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Römerberg: Weihnachtsbaum zu Kleinholz

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Kurz nach Dreikönig ist für Manni auf dem Römer die Weihnachtszeit vorbei. Zuerst verliert er seine Äste.
Kurz nach Dreikönig ist für Manni auf dem Römer die Weihnachtszeit vorbei. Zuerst verliert er seine Äste. © Nikolai Kuhnert

Nach 73 Tagen auf dem Römerberg wird Frankfurts Christbaum Manni heute abgeschmückt, zersägt und schließlich verbrannt.

Genau 73 Tage stand der Weihnachtsbaum Manni auf dem Römerberg. Seinen letzten Tag verbrachte er nackt ohne Äste. Heute geht er seiner finalen Bestimmung entgegen: Er wird zu Brennholz verarbeitet. Damit folgt er nicht seinen drei Vorgängern, aus denen jeweils Bänke und Tische fürs Schullandheim Wegscheide gefertigt wurden, das seit 1920 ein beliebtes Ziel für Klassenfahrten ist. Die Vorbereitungen für die Abholung haben schon vor zwei Tagen begonnen.

Seitdem steht wieder der Geschäftsführer von Elektro Katzmann, Jörg Renneissen, der sich selbst „Weihnachtsbaum-Kosmetiker“ nennt, auf der Arbeitsbühne und sägt zusammen mit einem Kollegen die Äste ab. Einer lenkt, der andere hält die Kettensäge. Es ist ein ähnliches Zusammenspiel wie zwischen dem 7. und 14. November, als er und ein Helfer Manni mit Lichterketten und Schleifen verzierten. Damals schien die Sonne, und Renneissen hörte Musik im Radio.

Das totale Kontrastprogramm gestern Morgen: Die Kettensäge dröhnt, es regnet. „Es nervt einfach, wenn es regnet, dann kann ich die Aussicht auch nicht genießen“, sagt Renneissen, der die Arbeitsbühne geschickt um die Äste lenkt. Unten stehen vier Kollegen. Einer von ihnen, Torsten Stein, ist schon seit 15 Jahren dabei. „Unsere Aufgabe ist es aufzupassen, dass keiner die Absperrung übertritt.“ Alle zehn Minuten pausiert Renneissen, Stein zerkleinert dann die Äste und wirft sie zusammen samt Schleifen in einen Container.

Schon am Tag zuvor hatte das Team die Lichter abgenommen. „Die Lichterketten sind das Wichtigste. Die lagern wir immer für das kommende Jahr ein. Die Schleifen bleiben für den Neujahrsempfang am Abend bestehen.“ Aus diesem Grund hatte Manni noch einen Tag Schonfrist bekommen. Ursprünglich war geplant, ihn schon am Mittwoch zu zersägen und abzutransportieren. Renneissen erledigt das routiniert und unsentimental. „Es macht für mich keinen Unterschied, ob ich den Baum schmücke oder abschmücke. Ich freue mich schon wieder auf das kommende Jahr.“

Angefangen hatte Mannis Reise am 17. Oktober im Spessart in Lohrhaupten, als der Geschäftsführer der Tourismus+Congress GmbH, Thomas Feda, ihn auswählte. An Allerheiligen kam der Weihnachtsbaum am Römer an. Mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger schauten dabei zu, wie die Feuerwehr die 6,4 Tonnen schwere und 26 Meter hohe Fichte direkt vor dem Römer aufstellte. Manni war der erste Weihnachtsbaum, der unter 30 Meter hoch war.

Doch entgegen vieler Erwartungen kam das Format bei den Frankfurtern sehr gut an. „Die Größe und Form sind perfekt. Es gab schon lange nicht mehr einen so schönen Weihnachtsbaum in Frankfurt“, resümiert das Ehepaar Schölsch. Die einzige Kritik üben sie an dem frühen Zeitpunkt, da Manni weichen muss. „Traditionell sollte der Weihnachtsbaum bis zum zweiten Februar stehen. An diesem Tag ist Mariä Lichtmess. Erst dann ist die Weihnachtszeit offiziell vorbei.“

Diese Tradition leitet sich aus dem Alten Testament ab. Danach galt eine Frau nach der Geburt als unrein. Erst 40 Tage später konnte eine Frau durch ein Opfer wieder rein werden. Auch Maria folgte dieser Tradition. Daraus entstand im Jahr 542 Mariä Lichtmess und zählt seither als letzter Tag der Weihnachtszeit.

Für Manni gilt ein früherer Termin, kaum dass die Heiligen drei Könige abgezogen sind.

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