Techno-Museum

Römer-Koalition geht auf Distanz zum Momem

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Das weltweit erste Techno-Museum soll in Frankfurt eröffnen. Doch die hohe Anschubfinanzierung sorgt für Konflikt.

Das war eine Überraschung zur Unzeit. Kurz bevor sich die Stadtverordneten in die Sommerpause verabschiedeten, wurden der Römer-Koalition die Forderungen des Technomuseums Momem (Museum of Modern Electronic Music) präsentiert. So berichten es Thomas Dürbeck (CDU), Ursula Busch (SPD), Sebastian Popp (Grüne). Eine halbe Million Euro wolle der Trägerverein Friends of Momem als Anschubfinanzierung. Davon sei zuvor nie die Rede gewesen.

„Ursprünglich sollte die Stadt dem Trägerverein nur die Räume für eine preiswerte Miete überlassen“, sagte SPD-Fraktionschefin Ursula Busch. Der Verein habe sich um private Förderer bemühen wollen. Eine Anschubfinanzierung müsse die SPD-Fraktion nun intern besprechen. Das gehe aber nicht in der Sommerpause, weil die Fraktion dann nicht tage. „Wir haben uns noch nicht abschließend beraten“, sagte Busch. Die Fraktion entscheide sich erst nach den Ferien.

Die CDU ist da weiter: Sie sagt Nein zum Startkapital. Das habe die Fraktion in der letzten Sitzung beschlossen, berichtete Thomas Dürbeck, kulturpolitischer Sprecher der CDU im Römer. Eine Anschubfinanzierung in dieser Höhe sei nie kommuniziert worden. Gleichwohl lassen Dürbeck, Busch und Grünen-Fraktionschef Sebastian Popp ihre Sympathien für das Technomuseum durchblicken. Sonst wäre dem Trägerverein nicht Mietfreiheit in den 800 Quadratmeter großen Räumen zugesichert worden.

Die Linke im Römer setzt sich angesichts des Gerangels um die Anschubfinanzierung vehement für das Technomuseum ein: „Frankfurt war und ist prägend für elektronische Musik und der mit ihr verknüpften Ästhetik, die sich in Design, Kunst, Literatur und Architektur widerspiegelt“, sagte Martin Kliehm, Fraktionschef der Linken im Römer und früherer DJ. Das Museumsprojekt blicke nicht nur historisierend zurück, sondern finde einen zeitgenössischen Ausdruck.

Grünen-Fraktionschef Popp fühlt sich von der Finanzforderung überrumpelt. Dennoch: „Unter bestimmten Bedingungen kann sich die Fraktion eine Anschubfinanzierung vorstellen.“ Zunächst müsse der Magistrat die Bedingungen für den Betrieb aushandeln. Und erklären, aus welchem Etat die Anschubfinanzierung bezahlt werden soll. Eine Regelfinanzierung schließt Popp aus. „Wir wollen nicht, dass die Betreiber nach einem Jahr sagen, die Mittel reichen nicht, die Stadt muss einspringen.“

Das Technomuseum soll im früheren Kindermuseum an der Hauptwache eröffnen. Alex Azary, der Vorsitzende der Friends of Momem, sprach zuletzt von einem Pre-Opening im September 2019, das voraussichtlich verschoben wird. Verhandelt wird über den Ausbau der Räume, die laut Trägerverein noch nicht für den Museumsbetrieb geeignet sind. Danach folge der Aufbau der Ausstellungsarchitektur, die Veröffentlichung eines Programms. Azary bleibt guter Dinge. Er setzt auf Gespräche mit dem Magistrat im Juli.

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