Römerbriefe 

Römerbriefe: Bereit für den Neustart in Frankfurt

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Auch unsere Politiker kümmern sich derzeit nur um Corona. Aber irgendwann wird sich das wieder ändern. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Uwe Becker ist in Quarantäne.

Göpfert: Nein, Georg.

Leppert: Doch, das ist er. Er hat sich mit Friedrich Merz getroffen und …

Göpfert: Nein, Georg. Darüber wollen wir nicht schreiben. Also nicht an dieser Stelle. Die Römerbriefe sind coronafreie Zone.

Gar nicht so einfach, liebe Freundinnen und Freunde, in diesen Zeiten einen Artikel zu schreiben, der sich nicht mit Corona befasst. Denn seien wir ehrlich: Unsere Politikerinnen und Politiker kümmern sich gerade nur um dieses beschissene Virus. Und womit? Mit Recht.

Doch der Tag wird kommen, an dem das politische Leben in Frankfurt wieder so richtig weitergeht. Und auch wenn manche Menschen sagen, unsere Gesellschaft werde dann eine andere sein: Vermutlich wird es dann doch wieder um die bekannten Fragen gehen. Damit unsere Politikerinnen und Politiker dann nicht lange nachdenken müssen, haben wir einmal in knapper, vielleicht ein bisschen zugespitzter Form zusammengetragen, was eigentlich der Stand der Dinge war.

IAA: SUV-Modelle und knapp bekleidete Hostessen gibt es fortan nicht mehr in Frankfurt, sondern in München zu sehen. Viele finden das schade. Aber anders als bei Corona wissen Sie wenigstens, wen sie beschimpfen können: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat die Autobauer vergrault, obwohl er gar keine Rede zur IAA gehalten hat.

Paulskirche: Die Premiere von „Bad Banks“, Gewerkschafter, Linksradikale – alle hinein in die gute Stube. Sagt der Oberbürgermeister. Kommt nicht infrage, entgegnet die CDU. Eintritt nur für Menschen, die fließend Latein sprechen.

Bühnen und Bahnhofsviertel

Bühnen: Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und die Grünen sagen, dass man am derzeitigen Standort bleiben müsse, die CDU will so einen richtig geilen Protzbau am Osthafen. Ist aber letztlich auch nicht mehr wichtig, zumindest nicht in der nächsten Zeit. Denn wer will den Dutzenden Kulturbetrieben, die jetzt ums Überleben kämpfen, erklären, dass man eine Milliarde Euro in dieses Prestigeobjekt steckt?

Bahnhofsviertel: „Schlimm, schlimm, schlimm.“ (Nico Wehnemann)

Schulen: Wir müssen Schulen bauen, möglichst schnell. Das klappt aber nicht, weil: „Jan Schneider ist schuld.“ (Sylvia Weber) „Sylvia Weber ist schuld.“ (Jan Schneider) „Jan Schneider ist schuld.“ (Weber) „Sylvia Weber ist schuld.“ (Schneider)

Haushalt: Auch ein ganz nettes Thema. Soll in der nächsten Woche beschlossen werden. Der Kämmerer hat schon gesagt, dass das auch geht, wenn er in Quarantäne ist. Schließlich sei die Etatdebatte die Stunde des Parlaments. Aber ist diese Stunde sinnvoll, jetzt, wo man alles tun muss, um den wirtschaftlichen Zusammenbruch nach der Krise zu verhindern? Die Linke hat immer gesagt, die Stadt soll mehr Geld ausgeben, die FDP will sparen. Spoiler: Die Linke wird sich durchsetzen.

So weit unsere politische Bestandsaufnahme. Die AWO-Affäre haben wir ausgeklammert. Yanki Pürsün (FDP) wird auch in einigen Wochen oder Monaten noch jedes Detail kennen.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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