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 Pizza ex machina: die beiden Jungunternehmer Marc Ahlmann und Steven Kern (v.l.) vor ihrem Automaten in Rödelheim.
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Per Knopfdruck gibt es Pizza: Die beiden Jungunternehmer Marc Ahlmann und Steven Kern (v.l.) mit ihrem Automaten. Walter

Pilotprojekt in Rödelheim

Frische Pizza aus dem Automaten

  • Julian Dorn
    VonJulian Dorn
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Er ist groß, rot, duftet herrlich und ist ziemlich einzigartig. Denn von dem Pizza-Automaten, der seit kurzem am Rödelheimer Wasserturm steht, gibt es bundesweit nur drei Exemplare. Das Pilotprojekt zweier Jungunternehmer liefert frische Pizza per Knopfdruck. Kann das schmecken?

Ob ihr Pizza-Automat eine Aufwärmstation für Tiefkühlpizza sei? Bei dieser Frage muss Marc Ahlmann am Telefon lachen. Das sei immer die erste Reaktion, wenn er von dem großen roten Kasten erzählt, den der 27-jährige Nachwuchs-Entrepreneur mit seinem 25 Jahre alten Kompagnon Steven Kern und ihrer Firma „24Always“ betreibt. „Keineswegs“, entgegnet er. „Der Automat liefert nur frischgebackene Pizza, die vor den Augen des Käufers mit frischen Zutaten belegt wird.“ Klingt wie kulinarische Science-Fiction. Und ist doch Realität, wie das italienische Fabrikat beweist, das in Rödelheim am Wasserturm steht, sonst nur noch in Bad Süderode im Harz und in Oldenburg.

Der imposante Kasten in der Signalfarbe Rot und der Aufschrift „Let‘s Pizza“ ist im Rödelheimer Gewerbegebiet im Seegewann schon von weitem zu sehen – und das Pilotprojekt von Ahlmann und Kern. Die beiden Jungunternehmer sehen sich als Problemlöser und beschäftigten sich schon lange mit der Frage: Was tun, wenn nachts der kleine oder große Hunger kommt, der Kühlschrank aber leer ist oder jemand in einem Provinznest wohnt, in dem es keine Geschäfte mehr gibt? Die Antwort der beiden ist ein modulares Automaten-Konzept, das alles bereithält: Hygieneartikel, Getränke – und eben auch Pizza.

Kunde kann Zubereitung per Kamera verfolgen

Wie kommt nun aber das frische, duftende und würzig belegte Fladenbrot aus dem Metallgehäuse? „Hinter der Plexiglasscheibe verbindet sich Mehl mit Wasser zu einem Teig“, erklärt Kern. „Zwischen zwei vorgeheizten Platten wird er ganz flach gepresst.“ Auf dem Display kann der Kunde über eine eingebaute Kamera zusehen, wie Tomatensoße auf dem Fladen verteilt wird. Ahlmann ergänzt: „Aus der Kühlung gleiten dann Salami und Käse auf die schon auf dem Teig verteilte Soße.“ Schon nach drei Minuten steigt ein würziger Duft auf – die Pizza ex machina ist fertig.

Vier verschiedene Sorten sind im Angebot, die klassische Pizza Margherita mit Tomatensoße kostet 5, die anderen Sorten 6 Euro. 250 Pizzen könnte der Automat zubereiten. „Jeden Morgen wird die Maschine gründlich gereinigt und frisch befüllt“, betont Ahlmann.

Doch die kulinarische Gretchenfrage lautet: Schmeckt das auch? Obwohl es den Automaten noch nicht lange gibt, müsse der elektronische Pizzabäcker viel Teig täglich kneten, so die beiden Betreiber. Die Nachfrage sei hoch. Und bei Facebook finden sich wohlwollende Kommentare über die Pizza aus dem Metallgehäuse: Der Geschmack wird gelobt, ebenso der Duft, den der Apparat bei der Zubereitung verströme. „Auch die Wachleute von der Firma nebenan kommen oft in der Nachtschicht vorbei“, berichtet Kern.

In anderen Ländern, etwa in Asien, seien Automaten schon fester Bestandteil des Versorgungskonzepts, erklärt Ahlmann, der in Eppstein im Taunus und den USA groß geworden ist und mit 20 Jahren schon seinen Bachelor in BWL machte. Hierzulande fristeten sie hingegen immer noch ein Schmuddel-Dasein. Auch Kern, der aus der Wetterau stammt und an der International School in Sindlingen studierte, hat während seines Auslandssemesters in China die Vorzüge einer „Automaten-Kultur“ schätzen gelernt.

Pizza-Automat ist rund um die Uhr in Betrieb

Die Firma der Globetrotter betreibt bereits fünf weitere, klassische Snack- und Getränkeautomaten ohne Backfunktion in Frankfurt, unter anderem an der Mainzer Landstraße. Kern und Ahlmann rüsten die Geräte selbst auf: mit einem modernen Bezahlprogramm und Alterskontrolle für Alkoholika. Die beiden Gründer betonen, dass sie bei den Produkten auf Nachhaltigkeit achteten. Sie versuchen, lokale Partner zu gewinnen. So gehört etwa Apfelwein von Possmann zum Sortiment.

Die beiden Betreiber sind überzeugt davon, dass ihr Konzept des Pizza-Automaten zukunftsträchtig ist. Die Vorteile liegen für sie auf der Hand: kein Mindestumsatz wie beim Lieferdienst, und der Kunde bekommt seine Pizza rund um die Uhr. Bezahlt wird bar, per Karte oder App.

Beim Standort Rödelheim soll es deshalb nicht bleiben. Kern und sein Kompagnon Ahlmann wollen rasch expandieren. Ihre Anlage habe schon andernorts Interesse geweckt, verrät Kern. Eine Marktlücke sehen die beiden etwa in Hostels, die keine Verpflegung anbieten. An Kreativität und Geschäftsinn für diesen ambitionierten Plan mangelt es den findigen Unternehmern freilich nicht: Weil an ihrem Wunderkasten in Rödelheim ein gut frequentierter Fahrradweg vorbeiführt, kamen die beiden schon auf die Idee, ihr Sortiment zu erweitern. Der Automat bietet dort nicht nur Pizza Margherita und Getränke an, – sondern auch Fahrradschläuche und Ladekabel für E-Bikes.

Und so hat‘s geschmeckt

Unsere Redakteurin Katrin Walter hat die Pizza aus dem Automaten probiert und kommt zu einem gemischten Urteil:

Geschmacklich ist die Pizza Margherita mit ordentlich Mozzarella für 5 Euro auf jeden Fall in Ordnung. Eine frische Steinofen-Pizza ist natürlich noch einmal etwas anderes, aber sie ist besser als eine Tiefkühlpizza – weil frischer. Einige Abstriche muss man aber machen.

Die runde Hefe-Mahlzeit kommt auf einem Stück Pappe aus dem Ofen, nicht in einem üblichen Pizzakarton. Nach einem längeren Transport ist sie natürlich kalt. Das Konzept sei „To go“, sagen die Entwickler. Die Pizza vor Ort zu essen ist aber keine gute Option, denn der Automat steht im Wohn- und Gewerbegebiet im Seegewann 19, wo es keine Sitzgelegenheiten gibt. Eine Möglichkeit ist es, mit dem Auto hinzufahren und die Pizza darin zu essen oder sie mit in ein nahe gelegenes Büro zu nehmen.

Außerdem kann der Automat die Pizza nicht schneiden, weil das Messer vegetarische Pizza nicht berühren darf, wenn es zugleich auch mit (Schweine-)Fleisch belegte schneidet. wal

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