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Römerbriefe: Neue Machtstruktur

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Von: Sandra Busch, Georg Leppert

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Ferienzeit.
Ferienzeit. © ROLF OESER

Wenn die komplette Führung einer Fraktion in Urlaub ist, kann einiges passieren. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Busch: Mein Urlaub ist übrigens schön. Und deiner?

Leppert: Bestimmt auch schön. Aber ich schreibe das ja gar nicht im Urlaub.

Busch: Sondern an deinem letzten Arbeitstag, stimmt ja. Also fast eine Woche, bevor das hier erscheint.

Leppert: Immerhin gehen wir damit offen um.

Wir sind im Urlaub, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Alle beide. Einfach weg. Zumindest nicht in der Redaktion.

Nun gibt es im Römer Menschen, die für wichtigere Dinge zuständig sind als für diese Glosse. Und auch die machen mal Urlaub. Was aber passiert, wenn wirklich alle Verantwortlichen einer Partei oder Fraktion gleichzeitig weg sind? Wer füllt dann das Machtvakuum? Wir haben uns da mal ein paar Gedanken gemacht, was in so einem Fall passieren könnte.

Wenn bei der SPD die Fraktionschefin Ursula Busch und ihr Stellvertreter Holger Tschierschke gleichzeitig ausfallen, übernimmt der Stadtverordnete Thomas Bäppler-Wolf das Ruder. „Facebook Bäppi“, wie ihn außer uns bestimmt niemand ruft, startet die Petition „Rücktritt Karl Lauterbach jetzt!“

Die Grünen ohne Fraktions- und Parteispitze? Das wäre die Chance für Nargess Eskandari-Grünberg und Hilime Arslaner. Beide berufen kurzerhand eine Mitgliederversammlung ein und lassen darüber abstimmen, wer von ihnen bei der OB-Wahl antreten soll. Wenn die Kreisvorsitzenden Julia Frank und Götz von Stumpfeldt aus dem Urlaub zurückkehren, haben die beiden Frauen Fakten geschaffen – eventuell vereinbaren sie auch, sich die Amtszeit zu teilen. Wie auch immer, irgendwelche Bewerbungen von außerhalb sind dann jedenfalls ausgeschlossen.

Die FDP ohne Führung? Kein Problem, der Stadtverordnete Uwe Schulz übernimmt, organisiert einen freiheitlich-demokratischen Ausflug zum Klapperfeld und lässt die Fassade mit den ganzen linken Sprüchen übermalen. Dafür kommt ein riesiges Verkehrsschild an die Wand: Tempolimit 260.

Bei der CDU wäre der Stadtverordnete Frank Nagel bereit, wichtige Entscheidungen zu treffen. Nagel, der auch im Verkehrsmuseum Verantwortung trägt, lässt auf mehreren Straßenbahnlinien sehr alte Züge fahren, die teils mit Kohle betrieben werden. „Wir sollen doch Strom sparen“, kommentiert Nagel lakonisch.

Bei der Linken könnte der Stadtverordnete Eyup Yilmaz an Einfluss gewinnen. Wenn die Fraktionsvorsitzenden Michael Müller und Dominike Pauli aus dem Urlaub kommen, hat er bereits alles für die OB-Wahl 2024 geregelt und Peter Feldmanns Kandidatur für die Linken angemeldet.

Und der Magistrat? Digitaldezernentin Eileen O’Sullivan mag die einzige Vertreterin von Volt sein. Aber dennoch könnte sie in den Ferien die komplette Verantwortung übernehmen. Dann rettet sie das Euro-Symbol nicht nur. Sie bittet Künstler Ottmar Hörl sogar, eine zweite, noch (!) schönere Skulptur anzufertigen, die dann vor der Europäischen Zentralbank im Ostend ausgestellt wird.

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es unter www.fr.de/roemerbriefe.

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