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Ernst Kelety ist nicht glücklich darüber, dass er seinen Familienbetrieb in Alt-Rödelheim jetzt schließen musste.
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Ernst Kelety ist nicht glücklich darüber, dass er seinen Familienbetrieb in Alt-Rödelheim jetzt schließen musste.

Rödelheim

Kelety muss den Stecker ziehen

Nach 70 Jahren muss der Elektrofachhändler Ernst Kelety seinen Familienbetrieb schließen. Der Laden in der Straße Alt-Rödelheim bleibt vorerst leer.

Erst Hanicke in der Lorscher-Straße, jetzt Kelety in Alt-Rödelheim. Binnen eines Monats haben gleich beide Elektrofachhändler dicht gemacht. Für immer. „Es war keine leichte, aber sicher die richtige Entscheidung“, sagt Ernst Kelety.

Der 68-Jährige steht hinter dem Verkaufstresen seines Geschäfts, an der Wand hinter ihm hängen Batterien in allen Größen, in den Regalen liegen Haartrockner, Toaster, Bügeleisen und Staubsauger. Ware, die Kelety, der das Geschäft 1980 von seinem Vater übernahm, gerne noch verkauft hätte. Doch das ließen die Bestimmungen wegen der Corona-Pandemie nicht zu. Jetzt wird die Ware nach Griesheim bei Darmstadt gebracht, seine Frau und ihre Familie haben dort zwei Elektrogeschäfte. „Ich bleibe also nicht darauf sitzen“, sagt Kelety.

Dass er das Geschäft, in dem er schon als kleiner Bub mit seinem Vater an Radiogeräten herumschraubte, einmal aufgeben muss, daran hätte er vor einem Jahr nicht geglaubt. Im ersten Lockdown sei er noch guter Dinge gewesen. Er und sein Sohn erweiterten sogar das Geschäft. Doch dann bekam der Sohn ein Job-Angebot als Medizintechniker, das er annahm. „Eine nachvollziehbare Entscheidung“, sagt Ernst Kelety. Für ihn bedeute dies aber, wieder allein im Laden zu stehen. Dann kam der zweite Lockdown. Der brachte den Radio- und Fernsehtechniker zu der Entscheidung, das Geschäft Ende Januar ganz aufzugeben.

Gespürt, dass es so nicht weitergeht, habe er das bereits in den Monaten zuvor. Die Reparaturaufträge wurden weniger, mehr Kunden entschieden sich für Neugeräte und gegen eine Reparatur. „Für viele ist dies der leichtere Weg, zumal gar Discounter sich mit den Preisen unterbieten. Hinzu kommt der boomende Online-Handel“, sagt Kelety. Viele dieser Geräte seien jedoch so konstruiert, dass man sie gar nicht mehr reparieren könne.

Als sein Vater 1949 sein erstes Geschäft in der Alexanderstraße eröffnete, hatte er solche Sorgen noch nicht. Nur mit ein paar Koffern kam die Familie an den Main und musste bei Null anfangen. 1960 kauften sie das Eckhaus in Alt-Rödelheim, dort wohnt noch die 92-jährige Mutter, Ursula Kelety, die bis heute im Stadtteil engagiert ist, im ersten Stock. „Wir haben ihr vorgeschlagen, das Haus zu verkaufen. Aber das möchte sie nicht“, sagt Ernst Kelety.

Deswegen werde der Laden wohl erst einmal leer stehen. Einen Mieter, davon ist Kelety überzeugt, wird er so schnell nicht finden. Zu schwierig sei die Lage als Einzelhändler in Alt-Rödelheim geworden. Früher, erzählt er, habe es einen Maßschneider, einen Bäcker und einen Metzger gegeben. Direkt um die Ecke. Und heute? „Heute gibt es fast nichts mehr“, sagt Kelety und zeigt nach draußen. Die ehemaligen Ladenlokale dort sind in Wohnungen umgebaut worden.

Als er über die Veränderungen der Elektrobranche spricht, wird er wehmütig. Rasant sei der technische Fortschritt. So rasant, dass er, sein Vater und sein Sohn sich stets fortbilden mussten. Aus den einstigen monströsen Musikmöbeln, die Radio, Platten- und Kassettenspieler vereinten, sind MP3-Player geworden. Ernst Kelety reparierte noch Schwarz-Weiß-Fernseher und kannte die ersten Receiver, die den Empfang eines zweiten Senders ermöglichten. Er verkaufte Videorekorder für 5000 und CD-Player für 2000 Mark. „Einen habe ich noch, der kostet jetzt 30 Euro.“

„Ja, es war eine spannende Zeit“, sagt Kelety. Die jetzt vorbei ist. Ganz aufhören wird der 68-Jährige aber nicht, sondern im Laden seiner Frau mithelfen. Und sich vielleicht bald mit ihr seinen größten Traum erfüllen: Gemeinsam auf dem Motorrad die Ostsee umrunden.

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