Der Römer vom Domturm aus gesehen.
+
Der Römer vom Domturm aus gesehen.

Römerbriefe

Römerbriefe: Musik liegt in der Luft

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen
  • Georg Leppert
    Georg Leppert
    schließen

Wir werden jünger, dynamischer und frischer und werfen die Jukebox an. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Ich beantrage hiermit beim Chefredakteur die Feststellung, dass ich dich bei der Abrechnung der Nussecken niemals übers Ohr gehauen habe.

Göpfert: Äh, Georg, du hast nie eine Nussecke, die ich dir mitgebracht habe, bezahlt, aber das ist ja auch okay so.

Leppert: Siehst du, es steht im Raum, ich sei ein Nussecken-Betrüger. Und das muss der Chefredakteur ausräumen.

Göpfert: Vielleicht hat der wegen der Corona-Krise gerade andere Probleme, aber das hat Peter Feldmann ja auch nicht gestört.

Sie werden es gelesen haben, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik: Unser Oberbürgermeister will endlich eine Klarstellung. Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) soll eindeutig kundtun, dass Feldmann in der AWO-Affäre seine Dienstpflichten nicht verletzt hat.

Nun sagen viele, der Zeitpunkt sei vielleicht etwas ungünstig so mitten in der größten Krise, die dieses Land in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Aber das ist kleinkariert. Nach Informationen der „Römerbriefe“ hätte Beuth nur 21 von 44 dringend anstehenden Corona-Entscheidungen vertagen müssen, um dem Antrag des Oberbürgermeisters gerecht zu werden. Hätte er bestimmt auch gemacht, wenn Feldmann nach dem Pokalsieg 2018 nicht diese unsäglichen Eintracht-Fans auf den Römer-Balkon gelassen hätte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls sollte man nicht nur darüber reden, wann Feldmann diesen Antrag eingebracht hat. Man kann sich ja auch mal mit dem Instrument an sich beschäftigen. Und das ist durchaus spannend: Ein Politiker beantragt, dass irgendjemand ihn von allen Vorwürfen freispricht – ganz egal, ob es diese Anschuldigungen überhaupt gegeben hat. Davon sollten viel mehr unserer Politikerinnen und Politiker Gebrauch machen. Zum Beispiel ...

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) verlangt vom Schulelternbeirat der IGS Nordend die Feststellung, dass sie bei der Auswahl des Caterers keinen Fehler gemacht hat und auch nicht ungeschickt vorgegangen ist. Begründung: Sodexo zieht sich jetzt zurück, und die paar Nudeln, die den Nordend-Kindern in den vergangenen zwei Jahren vielleicht nicht so gut geschmeckt haben ... härtet doch ab, so was.

Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) fordert von Sozialminister Kai Klose (Grüne) die Feststellung, dass Klose die Eintracht-Partie gegen den FC Basel unbedingt ohne Zuschauer austragen lassen wollte. Ansonsten hätte die Eintracht den Titel „Vorerst letzter deutscher Verein, der vor Fans Fußball spielte“ gewonnen. Majer legt Wert auf die Feststellung, dass er für diese entgangene Auszeichnung nicht verantwortlich ist.

Der Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) schließlich lässt von allen Fraktionsschefs feststellen, dass er keinen Parlamentarier zur Corona-Sitzung am heutigen Donnerstag gezwungen habe. Das hat auch nie jemand behauptet? Sicher, aber darauf kommt es bei diesen Anträgen doch nicht an.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare