Römerbriefe

Literatur im Römer

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen
  • Georg Leppert
    Georg Leppert
    schließen

Die SPD stellt sich mit einem Pixi-Buch vor. Die übrigen Fraktionen müssen nachziehen.

Leppert: In der vorigen Woche hatten wir ja unseren Test gestartet, ob wir Jobangebote bekommen, wenn wir uns bei Politikern anbiedern.

Göpfert: Habe nichts bekommen.

Leppert: Ich auch nicht. Dann können wir ja jetzt über Wichtiges schreiben.

Göpfert: Genau. Über Literatur.

Sie haben es gelesen, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik: Die Buchmesse in ihrer bekannten Form fällt in diesem Jahr aus. Das darf aber kein Grund sein, auf Literatur zu verzichten, dachte sich die SPD-Fraktion und legte ein Pixi-Buch auf, in dem sie erklärt, was sie so macht.

Die wirklich liebevoll gezeichneten Hauptfiguren sind Fraktionschefin Ursula Busch, der Stadtverordnete Holger Tschierschke und Mia. Mia ist Schülerin und will schauen, was Sozialdemokraten im Römer erleben. Das zeigen ihr Busch und Tschierschke dann. Wir wollen nicht zu viel verraten, aber als Höhepunkt des Tages lernt Mia den Peter kennen. Also den Herrn Oberbürgermeister. Bei wichtigen Anlässen trage er eine goldene Kette, steht im Buch. Bei nicht so wichtigen allerdings auch.

Jedenfalls beißen sich jetzt gerade alle anderen Fraktionen in den Hintern. So ein Buch mit Mia in der Hauptrolle brauchen sie auch. Gut, dass in den Römerbriefen schon die ersten Entwürfe stehen.

Mia bei der CDU: Als Mia zu Besuch kommt, arbeitet Nils Kößler gerade am Wahlprogramm. Es heißt: „Frankfurt: die 25 wichtigsten Fragen“. Die ersten sechs der wichtigsten Fragen hat Kößler schon aufgeschrieben: Hat Peter Feldmann Einfluss auf das Gehalt seiner Frau bei der AWO genommen? Echt nicht? Will der uns verarschen? Wurde Peter Feldmann im Sinne der AWO bei der Stadtregierung tätig? Wirklich nicht? Jetzt will er uns aber doch verarschen, oder?

Mia bei den Grünen: Der Stadtverordnete Wolfgang Siefert malt ein Plakat, auf dem steht: „Der Mainkai bleibt zu!!!“. Mia darf die Bäume malen. Da kommt Sieferts Chef, Sebastian Popp. Er nimmt Siefert und Mia die Stifte weg. Popp ist sehr böse. „Mensch, Wolfgang“, schimpft er, „wenn die CDU dein Plakat sieht, ist sie total verärgert und macht keine Koalition mit uns, und dann werde ich nicht Kulturdezernent und du wirst nicht Verkehrsdezernent.“ Mia will wissen, was ein Verkehrsdezernent so macht und ruft beim Klaus Oesterling an. Aber der gibt gerade ein Interview, in dem er sagt, der Klimawandel sei nicht so schlimm.

Mia bei der FDP: Fraktionschefin Annette Rinn ist gerade nicht da. Dafür sitzt ein Oberst Stein an ihrem Schreibtisch. Er erzählt Mia, er werde den Laden nach der Kommunalwahl übernehmen. Sicherheit und Sauberkeit seien die wichtigsten Themen in Frankfurt, das glaubten alle Bürgerinnen und Bürger, deshalb habe er bei der OB-Wahl 59,4 Prozent geholt. Später räumt der Oberst ein, dass das Komma verrutscht sei. Es waren 5,94 Prozent. Vorher aber kommt noch ein sehr alter Mann in den Raum, der sich „Müll-Sheriff“ nennt. Er sagt: „Volker, ich berate dich gerne auf dem Weg zur Macht, aber vorher muss ich für den Peter Feldmann noch 999 Müllsünder fangen.“

Mia bei der SPD (Band 2): Mia bittet ihre gute Freundin Ursula Busch um Hilfe. Sie hat Probleme im Fach Mengenlehre. Links die bunten Quadrate, rechts die grünen Formen und in der Schnittmenge grüne Quadrate. Das versteht sie einfach nicht. Busch erklärt es ihr an einem anderen Beispiel. Sie nimmt Mia mit zu einem Fest in einer Arbeitersiedlung. Dort sitzen einige SPD-Politiker und ein paar AWO-Funktionäre. Und dann gibt es noch eine riesengroße Schnittmenge.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare