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Römerbriefe: Olé, Olé, Olé

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Von: Sandra Busch, Georg Leppert

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Mike Josef freut sich auf die EM in Frankfurt.
Mike Josef freut sich auf die EM in Frankfurt. © Michael Schick

Die Stadt zahlt gerne viel Geld für die Ausrichtung der Fußball-EM. Wenn ein paar Bedingungen erfüllt sind. Die FR-Kolumne aus dem Frankfurter Rathaus.

Busch: 30 Millionen Euro, das ist schon sehr viel Geld, nur für ein Fußballturnier.

Leppert: Was heißt „nur“?

Busch: Naja, es gibt gerade einmal fünf Partien in Frankfurt. Wenn da wenigstens ein paar Eintracht-Spieler dabei wären...

Leppert: Das würde die Akzeptanz für die Kosten sicher erhöhen, das stimmt.

Sie haben es bestimmt gelesen, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Dass Frankfurt Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft ist, kostet die Stadt 30 Millionen Euro. Also vielleicht nicht ganz so viel, weil das Land einen Zuschuss leisten könnte. Aber trotzdem: In einer Zeit, in der man sich jeden Abend fragt, ob man die Heizung schon aufdrehen soll, ist das viel Geld.

Nun wollen wir nicht mäkeln. Wir bekommen dafür ja auch viel. Zum Beispiel eine Fanmeile. Und der Service des DLRG will ja auch bezahlt werden. Die Helfer:innen hatten bei der WM 2006 im Minutentakt betrunkene Engländer aus dem Main gezogen, die von einer Brücke ins Wasser gesprungen waren. Allerdings hatte der Main damals auch im Sommer noch einen Pegelstand von mehr als 43 Zentimetern, wobei der Klimawandel auch schon 2006...

Wir schweifen ab. Sportdezernent Mike Josef (SPD) wird unsere Politiker:innen in der heutigen Sitzung des Stadtparlaments davon überzeugen müssen, dass diese Investition wirklich nötig ist. Gut wäre, wenn er vorab in einer Mail an Bundestrainer Hansi Flick darum bitten würde, dass während der EM dann zumindest Kevin Trapp und Mario Götze spielen. Wenn Frankfurt schon so viel Geld gibt. Dennoch dürften die Stadtverordneten ein paar Forderungen stellen. Hier unsere wie immer ziemlich wirren Überlegungen...

FDP-Fraktionschef Yanki Pürsün knüpft die Zustimmung der Freidemokraten an die Zusage des europäischen Fußballverbands Uefa, dass Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) keines der Spiele in Frankfurt besucht.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Tina Zapf-Rodriguez erklärt: „Wir wollen keine Müllberge im Stadion und auch nicht auf der Fanmeile. Und riesige Mülleimer wollen wir auch nicht. Die Leute sollen ihren Müll mit nach Hause nehmen und dort umweltgerecht entsorgen. Und wenn sie das nicht wollen, weil die Verpackung vom Hot Dog so eklig ist, sollen sie halt Vegetarier:innen werden.“

Linken-Fraktionschef Michael Müller: „Wir stimmen zu, wenn alle versprechen, dass wir in der nächsten Koalition auch mal mitspielen dürfen.“

OB Peter Feldmann (SPD) darf zwar gar nicht abstimmen, hat aber trotzdem was dazu zu sagen. „Wenn wir die 30 Millionen nicht in die EM, sondern in kostenlose Kitaplätze stecken, dann gebe ich mein Amt im Oktober auf.“ Daraufhin wird es im Stadtparlament hitzig: Wie sehr ist das dem OB zu glauben, kann schnell ein Notar herbeigeholt werden, leidet das Image der Stadt mehr unter dem OB oder unter einer fehlenden EM, welches Jahr meint er. Jegliche Fristen werden dabei verpasst. Es kommt zu keiner Abstimmung, gibt kein Geld für die EM, der Ball rollt 2024 nicht in Frankfurt. Aber der OB, der ist dann noch da.

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das

aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es unter www.fr.de/roemerbriefe.

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