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Erinnerung an jüdische Bevölkeruing Rödelheims wahren

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Von: Thomas Stillbauer

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Die Rödelheimer Häuserzeile.
Die Rödelheimer Häuserzeile. © Renate Hoyer

Beim Neubauprojekt an der Assenheimer Straße ist Sensibilität gefordert.

Die Emotionen in Rödelheim schlagen hoch, wenn es um die heruntergekommene Häuserzeile Assenheimer Straße 1/Alt-Rödelheim 14-20 geht. Eines ging in der Diskussion um den Neubau bisher ein wenig unter: Es gibt auch ein Haus Alt-Rödelheim 12, und dort lebten die jüdischen Familien Stern und Capell.

„Die Familie Stern ist 1940 nach Amerika emigriert, der andere Teil der Familie wurde deportiert und ermordet“, erinnert Inge Pauls von der Farbechte/Linke-Fraktion im Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen). Insgesamt 19 Stolpersteine lägen in der Umgebung des Hauses. „Es gab eine sehr lebendige jüdische Bevölkerung im alten Ortskern“, betont Pauls. Das Haus müsse so weit es geht erhalten werden. Den Denkmalschutz hätten die Stadtverordneten abschlägig beschieden.

An die Familien Stern und Capell erinnerte Heiko Lüßmann, bis 2021 Leiter der Einrichtung Raum für Kinder und Teenies in der Trägerschaft der Evangelischen Cyriakusgemeinde, Anfang Juli bei einer Kundgebung vor Ort. Der Platz sei einer der ursprünglichsten in Rödelheim, sagte Lüßmann, der auch die Geschichtsarbeit der Gruppe Stadtteilerkundung Rödelheim leitete. Die zum Abriss freigegebene Häuserzeile sei teils noch so, wie sie vor mehr als 100 Jahren den Stadtteil prägte.

Pläne werden vorgestellt

Die Pläne für die Assenheimer Straße/Alt-Rödelheim sind am Dienstag, 12. Juli, um 19.30 Uhr Thema einer Versammlung in der Cyriakusgemeinde, Alexanderstraße 37, mit Ortsbeirat, Vertreter:innen des Investors, der Bauaufsicht und des Stadtplanungsamtes.

Fester Bestandteil des alten Marktplatzes sei das Haus Alt-Rödelheim 12 gewesen, um 1900 im Besitz der Familie Capell. Sie betrieb im Hof eine Metzgerei und das dazugehörige Geschäft in der Obergasse an der Kreuzung Oelmühlgasse. Ab den 20er-Jahren lebten Arthur Stern, der mit Sybilla Capell, genannt Elly, verheiratet war, und Selma Strauß, geborene Capell, eine Schwester von Elly, ebenfalls mit ihrer Familie in diesem Haus, berichtete Lüßmann. Arthur und Elly Stern hatten ein Textilgeschäft und gemeinsam mit Isidor und Selma Strauß einen Zigarrenladen im Erdgeschoss.

Von den Nazis vertrieben

Nach dem Novemberpogrom 1938 nahmen Hitlers Vollstrecker den Sterns ihr Geschäft und auch das Haus. Ihre Tochter entkam dem Nazi-Terror 1939 mit einem Kindertransport nach Schweden, den Eltern gelang 1940 die Flucht in die USA. Der Arthur-Stern-Platz am Bahnhof Rödelheim erinnere seit 2018 auch an die anderen Menschen der Jüdischen Gemeinde Rödelheim, die vertrieben und ermordet wurden, sagte Lüßmann. Er erzählte von der Begegnung mit Edith Froehlich, der Tochter von Arthur und Elly Stern, 2010 in ihrem Elternhaus. „Sie erkannte nicht nur den alten Treppenaufgang sofort wieder, sondern auch die Tür zur Dachkammer, in der sie in der Pogromnacht im November 1938 vergeblich versuchte, ihren Vater vor den Häschern zu verstecken.“ Stern wurde vorübergehend nach Buchenwald deportiert.

Lüßmann kritisierte, der Zustand der Immobilie sei schon bei Froehlichs Besuch schlecht gewesen. „Hier hat anscheinend jemand langfristig den Verfall dieser für Rödelheim historischen Häuserzeile in Kauf genommen, um nach dem Abriss mit einer lukrativen Neubebauung Kasse zu machen“, sagte er. Sollte abgerissen werden, müsse ein Neubau den Charakter des alten Markplatzes bewahren. Er appellierte an Investor und Aufsichtsbehörden, „dass im Rahmen der Neubebauung eine Erinnerung an die Familien Capell, Stern und Strauß und ihr Wirken erhalten bleibt“.

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