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Römerbriefe: Herr Majer macht eine Ausnahme

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Von: Sandra Busch, Georg Leppert

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Macht für die Eintracht eine Ausnahme: Gesundheitsdezernent Stefan Majer.
Macht für die Eintracht eine Ausnahme: Gesundheitsdezernent Stefan Majer. © Oeser

Manche Regeln muss man zum Wohle der Stadt neu interpretieren. Die FR-Kolumne aus dem Frankfurter Römer.

Busch: Das 1:0 in der 3. Minute, Torschütze Rafael Borré.

Leppert: Das 2:0 in der 34. Minute, Torschütze Jesper Lindström.

Busch: Das 3:0 in der 56. Minute, Torschütze Daichi Kamada.

Leppert: Das 4:0 in der Nachspielzeit, Torschütze Filip Kostic.

Jetzt wird alles gut, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Zumindest bei der Eintracht. Denn die darf am Samstag gegen die Bayern zumindest vor 25 000 Fans spielen. Da ist ein 4:0 locker drin. Und wem haben die Eintracht und ihre Fans das zu verdanken: Stefan Majer (Grüne), dem Gesundheitsdezernenten.

Es ist nämlich so: Eigentlich dürfen nur 10 000 Menschen zu Großveranstaltungen kommen. Das hat der Volker Bouffier (CDU), der Hessische Ministerpräsident, am Montag erst gesagt. Es gibt aber die Möglichkeit, Ausnahmen von dieser Regel zu beantragen. Das hat die Eintracht getan, und das Gesundheitsamt hat zugestimmt. Und wer ist politisch verantwortlich dafür: Stefan Majer.

Nun sind unsere anderen Dezernentinnen und Dezernenten natürlich gefordert. Auch sie sollten Ausnahmen zum Wohle der Stadt machen. Wir haben da ein paar Ideen:

Weil der Platz am Praunheimer Weg nicht mehr ausreicht, sucht die Stadt seit Jahren ein Grundstück für die Europäische Schule. Das muss sie, da sie sich dazu in einem Vertrag mit der Bundesrepublik Deutschland verpflichtet hat. Nun schließt die Schule aber einen Wegzug aus Frankfurt nicht mehr aus. Bildungs- und Baudezernentin Sylvia Weber (SPD) macht daher mal eine Ausnahme. Die Schule darf gehen. Trotz Vertrag. Auch wenn Weber natürlich ansonsten noch weiterhin jahrelang gesucht hätte.

Für Straßenmusikerinnen und Straßenmusiker gelten klare Vorschriften in Frankfurt. Uhrzeiten und Lärmpegel müssen eingehalten werden. Verstärkeranlagen dürfen nicht genutzt, nach einer Stunde muss der Standort gewechselt werden. Ordnungsdezernentin Annette Rinn (FDP) macht aber eine Ausnahme von den Vorschriften: Wer fehlerfrei die Eintracht-Hymne „Im Herzen von Europa“ spielen und singen kann, darf das jederzeit und überall tun. Eine Jury urteilt darüber, ob die Ausnahmegenehmigung erteilt wird: Sportdezernent Mike Josef (SPD, kann die Hymne fehlerfrei), Bildungsdezernentin Weber (spielt Gitarre), Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD, die Hymne ist Kulturgut) und natürlich Majer (weiß als Gesundheitsdezernent, wann es gesundheitsschädlich wird).

Nach einem Gerichtsurteil darf die Stadt die Mahnwachen selbst ernannter „Lebensschützer“ vor einer Beratungsstelle von Pro Familia am Palmengarten nicht verbieten. Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) macht eine Ausnahme davon, dass Gerichtsurteile grundsätzlich zu beachten sind. Sie lässt die gegen Schwangerschaftsabbrüche protestierende Gruppe im hintersten Stadtwald demonstrieren.

Und Kämmerer Bastian Bergerhoff (Grüne)? Der ... ach nee, dessen Haushalt ist ja schon eine einzige Ausnahme.

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