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„Ich bin bei der Brotfabrik relativ zuversichtlich“

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Von: Sonja Thelen

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Johannes Lauterwald ist mit dem Kompromiss in der Straße Alt-Rödelheim 14-20 zufrieden.
Johannes Lauterwald ist mit dem Kompromiss in der Straße Alt-Rödelheim 14-20 zufrieden. © Peter Jülich

Ortsvorsteher Johannes Lauterwald (Grüne) spricht im Interview unter anderem über die künftige Nutzung der Brotfabrik, über die Gestaltung der Ortsmitten und den Stadtteil der Quartiere.

In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den 16 Ortsbeiräten. Was waren die wichtigsten Themen, die den Ortsbezirk in den vergangenen zwölf Monaten bewegt und beschäftigt haben? Welche Erfolge oder Niederlagen gab es für das Stadtteilparlament? Wie geht es im kommenden Jahr weiter? Heute der Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen).

Herr Lauterwald, viele Themen bewegten in 2022 den Ortsbeirat. Das Jahr begann mit einem Paukenschlag: Die Brotfabrik in Hausen stand zum Verkauf. Sogleich formierte sich ein breites Bündnis zum Kauf durch die Stadt und zum Erhalt als Kulturzentrum. Im Mai folgte der Verkauf an einen privaten Investor. Wie sicher ist es, dass auch künftig die Brotfabrik ein Ort für Kultur und Miteinander ist?

Ich bin da relativ zuversichtlich. Auch hat mich sehr der parteiübergreifende Zuspruch aus dem Ortsbeirat 7 bei dem gemeinsamen Antrag gefreut. Leider ist es nicht gelungen, dass die Stadt das Gelände kauft. Trotz aller Bestrebungen hat letztendlich ein Investor den Zuschlag bekommen. Das müssen wir so akzeptieren. Aber es wurden noch weitere Schritte zur Sicherung unternommen. So ist das Ensemble als Kulturdenkmal geschützt. Hinzu kommt der von der Stadt beschlossene Aufstellungsbeschluss, um die kulturelle Nutzung über einen Bebauungsplan planungsrechtlich abzusichern. Auch die große Unterstützung aus der Zivilgesellschaft zum Erhalt hat zu dem Erfolg beigetragen.

Seit Jahren beklagt der Ortsbeirat 7 die verkehrliche Belastung, insbesondere im Berufsverkehr im Westen von Rödelheim. Ausgerechnet in dem Gebiet plant die Stadt ein neues Busdepot an der Lorscher Straße. Konfliktpunkte sind der befürchtete zusätzliche Verkehr und die vom Ortsbeirat geforderte bessere Anbindung an die umgebenden Autobahnen 5 und 66. Wie geht es hier weiter?

Das Depot können wir uns prinzipiell vorstellen, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Hinsichtlich zusätzlicher verkehrlicher Auswirkungen sind wir etwas erleichtert, da mittlerweile klar ist, dass die Busse nicht mitten durch Rödelheim fahren. Nach wie vor suboptimal ist die ÖPNV-Anbindung des Depots, was der Ortsbeirat bemängelt. Die Umleitung über die hochbelastete Westerbachstraße stellt wieder einmal die Frage nach einem zusätzlichen Autobahnanschluss. Dafür werden Flächen zurückgehalten, eine Verknüpfung mit dem Ausbau der A 5 darf es jedoch nicht geben. Was uns vor allem wichtig ist, sind jährlich zu evaluierende Zahlen über die Verkehrsbelastung. Die bislang zugrunde gelegten Zahlen sind veraltet. Der Magistratsbericht lehnte das noch ab. Dass die Stadtverordnetenversammlung unserer Anregung zugestimmt hat, ist in Hinblick auf den weiteren Verlauf des Projekts von entscheidender Bedeutung.

Auch bei der künftigen Gestaltung der Ortsmitte von Rödelheim hat der Ortsbeirat eine Erwartungshaltung an die Stadt, und die sieht eine Beteiligung der Menschen vor Ort bei der Planung vor. Welche Signale haben Sie hierzu bislang aus dem Römer erhalten?

Wir wollen die Bürger:innen bei Fragen zur Gestaltung des öffentlichen Raums sowohl hinsichtlich temporärer wie langfristiger Lösungen beteiligen, da sie sich hier in der Vergangenheit stark eingebracht haben. Bislang gibt es hierzu von der Stadt noch keine finale Antwort. Aber die Signale etwa von Planungsdezernent Mike Josef, vom Planungsamt und vom Straßenverkehrsamt sind vielsprechend und zeigen eine Bereitschaft, das möglich zu machen. Zu prüfen ist, ob es gelingt, den Platz autofrei zu gestalten. Das hängt von ein paar Faktoren ab.

Die künftige Gestaltung eines Ortsplatzes steht im Kontext mit der neuen Bebauung der Häuserzeile Alt-Rödelheim 14-20 und Assenheimer Straße 1. Wie stehen Sie zu diesem Bauvorhaben, das der Investor im Sommer endlich öffentlich vorstellte?

Auch wenn wir formal keinen Anspruch auf diese Präsentation hatten, war es für die Akzeptanz wichtig, dass es diese gab. Im Ortsbeirat hatten wir uns eine niedrige Bebauung gewünscht, zwei Stockwerke plus Dachgeschoss. Jetzt ist es etwas höher. Ich denke aber, der Kompromiss ist akzeptabel. Neben einigen kritischen Beiträgen zur Bebauung war der Tenor der Wortmeldungen auf der Info-Veranstaltung, wie wichtig es ist, dass es an der Stelle endlich weitergeht und etwas passiert. Wir hoffen, dass der aktuelle Baustopp nur temporär ist und die steigenden Baukosten nicht zu einer erneuten Verzögerung führen.

