Römerbriefe

Keine falsche Bescheidenheit

  • Claus-Jürgen Göpfert
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  • Georg Leppert
    Georg Leppert
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Im Zoo gibt es jetzt auch Elefanten. Und die Eishockey-Löwen spielen in einer supermodernen Halle. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Römer.

Göpfert: Ich habe in meiner langen Karriere genau 56.723 Texte geschrieben.

Leppert: Wow.

Göpfert: Und jeder davon war sehr gut.

Leppert: Selbstverständlich.

Bescheidenheit ist eine Zier, doch besser lebt man ohne ihr. Sie kennen das Sprichwort, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Daran hält sich auch Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Auf dem offiziellen Kulturkanal der Stadt im Internet warb sie für das Kultur- und Freizeitticket, mit dem die meisten Kinder und Jugendlichen in Frankfurt unter anderem kostenlos in den Zoo dürfen. Um das zu illustrieren, verwendete das Online-Portal das Bild eines Elefanten. Klar, Elefanten sind die besten Tiere. Groß, mächtig, gutmütig… Es gibt sie nur leider nicht im Frankfurter Zoo.

CDU-Chef Jan Schneider hat auf Twitter diesen Widerspruch aufgedeckt. Danke, Jan Schneider, die Römerbriefe leben von solchen Hinweisen. Zur Belohnung dürfen Sie beim FR-Stadtgespräch zur OB-Wahl 2024 das Schlusswort sprechen – es sei denn, Mike Josef (SPD) liefert uns bis dahin noch eine bessere Geschichte.

Auf der anderen Seite muss man sagen: Ist es denn wirklich so schlimm, wenn die Stadt Frankfurt mal ein bisschen dicker aufträgt? Können die anderen Politiker davon nicht auch etwas lernen? Wir haben da ein paar Vorschläge.

Sportdezernent Markus Frank (CDU) wirbt für die Spiele der Eishockey-Löwen. Das Plakat dazu zeigt eine Spielszene. Allerdings nicht aufgenommen in der maroden Eissporthalle, in der die Löwen noch die nächsten 100 Jahre spielen werden, sondern in der hochmodernen SAP-Arena in Mannheim.

Schuldezernentin Sylvia Weber (SPD) teilt mit, das Schulessen in Frankfurt sei sehr gesund. Auf dem Plakat ist das Essen der Cantina Buen Barrio zu sehen, die aber seit zwei Jahren kein Essen an der IGS Nordend mehr anbieten kann, weil die Stadt seinerzeit die Ausschreibung fürs Schulessen verbockt hat.

Die Frankfurter Grünen machen Werbung für „Verkehrspolitik ohne Kompromisse“. Auf dem Foto sind Sebastian Popp und Wolfgang Siefert zu sehen, wie sie auf dem gesperrten Mainkai picknicken. Nur ist der Mainkai ab September nicht mehr gesperrt, weil die Grünen die politische Mehrheit für eine Fortsetzung der Sperrung nicht nutzen. Die CDU könnte sonst sehr böse werden.

Bleibt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Der behauptet, dass Frankfurt unter ihm nicht mehr auf alte weiße Männer setze, sondern in wichtigen Fragen ganz neue Wege gehe und jungen, unverbrauchten Menschen die Verantwortung überlasse. Beworben wird diese Agenda Frankfurt 2022 mit einem Bild von Feldmann und Peter Postleb.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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