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Römerbriefe: Verhandlungssache

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Von: Sandra Busch, Georg Leppert

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Immer am Verhandeln: Ordnungsdezernentin Annette Rinn.
Immer am Verhandeln: Ordnungsdezernentin Annette Rinn. © Michelle Spillner

Annette Rinn hat den Love Family Park gerettet. Nun aber warten schon neue Aufgaben auf die Ordnungsdezernentin von der FDP. Die FR-Kolumne aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Hyper, Hyper …

Busch: Bitte? Wieso machst du so zuckende Tanzbewegungen? Und wieso trägst du dieses extrem grüne T-Shirt, das außerdem zu kurz ist?

Leppert: Ich bereite mich auf den Love Family Park vor. Du musst wissen, ich bin mit Techno quasi aufgewachsen. Hyper, Hyper …

Busch: Hilfe! Hätte Annette Rinn das nicht verhindern können?

Liebe. Familie. Und ein Park. Ist da irgendetwas für Sie dabei, liebe Freund:innen der Kommunalpolitik? Dann kommen Sie am 22. Juli in den Love Family Park. Da erleben Sie elektronische Musik in ihrer schönsten Form. Hyper, Hyper (ist übrigens ein Lied von Scooter).

Dass wir diese Party alle zusammen im Rebstockpark feiern können, haben wir Annette Rinn von der FDP zu verdanken. Die Ordnungsdezernentin war ja erst etwas skeptisch. Sie wissen schon: der Lärmschutz, die Vorschriften, nein, keine Ausnahme, die Nachbarschaft … was man so sagt als Ordnungsdezernentin. Die Veranstalter sollten sich auf 50 Dezibel beschränken. Aber so leise ist nur die Fankurve von RB Leipzig im Pokalfinale gegen die Eintracht (hoffen wir … der Text wurde vor dem Halbfinale am Mittwochabend geschrieben).

Annette Rinn hat sich jedenfalls mit den Leuten vom Love Family Park zusammengesetzt und verhandelt. Und jetzt dürfen die Boxen doch aufgedreht werden. Dafür informieren die Veranstalter die Anwohner:innen, positionieren die Bühnen etwas anders und sorgen außerdem dafür, dass auch zeitig wieder Ruhe herrscht. Problem gelöst.

Wer die Kunst des freundlichen Gesprächs beherrscht, kann aber vielleicht noch ganz andere Themen in den Griff bekommen. Themen, bei denen Annette Rinn als Mediatorin gefragt ist. Unsere Vorschläge.

Kleingärten oder Europäische Schule? Am Ratsweg ist Platz für beides, findet Annette Rinn und verhandelt folgende Lösung: Die 44 Gärten bleiben, müssen der Europäischen Schule aber als Schulgärten zur Verfügung stehen. Und bei der nächsten Pandemie findet dort Unterricht im Freien statt. Den Vorschlag von Gartenpartei-Politiker Tilo Schwichtenberg, dort ein Referat zu halten („Maskenfrei und Spaß dabei“), lehnt Rinn hingegen ab.

Nur Stress im Oeder Weg? Rinn vermittelt folgenden Kompromiss: Der Stadtverordnete Uwe Schulz (FDP) bekommt eine Sondergenehmigung, um durch die Diagonalsperre zu fahren. Damit ist der größte Querschießer in der Koalition schon mal ruhig gestellt. Und für den Handel, der sich über ausbleibende Kundschaft beschwert, baut die Stadt Frankfurt einen Lieferservice mit Lastenrädern auf. Die Organisation übernimmt von Juli an Verkehrsdezernent Wolfgang Siefert (Grüne). Der ist neu und kann sich noch nicht wehren.

Verhandlungen mit dem Land über eine Mitfinanzierung des Baus der Städtischen Bühnen? Kein Problem, 1,3 Milliarden Euro soll das kosten, Rinn heimst zwei ein. Denn sie verspricht ein ganz besonderes Premierenstück. Ein politisches Drama, in dem aber nur die wichtigsten Politiker:innen tragende Rollen spielen. Das Stück schreibt Rinn selbstverständlich selbst und es heißt „Die Größten“. Schwuppdiwupp gibt es nicht nur eine Milliarde vom Land, sondern auch eine direkt von der Stadt. In Frankfurt gibt es schließlich auch sehr viele wichtige Politiker:innen.

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das

aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es unter www.fr.de/roemerbriefe.

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