Der Frankfurter Verband macht eine Stadtteilbegehung in der Dunkelheit.

Rödelheim

An manchen Ecken in Frankfurt ist es zu dunkel

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Immer mehr ältere Menschen trauen sich abends nicht mehr vor die Haustür. Das Auguste-Oberwinter-Haus nimmt Senioren mit zu einer abendlichen Stadtteilbegehung.

Schummrig fällt das Licht der Straßenlaternen in der Burgfriedenstraße auf den nassen Asphalt des Gehsteigs. Die vergleichsweise wenigen, hellgrünen Laternen im Retro-Look scheinen weniger hell, als die Strahler in den benachbarten Straßen.

Das ist zu wenig Licht, finden die acht Frauen, die am Donnerstagabend an der Röderichstraße kurz stehen bleiben. Die Gruppe macht bei eisigen Temperaturen einen Stadtteilrundgang, um dunkle Ecken sowie schlechte und unsichere Wege, insbesondere für ältere und mobil eingeschränkte Menschen, aufzuzeigen.

Gisela Pfalzgraf-Haug, Leiterin des Begegnungszentrums „Auguste-Oberwinter-Haus“ in der Burgfriedenstraße, schreibt die Kritik der Teilnehmerinnen auf. Zum zweiten Mal hat die 63-jährige eine solche Stadtteilbegehung initiiert, erstmals an einem Nachmittag vergangenen Oktober. „Eine Befragung unter unseren älteren Gästen hat ergeben, dass sie in der Dunkelheit nicht mehr gerne vor die Tür gehen“, sagt sie. Mit den Begehungen wolle sie „auch Ältere an Ideen für den Stadtteil beteiligen“.

Ist die Beleuchtung in der Burgfriedenstraße und der Alexanderstraße zu schlecht, sind die Teilnehmerinnen des Rundgangs in der Radilostraße zufrieden. „Es ist angenehmer als in den Parallelstraßen“, sagt eine Frau. Auch durch die Beleuchtung der Schaufenster wirke die Straße heller. Dazu seien mehr Fußgänger unterwegs, so dass sich die Frauen sicherer fühlten. „Jetzt im Winter, wo es früh dunkel wird, muss man sich öfter umdrehen“, sagt Ingelore Janssen. Die 86-Jährige wohnt in der Alexanderstraße und findet die Straßenbeleuchtung dort viel zu dunkel.

Die Gruppe inspiziert auch die Bahnhofstoilette.

Am Bahnhof herrscht zunächst Einigkeit über die Vorzüge des Umbaus, der vor rund zwei Jahren abgeschlossen worden ist. „Hell beleuchtet und immer was los“, findet eine Frau. Neben Treppen gibt es eine Rampe für Rollstuhlfahrer sowie Aufzüge, die zu den S-Bahngleisen und darunter hindurch führen. Aber: „Mindestens einmal pro Woche sind die kaputt“, moniert Irmgard Wardah. „Das sind die dauernd“, beobachtet Ingelore Janssen. Laut Sozialbezirksvorsteherin Ingrid Kruske war das auch schon Thema im Ortsbeirat. Sie verspricht in einer Sitzung des Stadtteilgremiums noch einmal auf das Problem mit den Aufzügen hinzuweisen.

Als Alternative gebe es eine Rampe. „Für ältere oder behinderte Leute ist das steile Gefälle aber gefährlich“, findet Irmgard Wardah. Auf einem gelben Warnschild steht der Hinweis: „Vorsicht! Rampensteigung etwa 10 Prozent. Benutzung auf eigene Gefahr“. Daneben gebe es häufiger Zusammenstöße zwischen Radfahrern und Fußgängern, beobachtet Wardah. Und in der Tat: Am Donnerstagabend, als die Gruppe an dem Rampenabgang steht, drängeln sich mehrmals ungeduldige Radfahrer vorbei.

Gisela Pfalzgraf-Haug will die Kritik der Teilnehmer kommende Woche mit Vertretern des Straßenverkehrsamtes besprechen.

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