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Überteuerte Studentenbuden

  • Sonja Thelen
    vonSonja Thelen
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Rödelheim Ortsbeirat kritisiert Mietwucher im Hausener Weg

Ende 2019 zogen die ersten Studierenden in die neu gebauten Studentenwohnungen im Hausener Weg 120 ein. Auf dem Areal des ehemaligen Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte leben Studierende und Geflüchtete unter einem Dach zusammen. Bei der Vorstellung des Projekts im September 2018 hieß es, die zirka 20 Quadratmeter großen Studenten-Wohnräume mit Bad würden monatlich etwa 420 Euro kosten.

Doch in der Realität hat sich der Kalt-Mietzins mindestens verdoppelt. Der Investor, die „Solidare Real Estate Group“, die das Gebäude 2016 von der „Objektgesellschaft Hausener Weg GmbH 120“ gekauft hatte, begründete dies mit gestiegenen Baukosten. 990 Euro inklusive Nebenkosten (Kaltmiete 844,98 Euro) kostet bei Immo Scout24 Stand Juni 2020 eine 24,98 Quadratmeter große Studentenbude im Hausener Weg. Die Stadt kann dagegen nichts unternehmen, da der Vermieter die Objekte als möblierte Wohnungen anbietet und die Vergabe nicht über das Studentenwerk erfolgt (die FR berichtete).

Vorsätzliche Täuschung

Etwas Vergleichbares darf sich nicht wiederholen, mahnt die SPD im Ortsbeirat 7 jetzt an. Angesichts der unerwartet hohen Mietkosten fordert das Stadtteilgremium mit einem gemeinsamen Antrag Aufklärung darüber, ob es sich bei den Wohnungen im Hausener Weg um „Mietwucher“ handelt. Laut SPD habe der Bauherr den Ortsbeirat bei der Vorstellung des Bauprojekts getäuscht und „niemals die Absicht gehabt, im Hausener Weg 120 Wohnungen für Studierende zu akzeptablen Preisen zu errichten“, kritisiert die Fraktion.

Die Ortspolitiker fordern die Stadt daher auf, künftig eine solche Vorgehensweise eines Investors zu verhindern und zu klären, ob die Stadt gegen den Eigentümer wegen vorsätzlicher Täuschung eines gemäß der Hessischen Gemeindeordnung gewählten Gremiums der Stadt Frankfurt Anzeige erstatten kann. Auch soll der Magistrat eine künftige Zusammenarbeit mit diesem Investor und Vermieter ausschließen und überprüfen, ob die Wohnungen tatsächlich an Studierende vermietet sind.

Bei künftigen Bauprojekten von Studentenwohnungen soll der Bauherr schriftlich zusichern, den Wohnraum für Studierende ausschließlich über das Studentenwerk zu vergeben und sich an dessen Mietpreisen zu orientieren. Zuletzt fordert der Ortsbeirat den entsprechenden Passus im Baugesetzbuch zu präzisieren, damit die bisherige Regelung nicht dazu ausgenutzt wird, Luxuswohnungen zu schaffen.

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