmeisterschaft kostenpflichtig zu gestalten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG entscheidet sofort, dass der Fernsehempfang künftig 50 Euro im Monat teurer wird. Man wolle die Mieter:innen vor hohen Nachzahlungen schützen. Die FDP-Politiker Nathaniel Ritter und Sebastian Papke finden das völlig angemessen.

Die Grünen berufen eine Mitgliederversammlung ein und fordern, den Beschluss zum Bau der DFB-Akademie rückgängig zu machen. 95 Prozent der Mitglieder stimmen dafür. OB-Kandidatin Manuela Rottmann kauft auf einem Gestüt zwölf Pferde, damit noch vor Weihnachten ein Rennen auf dem Gelände ausgetragen werden kann.

Die CDU beantragt, Markus Frank zum Ehrenbürger der Stadt zu benennen. Er hat als Sportdezernent die mit Abstand schlechteste Bewerbung eines Austragungsortes für die Europameisterschaft 2024 abgegeben. Das sei ein Akt des Widerstands gewesen, schon damals, sagt der ehemalige Bürgermeister und heutige OB-Kandidat der CDU Uwe Becker.

Die deutsche Nationalmannschaft spielt nach der Auftaktniederlage erstaunlich gut und kommt ins Finale. Vor dem Spiel gibt es einen heftigen Streit im Magistrat, wer die Mannschaft im Falle eines Titelgewinns empfangen muss. Sie kommt nach Frankfurt und nicht nach Berlin, denn bei dem geringen Interesse an der WM reicht der Römer. Nach viel Streit einigt man sich auf ... Peter Feldmann.

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das

aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es unter www.fr.de/roemerbriefe.

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