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In der Nähe der Gaugrafenstraße wird gebaut.

Naturschutz in Frankfurt

Westerbach wird renaturiert

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Der Westerbach soll im Frankfurter Stadtteil Rödelheim auf einer Länge von 700 Metern renaturiert werden. Das Land Hessen hat dafür Fördergelder bewilligt.

Elf Kilometer legt der Westerbach von seiner Quelle im Taunus zurück, bis er schließlich in Rödelheim in die Nidda mündet. Einen großen Teil dieser Strecke fließt das Gewässer kanalisiert und in unterirdischen Rohren. Auf einem Abschnitt von 700 Meter Länge zwischen der A5 und der Gaugrafenstraße kann sich der Bach fortan wieder seine natürliche Bahn brechen. Auf dem 15 Hektar großen Areal entsteht ein neuer Logistik-Park. Im Rahmen der Arbeiten wird die dortige Bachpassage renaturiert. Gestern übergab Umweltstaatssekretärin Beatrix Tappeser den Bewilligungsbescheid in Höhe von 2,4 Millionen Euro an die Stadt. Die restlichen 600 000 Euro investiert die Projektentwicklungsgesellschaft Segro.

Lange Zeit tat sich nichts auf dem Grundstück. Bis in die 90er Jahre hinein nutzten die Amerikaner das Gelände, das sie nach dem zweiten Weltkrieg beschlagnahmt hatten, unter anderem als Standort für eine Lackiererei, Reparaturhallen und ein Heizkraftwerk. 1994 ging das Grundstück in den Besitz der Bundesanstalt für Immobilien (BImA) über. Die anschließende Suche nach einem Investor stellte sich als schwierig heraus. Einmal wegen der Nähe zur Autobahn. Vor allem aber, weil Teile der Liegenschaft im Überschwemmungsgebiet des Westerbachs liegen. Die Bebauung war deshalb nur bei gleichzeitiger Errichtung eines Hochwasserschutzes möglich. Einen Käufer fand die BImA schließlich 2016 mit der britischen Entwicklungsgesellschaft Segro.

In Kooperation mit dem Ingenieur- und Planungsbüro Lange und der Stadt Frankfurt hat Segro einen Plan entworfen, der den Anforderungen an den Hochwasserschutz gerecht wird und gleichzeitig einen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leistet.

Eine Aue entsteht

Auf drei an den Bach angrenzenden Hektar wird eine Aue entstehen. Auf dieser naturbelassenen Uferlandschaft kann sich der Westerbach zukünftig ausbreiten. Über 65 000 Kubikmeter Boden habe man dafür bereits bewegt, erklärt Wolfgang Kerstan vom Büro Lange.

Die Planer schaffen damit nicht nur einen natürlichen Hochwasserschutz, der benachbarte Industrie- und Wohngebiete vor Überflutungen bewahren soll. Die Rückführung des Flusses in einen naturnahen Zustand verbessert zudem die ökologische Qualität nicht nur des Gewässers, sondern des gesamten Gebiets. Tiere und Insekten können sich neu ansiedeln. Im Sommer sorgt das Wasser für Abkühlung der Luft. Wie wichtig die Artenvielfalt für ein Ökosystem ist, weiß die promovierte Biologin Tappeser. Der Biodiversitätsverlust sei mindestens genauso relevant wie die Problematik des Klimawandels, mahnte die Staatssekretärin an. „Deshalb freue ich mich sehr über den Erfolg dieses Projekts.“.

Bis das Ergebnis der Arbeiten sichtbar wird, werde es allerdings noch dauern, sagt Stefanie Toth von der Stadtentwässerung Frankfurt. Man wolle der Natur ihren freien Lauf lassen und so wenig wie möglich eingreifen. Doch schon jetzt sprießt entlang des Stroms vereinzelt Grün hervor.

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