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Römerbriefe: Guten Appetit

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Von: Sandra Busch, Georg Leppert

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Die FDP verschenkt Wahlkampfmaterial – aber keine gebratenen Gänse mehr.
Die FDP verschenkt Wahlkampfmaterial – aber keine gebratenen Gänse mehr. © ROLF OESER

Die FDP lädt nicht mehr zum Gänseessen ein. Oder will sie nur die Presse nicht dabei haben? Die FR-Kolumne aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Am besten fand ich immer die Klöße.

Busch: Dass für dich der Vorspeisensalat nicht der Höhepunkt des Menüs war, ist mir klar.

Leppert: Und die Gans war zuletzt immer schön kross gebraten.

Busch: Stimmt. Ich war immer ein großer Fan der Nachspeise.

Wir sind ehrlich zu Ihnen, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Mitunter gehen wir mit unseren Politiker:innen essen. Das dient natürlich nicht dazu, dass wir uns den Magen vollschlagen. Man erfährt wichtige Hintergrundinfos einfach eher bei einem Brötchen, einer Brezel – oder einer knusprigen Gans.

Damit sind wir beim Thema. Jahre-, wenn nicht jahrzehntelang war es üblich, dass die FDP-Fraktion die Römer-Reporter:innen der Frankfurter Zeitungen zum Gänseessen einlädt. Ein Termin, den wir alle sehr geschätzt haben. Dann kam Corona, und nun wird diese Tradition nicht mehr aufgenommen.

Wir haben mal gefragt, warum es kein Gänseessen mehr gibt, waren von der Begründung aber nicht wirklich überzeugt. Wir glauben ja, der lustige Abend findet durchaus statt. Nur ohne die Presse. Hier kommt es, das völlig frei erfundene Protokoll des FDP-Gänseessens ...

Yanki Pürsün, Fraktionschef und OB-Kandidat: „Liebe Freunde, warum soll ich keine Chance haben, OB zu werden? Wer von euch hätte damit gerechnet, dass Petra Roth gewinnt oder dass die Eintracht den Europapokal holt oder dass Raider plötzlich Twix heißt?“

Stephanie Wüst, Wirtschaftsdezernentin: „Du, Yanki, kannst du dich in deiner Rede noch kurz bei Radeberger bedanken? Ich fand es total toll von denen, dass die mich direkt angerufen haben, als sie die Entscheidung gegen die Binding-Brauerei getroffen haben. So musste ich nicht aus der Presse erfahren, wie viele Leute bald keine Arbeit mehr haben, weil Radeberger Kohle machen will. Vielen Dank dafür.“

Sebastian Papke, Stadtverordneter: „Wo ist eigentlich Annette Rinn?

Pürsün: „Die Ordnungdezernentin kommt später. Muss noch die 15 000 Mails beantworten, die bei der Ausländerbehörde herumliegen.“

Uwe Schulz, Stadtverordneter: „Und wo ist die Presse?“

Pürsün: „Nicht eingeladen. Die stellen immer so fiese Fragen.“

Papke: „Ob du besser abschneidest als Volker Stein.“

Pürsün: „Ja, oder wie die Mieter bei der ABG 110 Prozent mehr für die Heizung bezahlen sollen.“

Nathaniel Ritter, Stadtverordneter: „Hahahaha, diese Jammerlappen-Journalisten. Sollen doch die Linke wählen.“

Pürsün: „Herr Ober, wieso bekommen wir eigentlich immer nur Leitungswasser?“

Kellner: „Weil wir nur noch Leitungswasser anbieten. Die grün-rot-gelb-lila-versiffte Stadtregierung hat die Straße hier verkehrsberuhigt. Jetzt stehen überall Pflanzenkübel herum, und die Lieferanten kommen nicht mehr.“

Schulz: „Skandal ...“

Uwe Schulz hält einen einstündigen Vortrag über die Wirtschaftsfeindlichkeit der Grünen und die Parallelen zwischen Klimaaktivist:innen und Reichsbürgern. Pürsün ruft die Presse an und fragt, ob man sich spontan an einer Imbissbude treffen könne.

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das

aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es unter www.fr.de/roemerbriefe.

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