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Römerbriefe: Ausländer rein!

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Von: Sandra Busch, Georg Leppert

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Annette Rinn muss sich für die Ausländerbehörde etwas einfallen lassen.
Annette Rinn muss sich für die Ausländerbehörde etwas einfallen lassen. © christoph boeckheler

Eine Behörde hat ein massives Problem. Aber es könnte auch alles noch viel schlimmer sein. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Busch: Mit welcher Dezernentin oder welchem Dezernenten würdest du gerne tauschen?

Leppert: Schwierig. Vielleicht mit Mike Josef. Aber die Planung würde ich an den ehrenamtlichen Magistrat abgeben. Ich mache nur Sport.

Busch: Und mit wem würdest du derzeit auf gar keinen Fall tauschen?

Leppert: Das ist einfach. Mit Annette Rinn.

Annette Rinn hat ein Problem. Denn wie Sie sicher wissen, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, ist die FDP-Politikerin unter anderem für die Ausländerbehörde zuständig. Und da klappt gerade so gut wie gar nichts.

Die Belegschaft tut alles, was sie kann (Respekt!), aber es ist einfach viel zu viel. Die Klient:innen erreichen niemanden, viele tausend Mails liegen unbeantwortet in den Postfächern, Termine sind ganz schwer zu bekommen. Und bei den Anfragen geht es nicht darum, ob ein Wirt bei der Fußball-EM 2024 zwei zusätzliche Tische auf die Straße stellen kann. Das ist auch wichtig, muss aber vielleicht nicht genau jetzt geklärt werden. Bei der Ausländerbehörde geht es um Existenzen. Dass viele Beschäftigte unter diesem Druck krank werden, ist verständlich und verschlimmert die Lage weiter.

Dieser Tage hat Rinn eine Pressekonferenz gegeben. Zur gesamten Problematik sagte sie: „Wir müssen drüber sprechen, und ich hoffe, dass es auf Bundes- und Landesebene gehört wird.“ Das hörte sich nicht so fürchterlich hoffnungsfroh an. Aber selbstverständlich verbreiten die Römerbriefe auch in schwierigen Lagen Zuversicht. Hier sind vier frei erfundene Szenarien, die Annette Rinn mit ziemlicher Sicherheit erspart bleiben.

Frühling 2023: Die Eintracht spielt in der Champions League in London. Vier Wochen vor der Partie stellt Stürmer Rafael Borré (Kolumbianer) fest, dass sein Aufenthaltstitel verlängert werden muss, weil es sonst Probleme bei der Rückkehr nach Frankfurt geben könnte. In den folgenden Tagen versuchen 16 Beschäftigte von Eintracht Frankfurt rund um die Uhr die Ausländerbehörde zu erreichen. Nach einer Woche kommt einer durch. Als er der Mitarbeiterin eröffnet, dass das Problem nun in drei Wochen gelöst werden muss, bekommt die Frau einen schmerzhaften Lachkrampf und fällt krankheitsbedingt aus. Annette Rinn sagt: „Wir müssen drüber sprechen.“

Sommer 2023: Sensation in Rom. Der Papst (Argentinier) tritt zurück. Er will nochmal etwas ganz anderes machen – nämlich in Frankfurt Biologie studieren. Leider verpasst er das Wintersemester, weil die Ausländerbehörde die nötigen Papiere nicht rechtzeitig bearbeitet. Als der Vatikan anfragt, ob Angelegenheiten für Studierende nicht in einer Außenstelle auf dem Campus behandelt werden könnten, wird die Römer-Koalition stinkwütend. Kirchendezernent Bastian Bergerhoff (Grüne) verbittet sich derartige Einmischungen in kommunale Angelegenheiten. Annette Rinn sagt: „Wir müssen wirklich drüber sprechen.“

Herbst 2023: Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews haben in ihrer kalifornischen Kleinstadt alle Fälle gelöst und suchen neue Aufgaben. Die Drei Fragezeichen stoßen bei ihren Recherchen auf Frankfurt: Affäre um einen Wohlfahrtsverband, ein gefallener Oberbürgermeister... – diese Stadt ist wirklich ein spezialgelagerter Sonderfall. Also kommen sie, um hier alles zu lösen, was es zu lösen gilt. Doch die Super-Detektive scheitern erstmals. An der Ausländerbehörde. Das neue Stadtoberhaupt tobt, will es doch schon im ersten Amtsjahr lauter fremdgeschmückte Federerfolge vorweisen. Hilft nichts, die Drei Fragezeichen gehen nach Wiesbaden. Probleme mit Wohlfahrtsverbänden und ehemaligen Oberbürgermeistern und so. Alles wird gelöst. Annette Rinn sagt: „Wir müssen wirklich ernsthaft drüber sprechen.“

Winter 2023: Die Lage eskaliert völlig, der Weihnachtsmarkt kann nicht aufgebaut werden, weil viele Handwerker keinen Aufenthaltstitel mehr haben. Die Kommunale Ausländervertretung fordert, eine Einmalzahlung als Anreiz für neue Beschäftigte in der Behörde. Die Römer-Koalition vertagt den Antrag sechs Mal. Anschließend votiert sie mit prüfen und berichten. Geprüft wird ein Jahr, berichtet rund acht Monate lang. Annette Rinn will nicht mehr sprechen.

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das

aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es unter www.fr.de/roemerbriefe.

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