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Wenn es kräftig regnet, wird der Westerbach sichtbar. 

Rödelheim

Rödelheim: Westerbach fließt wieder frei

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Der Gewerbeparkeigentümer Segro übergibt den renaturierten Bach an die Stadt. Das Land schießt 2,37 Millionen Euro zu.

Derzeit ist das Flussbett trocken zwischen der A5 und dem neuen Gewerbegebiet unweit der Eschborner Landstraße. Doch wenn der nächste kräftige Regen fällt, kann der Westerbach nach vielen Jahren erstmals wieder frei fließen. Der Bach, der dort lange in Beton eingezwängt war, bekam seinen natürlichen Lauf zurück. Die Projektentwicklungsgesellschaft Segro, der das Gelände gehört, hat das Gewässer renaturiert und an die Stadt übergeben. Der 11,5 Kilometer lange Bach entspringt im Taunus und mündet in Rödelheim in die Nidda.

„Wir werden ihn weitestgehend sich selbst überlassen“, sagt Heike Popp, von der Stadtentwässerung, die nun für die Unterhaltung zuständig ist bei einer Ortsbegehung am Mittwoch. Natürlich werde man den Bachlauf reinigen und sicher stellen, dass das Wasser fließen kann. Das Gute sei, dass der Bach bereits über Sandbänke und größere Steine verfüge. Der Bewuchs drumherum bleibe. Vielleicht werden sich auch mehr Tiere ansiedeln. Dass der Westerbach gerade kein Wasser führe, sei nicht ungewöhnlich, die Tierwelt richte sich danach.

Die Firma Segro baut nebenan einen Gewerbepark. Teile der Fläche liegen im Überschwemmungsgebiet. Vorige Nutzer des Areal haben den Bach darum einbetoniert. Segro hat nun ein anderes Konzept: Links und rechts des Baches wurde eine 2,5 Hektar große Aue angelegt. Mit dem, was dabei ausgehoben wurde, legte man das Bauareal höher und machte es so hochwassersicher.

Stadt braucht neben Wohnungen auch Gewerbe

Nicht jeder habe den Mut gehabt, ein solches Grundstück zu kaufen, sagt Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und berichtet von etlichen Telefonaten und Gesprächen. Die Stadt brauche aber neben Wohnungen auch Gewerbe. Darum freue er sich, dass sich die Firma Segro dem Gelände angenommen habe.

Auch über die Renaturierung des Westerbachs ist er glücklich. Die Stadt gewinne ein Stück Biodiversität zurück und biete zusätzlich eine Heimat für Pflanzen und Tieren. Segro hat bereits ein Wildbienenhaus aufgestellt, weitere sollen folgen, genauso wie Nisthöhlen für Meisen und andere Vögel. Es sei schwer vorstellbar gewesen, dass auf diesem Gelände etwas anderes entstehen kann, sagt auch Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), das sei auch zahlreichen Investoren so gegangen.

Viele hätten Sorge gehabt, dass der Boden durch die Rückstände von Werkstätten verschmutzt gewesen sei, etwa in der Tiefe Ölreste gefunden werden könnte. Nun stehe man hier in den modernen, schönen Hallen, sagt Oesterling in einem der großen Räume. „Wir brauchen eine gemischte Wirtschaft.“ Aber auch Naturschutz, darum freue sich die Stadt, dass der Fluss nun aus seinem Betonkorsett befreit wurde. Das Land Hessen habe zudem die Renaturierung mit 2,37 Millionen Euro unterstützt.

Das Grundstück hat einst den amerikanischen Streitkräften gehört und wurde 1994 an die Bundesanstalt für Immobilien übergeben, die an Segro verkaufte.

Auf dem 15 Hektar großen Gelände stehen bereits einige Häuser. Ende des Jahres sei man mit der ersten Bauphase fertig. Die ersten Verhandlungen mit den neuen Mietern laufen. Anfang nächsten Jahres können die ersten einziehen, sagt Janina Kaya von Segro. Vor allem mit mittelständischen Unternehmen sei man im Gespräch. Ansiedeln könnten sich Büros, kleine Handwerks- und Produktionsbetriebe. Insgesamt investiere Segro rund 100 Millionen Euro.

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