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Hunderte Schüler und Schülerinnen zeigen in Berlin ihre Unterstützung für Greta Thunberg.

Kolumne

Streik im Römer

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    Georg Leppert
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Die Schüler nehmen sich ein Beispiel an Greta Thunberg, die Politiker nehmen sich ein Beispiel an den Schülern.

Göpfert: Könntest du dann bitte auch mal einen Artikel schreiben?

Leppert: Nö.

Göpfert: Und warum nicht?

Leppert: Ich streike heute für das Klima.

Nimm das, CDU: Wir finden Greta Thunberg gut. Ist doch wahr, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, die junge schwedische Umweltaktivistin hat recht. Wenn wir so weitermachen, gibt es vielleicht noch 1000, bestenfalls 2000 Ausgaben der Römerbriefe, dann hat sich das Thema erledigt. Dann ist das Rathaus in dem ständig über die Ufer tretenden Main versunken. Von der Hitzewelle, die über die Stadt hereinbrechen wird, ganz zu schweigen. Da möchten wir die Politiker mal sehen, wenn sie in ihren dicken schwarzen Anzügen zu Beginn der Plenarsitzung minutenlang stehen müssen, weil der Stephan Siegler ein Totengedenken abhält (er macht das übrigens immer sehr würdevoll). Die Leute werden reihenweise kollabieren und wir auf unseren Presseplätzen auch.

Insofern unterstützen wir natürlich auch den Streik der Schüler fürs Klima. Klar, der Herr Lorz aus Wiesbaden, der hat gesagt, dass das jetzt nicht einreißen darf – freitags wird gestreikt und so. Na gut, was soll er auch sonst sagen, er ist ja Kultusminister. Aber einer der beiden Römerbrief-Schreiber hat früher ständig gestreikt, weil er die Ausläufer von 1968 auf der Schule erlebt hat. Hat es ihm geschadet? Und der andere hat nie gestreikt, weil man auf dem Gagern-Gymnasium nicht streikt, es sei denn, man heißt Johnny Klinke oder Ursula auf der Heide und hat die Schulzeit schon etwas länger hinter sich. Und hat es ihm gut getan?

Wir fordern: Auch unsere Politiker sollten für das Klima streiken. Sie sollten einfach auf irgendetwas verzichten, was sie sonst immer tun, damit alle sehen: Es steht schlimm um den Planeten.

Der Markus Frank etwa könnte immer freitags darauf verzichten, das Wort „unser“ einzusetzen. Unser Frankfurt, unsere Feuerwehr, unsere Eintracht, unser Graf zu Solms-Wildenfels. Einfach mal weglassen und derdiedas verwenden.

Der Bernhard Ochs könnte eine Rede halten, ohne ein einziges Mal das Wort Bornheim zu verwenden. Klar, er kann gerne vom „Stadtteil südwestlich von Seckbach und östlich vom Nordend“ sprechen. Oder er sagt einfach: „Der Stadtteil mit dem Hang und der Kerb und dem komischen Typen im Dreirad, huch, das bin ja ich.“ Aber nicht Bornheim nennen.

Der Mike Josef könnte einen Tag lang aufhören so zu tun, als fände er es gut, wenn in der Platensiedlung ganze Familien auf der Straße landen, weil ein Mitglied mit Drogen handelt. Und er muss sich auch keine Sorgen machen, der Markus Frank übernimmt seinen Part gerne, der verteidigt dieses seltsame Vorgehen unserer ABG auch noch in unserem Facebook, da kennt er nichts.

Die Ursula Busch von der SPD-Fraktion … nein, von ihr fordern wir heute keinen Verzicht. Sie hat zuletzt in ihrer Rede zum kostenlosen Schwimmen die Römerbriefe erwähnt, das hat uns stolz gemacht.

Wir sind eben auch käuflich, das unterscheidet uns von Greta.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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