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Die Band Gosolow spielt im Solmspark.

Rödelheim

Überall ist Klang

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Bei der Musiknacht haben die Besucher die Wahl aus rund 60 Konzerten. Vorbild ist die Pariser „Fête de la musique.

Mit „Talking about a Revolution“ und „Dancing in the Dark“ startet Sandra Ließmann am frühen Samstagabend in die „Rödelheimer Musiknacht“. Vor malerischer Kulisse auf dem Spielplatz am Ende der Marquardstraße, direkt am Niddaufer, lauscht sie mit Freunden der Coverband, bei der ihr Mann Schlagzeug spielt.

Zuschauer haben sich auf die Wiese gesetzt und wippen im Takt der Musik, während Kinder nebenan auf Klettergerüst und Rutsche toben. Auch Ließmanns Sohn und Tochter sind auf dem Spielplatz, berichtet die 45-Jährige. „Es ist toll, dass man heute überall in Rödelheim kostenlos Musik zu hören bekommt“, sagt die ehemaliger Bewohnerin, die mittlerweile in Schwalbach lebt.

Eine Gruppe, die etwas weiter hinten ihre Picknickdecke ausgebreitet hat, studiert das Programm der Musiknacht, die vor neun Jahren nach dem Vorbild der Pariser „Fête de la musique“ vom Quartiersmanagement ins Leben gerufen worden ist. An mehr als 30 Orten werden rund Konzerte gespielt. Insgesamt etwa 60. „Es gibt so viel, man kann gar nicht alles mitnehmen“, sagt Christin Panzica-Kökert und lacht. Eine „Zwei-Mann-Band“ hätte er auf dem Weg schon gesehen, berichtet Dustin Schreder. „Die waren so Mittel vom Gesangskönnen“, sagt der 34-Jährige. Von der Band am „Blauen Steg“ sei er schon mehr angetan und auch vom Quartier: „Ich hätte nicht gedacht, dass Rödelheim so grün ist.“

An der S-Bahnstation steht Ursula Lenger und verteilt Programmhefte. Vor der Unterführung wurde gerade die Kinder-Streichergruppe „Die Fiedler“ durch die Trommelgruppe „Sound of Africa“ abgelöst. Die Zuschauer klatschen mit. Sie haben sich auf die Treppenstufen gesetzt, wie in einem Amphitheater. „Manche Ortsfremde sind ganz erstaunt, dass sich die Musik nicht nur auf den Bahnhof konzentriert“, berichtet Lenger.

Beliebt ist auch die Roller-Disko“ auf der Rollschuhbahn neben dem Brentanobad.

Besonders beliebt sei bei Besuchern von außerhalb die „Roller-Disko“ auf der Rollschuhbahn neben dem Brentanobad. Chiara, die sich mit ihrer Freundin die Trommler anschaut, bestätigt das. Weil man dort Rollschuhe ausleihen und selbst etwas machen könne, sagt die 13-Jährige. Sie würden im Alltag gerne „Radiomusik“ hören, sagt Chiara. Ihre Freundin Antonia ergänzt: „Es ist aber schön und abwechslungsreich, mal was anderes zu hören.“

Das bietet Michael Bloeck, als „Be Poet“, in der Psycho- und Kunsttherapie-Praxis in der Alexanderstraße. Experimentell klingt seine Art reduzierter Sprechgesang, bei dem ein Song immer wieder in den Refrain „Frankfurt ist ein Durchlauferhitzer“ mündet. Diese Metapher könnte an diesem Abend auch für Rödelheim gelten. Überall sind Menschen auf den Beinen, die die verschiedenen Orte der Musiknacht in Hinter- und Schulhöfen, Kellern und Bars, Parks und Vereinshäusern ansteuern.

Waltraud Ehret und Günter Dietrich sind schon geübte Musiknacht-Gänger. Ihr Konzept: „Wir haben immer nur drei Lieder angehört und sind dann zur nächsten Station“, sagt die 69-Jährige. Gerade steht das Paar an der „Naturbühne“ auf der kleinen Niddainsel im Brentanopark. Dort spielt ein Duo „Westerland“ von den Ärzten. Die letzte Station für ihn: „Ich will noch Fußball gucken“, sagt Dietrich. Seine Partnerin möchte noch weiter durch den musikalischen Abend ziehen.

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