Der Gerechtigkeitsbrunnen bildet den Auftakt der Brunnensaison.
+
Der Gerechtigkeitsbrunnen bildet den Auftakt der Brunnensaison.

Brunnen

Römerberg Frankfurt: Wahrzeichen in frischem Nass

OB Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig eröffnen die Brunnensaison in Frankfurt. Auch die Justitia-Statue auf dem Römerberg ist wieder enthüllt.

Auf der frisch glänzenden Oberfläche des Schwertes und des Kleides tanzen die Reflexionen des Brunnenwassers. Länger als gewohnt mussten die Frankfurter dieses Jahr darauf warten, jetzt ist es so weit: Die Brunnensaison ist offiziell eröffnet, den Auftakt machte am Dienstag bei strahlendem Sonnenschein der Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Römerberg.

Traditionell beginnt die Saison für die 150 Frankfurter Brunnen Ende März. Wegen Corona war das diesmal nicht möglich. Dafür nutzten Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig (beide SPD) den Anlass, um das „Wahrzeichen auf dem Römerberg“ wieder zu enthüllen. „Vor zwei Wochen verpackt eingeschwebt wie bei Altmeister Christo“, zeigte sich Feldmann erfreut, „ist der zentrale Blickfang endlich wieder da,“

Erst 2017 war die Bronzefigur restauriert worden und fehlte deswegen eineinhalb Jahre. Im vergangenen Jahr wurde sie von Unbekannten mit Säure schwer beschädigt, die Rohre mussten saniert werden. Bei der Gelegenheit vernieteten die Restauratoren um Michael Gerhardt aus Thüringen Schwert und Waage der Figur zum Schutz vor Diebstahl und erneuerten das zuvor vom Verfall bedrohte Ziergitter.

„Viele der Spiralen waren abgebrochen oder abgetreten worden“, so Gerhardt. Inzwischen hat das Gitter mit den goldenen Adlern seine Spiralen wieder. Dass der Brunnen und die Justitia-Figur Zerstörungen erleiden, ist laut Feldmann kein neues Phänomen. „Es ist bekannt, dass hier früher Rot- und Weißwein flossen“, erklärte er. Schon damals sei das Wahrzeichen „im wilden Gemenge zerstört“ worden.

Bereits im 16. Jahrhundert entstand der erste Vorgänger des Brunnens auf dem Römerberg, seit 1610 trägt er sein heutiges Antlitz. Die jetzige Justitia stammt aber aus dem Jahr 1887, als Bildhauer Friedrich Schierholz eine detailgetreue Kopie der vorherigen Statue erstellte – das Original fehlte vorher wegen Zerstörungen 13 Jahre lang.

Neben Vandalismus nennt Hartwig die Witterung und „rangierenden Lieferverkehr“ als Hauptprobleme der Statue. Um dem letzten dieser Punkte vorzubeugen, umrunden neuerdings 16 quadratische Poller aus Sandstein den Brunnen, die zeitgleich als Sitzmöglichkeit dienen. „Das ist ein guter Kompromiss“, findet Hartwig, „den die Besucher bisher gut angenommen haben.“

150 000 Euro habe die Restaurierung insgesamt gekostet, finanzielle Unterstützung erhielt die Stadt dabei vom Verein Freunde Frankfurts. Dessen Vorstandsvorsitzende Barbara Deppert sagte bei der Eröffnung, als Kunstsachverständige schätze sie den Wert des Brunnens auf mehrstellige Millionen. Er sei also außer einem Kunstwerk auch „städtisches Vermögen“ und müsse geschützt werden. Das „Prinzip der Gerechtigkeit“, das die Justitia verkörpere, bleibe auch in deren Phasen der Abwesenheit bestehen. Seit der neuesten Restauration sehe die Statue mitsamt Brunnen aus „wie im 19. Jahrhundert“.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat auf die Eröffnung der Brunnensaison Hartwig zufolge keinen negativen Einfluss. So sei Brunnenwasser grundsätzlich gechlort und das Baden in Frankfurter Brunnen ist unabhängig von der Pandemie verboten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare