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Römerbriefe: Die Zäsur

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Von: Sandra Busch, Georg Leppert

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Peter Feldmann hat alles gesagt.
Peter Feldmann hat alles gesagt. © christoph boeckheler

Peter Feldmann verliert sein Amt. Und wir müssen neue Akzente setzen. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Gruppen in der Kita viel kleiner werden....

Busch: Äh, Georg...

Leppert: Und das Essen. Wir müssen über das Essen reden...

Busch: Darf ich dich daran erinnern, dass du bei der Wahl zum Elternbeirat im Kindergarten verloren hast? Und das ist übrigens jetzt ein Jahr her.

Manchmal fällt es schwer, eine Niederlage zu akzeptieren, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Natürlich reden wir von Peter Feldmann. Je nachdem, ob Sie diesen Text im Internet lesen oder immer erst abends die Zeitung studieren, ist er jetzt noch zwischen 30 und 54 Stunden Oberbürgermeister dieser Stadt. Das Volk hat ihn abgewählt, doch so richtig wahrhaben wollte das Feldmann zunächst nicht. Am Sonntag wie auch am Montag sprach er in seinem Statement über politische Inhalte. Über den Mietenstopp bei der ABG, über das Schülerticket, den kostenlosen Eintritt für Jugendliche in die Museen... Und wie er das so sagte, dachten wir: Gleich erklärt er, dass die Bühnen auf einer Insel im Main gebaut werden und er das auch ohne Unterstützung der Koalition durchsetzt.

Aber diese Abwahl ist ja auch eine Zäsur. Gerade für uns in den Römerbriefen. Wir haben mal nachgeschaut. 461 Kolumnen sind bisher erschienen. In 268 davon kam Feldmann vor. Das ist eine Quote von 58,13 Prozent. Uwe Becker, Vorsitzender der Abwahlkoalition und OB-Kandidat der CDU, kommt auf 120 Treffer. Auch nicht gerade wenig, und es könnten noch einige hinzukommen.

Feldmann: Erste Erwähnung 2013

Erstmals tauchte Feldmann übrigens am 19. April 2013 in den Römerbriefen auf. Der Mann hat also fast ein Jahr im Amt verbracht, ohne dass wir über ihn geschrieben hätten. Wir können den Herrschaften Becker, Josef, Bäppler-Wolf, Hartwig, Eskandari-Grünberg, Arslaner, Rottmann, Pürsün, Wehnemann (oder wer auch immer OB wird) nicht versprechen, dass es wieder so viel Schonfrist gibt. Aber unser erster Witz wird besser sein als damals. Im April 2013 ging es ums Job-Sharing und wir schlugen vor, der damalige Kämmerer Uwe Becker könnte den OB beim Abendempfang des SPD-Ortsvereins Oberrad ersetzen. „Feldmann dagegen ginge für Becker zur gleichen Zeit in die Oper und würde mit dieser Premiere bei der Premiere spontanen Szenenapplaus auslösen.“ Naja, mittelmäßig.

2016 haben wir dann Feldmann an dieser Stelle zur Geburt seiner Tochter gratuliert. Nein, wir werden jetzt nicht wieder anfangen mit Feldmanns sehr unschönen Aussagen vor Gericht. Wir schauen lieber mal, ob wir mit unserem „Blick in die Glaskugel“ (so hieß die Glosse damals) recht hatten. Abschließend sagen lässt sich das noch nicht. Fürs Jahr 2035 heißt es da: „Trotz Einser-Abi bekommt sie keinen Studienplatz an der Goethe-Uni. Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) hat noch eine sehr alte Rechnung offen.“ Wahrscheinlich kommt das anders.

Ob das die letzten Römerbriefe sind, in denen der Name Feldmann vorkommt? Vermutlich nicht. Aber OB wird er nächsten Donnerstag nicht mehr sein. Wir werden uns daran gewöhnen.

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es unter www.fr.de/roemerbriefe

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