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Römerbriefe: Ein Prosit kommt selten allein

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Von: Sandra Busch, Georg Leppert

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So einen Empfang wollen wir auch.
So einen Empfang wollen wir auch. © Rolf Oeser

Wir eilen von Empfang zu Empfang – und überlegen uns, wie unsere eigene Veranstaltung wohl aussähe. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Die Kaffeemaschine ist kaputt.

Busch: Und? Wir trinken doch beide keinen Kaffee.

Leppert: Aber unsere Gäste.

Busch: Bei Neujahrsempfängen gibt es nie Kaffee. Glaube ich.

Zu einem guten Start ins neue Jahr gehört unbedingt ein Neujahrsempfang, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Aber was heißt „einer“? Ein Prosit kommt selten allein, deshalb reiht sich Neujahrsempfang an Neujahrsempfang. Die Stadt, der DGB und die Grünen hatten unter anderem schon geladen, bis in den Februar geht es weiter. Das hat doch die vergangenen drei Jahre gefehlt, als es pandemiebedingt kein Empfang-Shopping zum Neujahr gab.

Also hurra, die Neujahrsempfänge sind zurück, und wir wollen unbedingt mitmachen mit unserem eigenen Römerbriefe-Neujahrsempfang. Allerdings kommen zu uns nicht so herausragende Redner wie Schriftsteller Navid Kermani. Wir brauchen also noch Neujahrsansprachen – und da fragen wir doch mal bei einigen unserer OB-Kandidat:innen an. Wir geben denen das Thema vor; die Redner:innen dürfen auch jeweils zwei Begleitpersonen zum Empfang mitbringen. Und hier kommt er, der völlig frei erfundene Ausblick auf unseren Empfang.

OB-Kandidatin Manuela Rottmann (Grüne) wählt als Begleitpersonen Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg und Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner. Doch beide sagen ab. Es gebe leider, leider Terminprobleme. Als Thema der Rede wählen wir den Klimaschutz in Frankfurt. Bedingung: Rottmann darf dabei nicht über den Riederwaldtunnel und den Fechenheimer Wald sprechen. Rottmann lehnt empört ab. Nie und nimmer könne sie eine Rede über Klimaschutz halten und dabei nicht den Fechenheimer Wald erwähnen.

SPD-Kandidat Mike Josef will zwei Mieter von ABG-Wohnungen mitbringen. Damit die es am Abend mal wieder so richtig warm haben. Die beiden sagen ab. Die ABG hat die Heizungen wieder hochgedreht, nicht mehr nötig, sich fürs warme Zimmer irgendwelche Reden anzuhören. In Josefs Rede soll es um Rassismus und die Silvesternachtkrawalle gehen. Darum bitten wir. Josef lehnt ab. Der Experte in der SPD für dieses Thema sei der Stadtverordnete Thomas Bäppler-Wolf.

CDU-Kandidat Uwe Becker entscheidet sich, Gegner der Mainkaisperrung mitzubringen. Herbert Schmoll und Jochem Heumann. Aber: Sie werden nicht hereingelassen. Der Sicherheitsdienst der Grünen… Sprechen soll Becker zum Thema: Wie setze ich meine durchaus selbstbewussten Ankündigungen („Mit mir wird es eine Sperrung der nördlichen Mainuferstraße nicht geben.“) um. Uwe Becker lehnt ab, er habe sein Exemplar der Hessischen Gemeindeordnung leider daheim vergessen.

Aber wer hält nun die Rede? Ehrlich, wir wissen nicht, wie er am Sicherheitsdienst der Grünen vorbeigekommen ist. Wir wissen auch nicht, wie er unerkannt ans Redepult gelangt ist. Aber plötzlich steht der Ex-Oberbürgermeister Peter Feldmann da und liest aus seiner Autobiografie. Prost Neujahr.

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es unter www.fr.de/roemerbriefe.

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