Wirtschaft

Protest bei Frankfurter Werkzeughersteller Walter

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Zahlreiche Mitarbeiter von Walter zeigen ihren Unmut über die Standortschließung. Ein Bundespolitiker fordert die Stadt zum Kämpfen auf. Die Gewerkschaft möchte die von Walter erhofften Einsparungen prüfen.

Mit Trillerpfeifen und Fahnen kamen gestern rund 100 Mitarbeiter des Werkzeugherstellers Walter vor dem Betriebsgelände in Rödelheim zusammen, um ihrem Unmut mit einer kleinen Aktion Luft zu machen. „Die Mitarbeiter sind stocksauer“, sagte Michael Erhardt, 1. Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall Frankfurt vor Ort.

Der Bundestagsabgeordnete Achim Kessler (Linke) war auch zum Werksgelände gekommen, um sich über die Situation zu informieren. Hintergrund ist die geplante Schließung des Walter-Standortes in Frankfurt. Das börsennotierte Unternehmen reagiert damit nicht auf schlechte Umsatzzahlen in Frankfurt, sondern möchte seine Produktionskapazitäten in Deutschland konsolidieren. Eine abflachende Marktentwicklung sorge dafür, dass man Schritte ergreifen muss, um rentabel zu bleiben.

Dass Kessler aufs Betriebsgelände konnte, war aus Sicht der IG Metall am Mittwochabend gar nicht so klar. Am Montag war der Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer (CDU) bereits im Werk zu Besuch. Daraufhin habe es ein Gespräch gegeben, dass Gäste nur noch mit Genehmigung aufs Gelände dürfen, so Erhardt. „Das kommt einem Hausverbot gleich.“ Doch Kessler durfte schlussendlich in den Betrieb. Werksleiter Oliver Thomas erklärte, dass es kein generelles Verbot gebe. Zimmer sei lediglich ohne das Wissen der Leitung durch den Betrieb geführt worden und habe auch nicht den vorgeschriebenen Ablauf für Besucher durchlaufen, so dass Regeln nicht eingehalten wurden. Wenn man das Prozedere befolge, gebe es keine Probleme.

Stadt soll kämpfen

Kessler kam also rein und sagte: „Es ist wichtig, dass verarbeitendes Gewerbe hier in Frankfurt bleibt.“ Es sei auch Aufgabe der Stadt für einen Verbleib zu kämpfen. Der Abgeordnete sagte, es sei ungeheuerlich, dass ein Standort verlegt werde, um mehr Gewinn zu machen.

Thomas Diener vom Betriebsrat erklärte, dass er seit seiner Ausbildung vor 41 Jahren im Betrieb sei. Die Pläne der Unternehmensleitung seien für ihn ein Schlag ins Gesicht. Walter habe eine der besten Ausbildungen im Rhein-Main-Gebiet und gewinne regelmäßig Auszeichnungen. „Das schmeißt man jetzt alles weg“, sagte Diener.

Die Aktiengesellschaft Walter ist eine Tochter des schwedischen Konzerns Sandvik. 2007 fusionierte Walter mit dem Frankfurter Werkzeughersteller Günther & Co.

Am Montag wird es ein Informationsgespräch zwischen Betrieb und Gewerkschaft geben. Dann will die IG Metall die Plausibilität der Zahlen überprüfen. Sandvik spricht davon künftig rund 11 Millionen Euro jährlich zu sparen. Die einmaligen Kosten der Schließung werden auf etwa 36,5 Millionen beziffert.

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