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Römerbriefe: Live aus dem Plenarsaal

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Von: Sandra Busch, Georg Leppert

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Die Stadtverordneten lauschen nicht nur Reden im Stadtparlament – sie bedienen auch die Sozialen Medien.
Die Stadtverordneten lauschen nicht nur Reden im Stadtparlament – sie bedienen auch die Sozialen Medien. © Renate Hoyer

Die CDU twittert Botschaften aus dem Stadtparlament – das sollten andere Fraktionen auch viel öfter machen. Die FR-Kolumne aus dem Frankfurter Römer.

Leppert: Hast Du schon mal beim Gewinnspiel der CDU-Fraktion auf Twitter mitgemacht?

Busch: Nein, ich brauche keinen formschönen Frankfurt-Bleistift.

Leppert: Aber vielleicht den formschönen Äppler-Krug.

Busch: Ich warte auf das formschöne Rauten-Glas.

Wir folgen ja höchst interessiert unseren Politiker:innen in den sozialen Medien, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Immer wieder spannend, was dort gepostet wird. Da wird miteinander gestritten (oft) und sich versöhnt (selten), und klar, unsere Politiker:innen informieren dabei auch über ihre Arbeit. Auch aus der Stadtverordnetenversammlung wird gerne getwittert. Eifrig dabei: die CDU-Fraktion. Selbstverständlich wird dabei stets auf eigene Erfolge hingewiesen. „Super, dass Kulturdezernentin Hartwig unserer Forderung, den Musikbunker am Marbachweg zu retten, nachgekommen ist.“ Daumen-hoch-Emoji. Gut, das hatten auch andere Fraktionen gefordert, aber geschenkt, das ist eben Oppositionsarbeit.

Doch es geht gar nicht nur um politische Arbeit in den Tweets der CDU. Zu einer Rede von Falko Görres (Die Partei) wird gereimt: „Alle schweigen, keiner klatscht – Falko hat einen Witz gemacht.“ Essen genießendes Smiley, zwinkerndes Smiley. Und als sich Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in der jüngsten Sitzung zur Paulskirche zu Wort meldet, twittert die CDU: „Es redet Peter Feldmann … Wir melden uns ca. in einer Stunde wieder.“ Zwinkersmiley.

Wir finden, es sollten noch viel mehr Fraktionen aus den Stadtverordnetenversammlungen twittern. Hintergründe, Andeutungen, Angebote. Denn es ist ja doch viel los während so einer Sitzung, das nicht immer so offensichtlich ist. Ein paar Vorschläge von uns, was die anderen Parteien alles so twittern könnten:

Grüne: „Wer Anträge mal sehen will, bevor sie in der Koalitionsrunde von der FDP zerpflückt werden, kann jetzt zur Garderobe kommen.“

Die Partei: „Wer uns seinen Antrag geben will, damit wir ihn stellen: Wir sitzen ganz hinten.“

FDP: „Yanki Pürsün hat Kopfweh. Kann mal jemand in die Mohren-Apotheke gehen und Ibuprofen holen?“

SPD: „Unser Fraktionsvorstand übt noch das Twittern. Er ist mit dem Social-Media-Leitfaden für Seniorinnen und Senioren fast durch.“

Linke: „Gibt nur noch Sprudelwasser am Platz: Bieten einen Lastwagen voll mit Cola, wenn wir dafür das nächste Mal in die Regierung kommen. Oder Apfelsaft. Oder Bier. Aber es ist eigentlich egal, was wir bieten. Die Grünen werden uns eh nie wollen.“

Ökolinx: „Hat jemand Manfred Zieran gesehen? Nachdem er von Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner wegen Zwischenrufen für 20 Minuten auf die stille Treppe geschickt wurde, kommt er nicht wieder.“

Feldmann: „Um genau zu sein: Meine Rede ging nur 38 Minuten. Aber ich melde mich gleich ein zweites Mal zu Wort, damit die CDU keine Fake News verbreitet.“

Volt nach dem Stadtparlament: „Mobile Daten aufgebraucht, WLAN im Stadtparlament ausgefallen – wer kann uns nächstes Mal einen Hotspot geben?“

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es unter www.fr.de/roemerbriefe

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