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Römerbriefe: Leider verloren

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Von: Sandra Busch, Georg Leppert

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Lospech: Projekte auf diesen Seiten im Koalitionsvertrag werden gestrichen.
Lospech: Projekte auf diesen Seiten im Koalitionsvertrag werden gestrichen. © Sandra Busch

Welche Projekte werden aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt und welche nicht? Wir haben Vorschläge. Die FR-Kolumne aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Losnummer 137.

Busch: Ich hab 49 gezogen.

Leppert: 76.

Busch: 57. Noch ein Los, ein Projekt muss noch weg.

Es sind immerhin 223 Seiten, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. So viele Seiten, auf denen im Koalitionsvertrag von Grünen, SPD, FDP und Volt viele große und kleine Projekte stehen. Ein ambitionierter Wälzer. Kostet alles Geld. Was davon nun wirklich umgesetzt wird – wir wissen es nicht. Das neue Quartier östlich der A5 will man nun vorantreiben, da ist man sich einig. Beim kostenlosen letzten Krippenjahr nicht. Das hätte es laut Koalitionsvertrag schon längst geben sollen, aber die Grünen haben da keine Lust mehr drauf. Warum – und welche Projekte wirklich realisiert und finanziert werden –, darüber wird geschwiegen. Wir wissen nur: Man kann sich auf nichts verlassen.

Wir finden: Die Öffentlichkeit hat es verdient zu wissen, welche Projekte die Koalition umsetzen will und welche nicht. Da wir darüber von der Koalition aber nichts hören, springen wir mal hilfreich zur Seite und verkünden die Projekte, die nicht umgesetzt werden sollen. Wie wir die Projekte ausgewählt haben? Wir haben gelost. 223 Lose, für jede Seite eins. Und das erste Projekt auf der ausgelosten Seite hat leider verloren. Es wird gestrichen. Hier nun unser Losergebnis:

Seite 137: „Wir fördern professionelle Radfahrtrainings in der Grundschule. Es sollen Angebote geschaffen werden, die die Schüler:innen beim Erlernen des Fahrradfahrens unterstützen. Außerdem soll der Neubau des Jugendverkehrsgartens als Holzmodul zügig umgesetzt werden.“ Gestrichen, dann lernen die Kinder eben nicht Rad fahren. Zu Fuß und mit der Bahn kann man auch gut unterwegs sein.

Seite 49: „Wir werden die Wettbewerbskultur stärken, in dem durch klare Wettbewerbsrichtlinien der Städtebau und die Architektur ausschlaggebend für das Ergebnis sind.“ Ach, wer braucht schon Wettbewerbe. Bei der Stadt arbeiten doch Architekten, die können auch entwerfen.

Seite 76: „Wir erkennen an, dass die VGF dringend einen neuen Betriebshof benötigt und werden die Umsetzung dieses Projekts unterstützen.“ Sorry, liebe VGF, aber so dringend ist es auch wieder nicht.

Seite 57: „Ein großer Teil der 60 Millionen Euro, die die Landesregierung der Stadt Frankfurt aus dem Verkauf des Polizeipräsidiums zur Verfügung stellen wollte, sollen für die Entwicklung Studentischen Wohnens und für Auszubildende und bevorzugt für Flächen, auf denen das Studentenwerk bauen kann, eingesetzt werden.“ Bitter, aber ausgelost ist ausgelost. Finden sich sicher noch Kammern in Frankfurt für 800 Euro.

Seite 106: „Die Implementierung eines Jugendparlamentes werden wir zusammen mit Stadtschüler:innenrat und Jugendring weiter fortsetzen und fördern und eine entsprechende Finanzierung bereitstellen.“ Schade eigentlich, aber das mit dem Jugendparlament wird nichts. Die reden vielleicht auch besser nicht überall mit.

Wir haben auch schon eine Warteliste für weitere zu streichende Projekte ausgelost. Wollen ja nur behilflich sein. Es folgen die Seiten 144, 148, 198, 6, 87.

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das

aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es unter www.fr.de/roemerbriefe.

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