Zur Person

Johannes Lauterwald (Grüne) ist seit der Kommunalwahl 2021 Vorsteher für den Ortsbeirat 7. Der 25-jährige Student der Geschichtswissenschaften lebt in Rödelheim und ist zudem Stadtverordneter. Sein politisches Engagement begann bereits im Alter von zwölf Jahren im Zuge der Diskussion über die G8 / G9-Schulzeit. Damals begann er, Sitzungen des Ortsbeirats 7 zu besuchen. Seine Stellvertreterin ist Amtsvorgängerin Michaela Will (SPD).

Im Ortsbeirat 7 stellen die Grünen mit fünf Mitgliedern die stärkste Fraktion, gefolgt von CDU (4), SPD und Farbechte/Die Linke mit jeweils drei. Zudem gehören FDP, BFF, ÖkoLinX und Freie Wähler mit je einem Mitglied dem Ortsbeirat an.

Zum Ortsbezirk gehören Rödelheim, Praunheim, Hausen, Westhausen und Industriehof. Im Ortsbezirk 7 leben 43 536 Menschen (Stand 30. Juni 2022).

Die erste Sitzung des Ortsbeirats 7 im neuen Jahr findet am Dienstag, 17. Januar, um 19.30 Uhr statt. the

Während es beim Rödelheimer Ortskern vorangeht, mussten die Eltern der Kerschensteinerschule in Hausen erneut schlechte Nachrichten verdauen. Nicht vor 2028 ist mit einem Neubau zu rechnen, teilte Schuldezernentin Sylvia Weber im Juni mit. Problem ist, ein Ausweichquartier für die Bauphase zu finden. Was hat sich seither getan? Der Ortsbeirat hatte doch Vorschläge.

Hinsichtlich möglicher Ausweichflächen gab es einige Vorschläge seitens des Förderkreises und des Elternbeirats, die ich ans Amt für Bauen und Immobilien weitergeleitet habe und der Dezernentin bekannt sind. Die Priorität lag auf dem Parkplatz am Brentanobad. Auch die Stadt hat einen favorisierten Standort, der aber noch in der Ämterabstimmung ist und noch nicht kommuniziert werden kann. In der Februarsitzung des Ortsbeirats wird es so weit sein.

Konkreter wird es indes im Schönhofviertel, einem der größten Wohnungsneubauprojekte in Frankfurt. Im April war für den ersten Bauabschnitt Spatenstich. Für den Quartierspark hat die Stadt die Planung abgesegnet. Doch der Ortsbeirat 7 ist damit noch nicht ganz einverstanden. Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Mit der Planung sind wir grundsätzlich zufrieden. Sie enthält viele schöne Elemente wie zahlreiche Spiel- und Freizeitflächen, Regenrückhaltebecken, Flächen für Ruhe und Aktivitäten, viel Grün. Aber es fehlen uns noch Verschattungsmöglichkeiten, solange die Bäume noch nicht groß genug sind. Im Süden sind Baumpflanzungen vorgesehen, im Norden allerdings nur spärlich. Auch die Aspekte der Barrierefreiheit und der Grad der Versiegelung auf dem Quartiersplatz sind noch verbesserungswürdig. Und im westlichen Teil möchten wir eine Straße noch in Grün umwidmen.

Zum Abschluss ein Ausblick auf 2023. Welche Themen stehen bei Ihnen vorrangig auf der Tagesordnung?

Viele altbekannte Themen werden uns auch kommendes Jahr beschäftigen. Natürlich die genannten Großprojekte, aber auch die Umwandlung des ehemaligen Gemeindehauses in Westhausen oder die Zukunft unserer Ortskerne, insbesondere in Hausen. Dazu kommen die Ergebnisse der Bewohnerbefragung des Modellprojekts Zukunftswerkstatt Kommune und das neue Miet-Konzept für das Studierendenwohnhaus im Hausener Weg 120. Aber auch die Fragen des Umgangs mit der Klimakrise, Energiekosten und der Geflüchtetenunterbringung werden bedeutsam sein. Die Krisen dieser Zeit müssen wir solidarisch bewältigen.

Sie haben den Stadtteil der Quartiere angesprochen. Erste Zwischenergebnisse wurden dem Ortsbeirat zum Jahresende vorgestellt. Wie wird sich der Ortsbeirat hier Gehör verschaffen? Welche Akzente möchte er setzen?

Ja, endlich liegen die Zwischenergebnisse zu den Gutachten vor. Nachdem lange hierüber debattiert wurde, soll jetzt die Weichenstellung erfolgen mit dem Fokus auf das Gebiet östlich der A 5. Wichtig ist, dass die Ortsbeiräte genug Zeit bekommen, sich mit den Magistratsvorlagen zu beschäftigen. Wir wollen den Prozess nicht aufhalten. Aber es braucht die Zeit, um Anträge zu schreiben und zu stellen. Im Gegensatz zum Ortsbeirat 8 stehen wir dem Projekt mehrheitlich offener gegenüber. Die Quartiere werden nacheinander entwickelt. Für uns wird der Fokus auf dem „Produktiven Praunheim“ liegen. Wir müssen vor allem darauf achten, dass das Wasserwerk Praunheim nicht beeinträchtigt wird. Entscheidend ist für uns der Verkehr: Denn es soll ein autoarmes Quartier werden. Daher stellen sich für uns Fragen nach der Ortsumfahrung Praunheim, P&R-Plätzen, der Regionaltangente West und Anbindung der U 7, Lärmschutz sowie nach der Frisch- und Kaltluftzufuhr. Wichtig ist, dass die angrenzenden Stadtteile von dem Vorhaben profitieren.

Interview: Sonja Thelen

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