Römerbriefe

Römerbriefe: Liebes Tagebuch

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    Georg Leppert
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Unsere Politikerinnen und Politiker hatten sich den Frühling im Römer ganz anders vorgestellt. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Göpfert: Und bei dir so?

Leppert: Muss ja.

Göpfert: Hört sich trist an. Wollen wir mit den Kollegen die nächste Plenarsitzung planen?

Leppert: Gibt doch bestimmt eh wieder so eine merkwürdige Geistersitzung.

Machen wir uns nichts vor, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik: Es geht uns nicht gut. Nichts ist mehr normal, wir schreiben über Corona, Corona, Corona, und ein Ende ist nicht abzusehen. Deshalb können wir heute nicht einfach in den heiteren Modus schalten.

Das Gute ist immerhin: Wir sind von dieser Krise alle betroffen. Sie, wir – und auch unsere Politikerinnen und Politiker. Die hatten sich den politischen Frühling im Römer auch ganz anders vorgestellt und tragen nun Trauer. Angeblich führen viele ja sogar ein Corona-Tagebuch. Was da wohl drinsteht? Die Antwort – wie immer frei erfunden – in ihren Römerbriefen.

Sportdezernent Markus Frank (CDU): „Liebes Tagebuch, kein Mensch fragt mehr nach der Halle. Da ist nicht gut. Gar nicht gut. Was mache ich denn jetzt? Wenn ich jetzt erzähle, dass unsere Löwen und unsere Skyliners bald am Kaiserlei spielen, lachen doch alle. Wer denkt denn jetzt noch an Eishockey und Basketball? Aber wenn ich es nicht tue, dann kommt bestimmt irgendein Investor mit einem tollen Projekt und sagt den Vereinen, dass sie die Krise auf jeden Fall überstehen und danach auch noch ganz tolle Spieler bekommen, sie müssten sich nur verpflichten, in seiner Halle zu spielen. Und dann klappen meine Kaiserlei-Pläne nie …“

CDU-Chef Jan Schneider: „So ein elender Mist. Jetzt bin ich extra am letzten Regentag – das muss so vor acht Wochen gewesen sein – von der U-Bahn-Station Ostbahnhof zum Raab-Karcher-Gelände gelaufen und habe die Vordächer so geschickt genutzt, dass ich nur zwölf Tropfen abbekommen habe, und deshalb kann ich sagen, dass es für die tolle neue Oper am Osthafen gar keine neue U-Bahn-Station braucht, wie die anderen immer behaupten. Und jetzt kommt Corona, und alle sagen, man müsse jetzt erst einmal abwarten, wie es weitergeht mit so krassen Investitionen wie dem Neubau der Bühnen. Menno.“

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD): „Habe heimlich in Jans Tagebuch gelesen. Der lernt es nie.“

Stephan Siegler (CDU), Stadtverordnetenvorsteher: „Wenn zur Plenarsitzung um 16 Uhr jeweils ein Vertreter von CDU und SPD kommt, um 16.30 Uhr dann einer von den Grünen und die Annette Rinn von der FDP, um 17 Uhr sind dann AfD und Linke dran, um 17.30 Uhr Wehnemann und Ditfurth, um 18 Uhr noch der Bernie Ochs und der Mund … – das müsste gehen. Dann wären wir doch beschlussfähig, ohne gegen das Kontaktverbot zu verstoßen. Jeder gibt nur seine Stimme ab und geht wieder. Frankfurt bleibt handlungsfähig.“

Ina Hartwig: „Habe jetzt auch in Stephans Tagebuch gelesen. Muss dafür sorgen, dass die CDU den Dürbeck und die Grünen den Popp schicken. Und dann beschließen die die tollsten Bühnen der Welt.“

So weit unser Einblick in die Corona-Tagebücher. Bleiben Sie gesund!

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppertberichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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