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Johannes Lauterwald vor der Kerschensteinerschule in Hausen.
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Johannes Lauterwald vor der Kerschensteinerschule in Hausen.

Das Jahr im Ortsbeirat 7

„Die Situation ist in der Tat sehr belastend“

  • Sonja Thelen
    VonSonja Thelen
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Ortsvorsteher Johannes Lauterwald (Grüne) spricht im Interview über Mobilität und Verkehr im Ortsbezirk und verrät, ob er schon im sanierten Hausener Freibad schwimmen war.

Herr Lauterwald, seit Mai sind Sie Ortsvorsteher im Ortsbezirk 7, der zweitjüngste, der in Frankfurt je in dieses Amt gewählt wurde. Wie fühlt sich das an? Hätten Sie Anfang des Jahres damit grechnet?

Dieses Amt geht mit einer besonderen Verantwortung einher. Ich möchte damit auch zeigen, dass junge Menschen bereit und in der Lage sind, solche Ämter zu übernehmen. Im Vorfeld meiner Wahl hatten ja einige durchaus Bedenken wegen meines Alters. Mittlerweile habe ich mich gut eingearbeitet, meine Kontakte in die Stadtverwaltung ausgebaut und neue geknüpft. Auch in der Stadtverordnetenversammlung und in den anderen Ortsbeiräten sind nun viel mehr junge Menschen vertreten. Wir Grüne hatten es für möglich erachtet, im Ortsbeirat stärkste Kraft zu werden. Aber die Entscheidung, für das Amt des Ortsvorstehers zu kandidieren, ist erst nach der Wahl gefallen.

In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Anträge zum Thema Mobilität, etwa im neuen Schönhofviertel, zu E-Ladesäulen und für einen sicheren Rad- und Fußgängerverkehr, diskutiert und auch auf den Weg gebracht. Welche Projekte möchten Sie insbesondere vorantreiben?

Für mich sind drei Faktoren wichtig. Zum einen muss der Radentscheid auch hier im Nordwesten umgesetzt werden. Der zweite Punkt betrifft den Gewerbeverkehr. Langfristig muss mehr auf die Schiene verlagert werden. Sonst droht der Verkehrskollaps. Der dritte Punkt, den ich vorantreiben möchte: mehr Verkehrsberuhigung für die Ortszentren, um die Lebensqualität zu erhöhen. Initiativen wie „Lebendiges Praunheim“, die sich rund um die Graebestraße gebildet hat, sind Initiativen, die ich gerne unterstützen möchte.

Aber auch der motorisierte Verkehr beschäftigt den Ortsbeirat. Vor allem fordert er eine Entlastung für die Gaugrafen- und die Westerbachstraße. Wie geht es hier weiter?

Die Situation ist in der Tat sehr belastend. Wir arbeiten eng mit dem Ortsbeirat 6 zusammen und fordern gemeinsam einen zusätzlichen Autobahnanschluss. Die Antworten des Magistrats waren zwar unterstützend, aber entscheiden muss der Bund. Kurzfristig wäre ein Lkw-Sharing eine Idee. Dafür braucht es den Dialog mit den Gewerbetreibenden. Zu beachten müssen wir zudem die Ansiedlung des Bildungscampus‘ der Handwerkskammer und der Philipp-Holzmann-Schule auf dem ehemaligen Gelände der Flint-Group. Hier hoffen wir, dass viele Schüler:innen den öffentlichen Nahverkehr nutzen.

In dem Kontext muss es eine Enttäuschung für Sie gewesen sein, dass die für die Dezember-Sitzung angekündigte Vorstellung des neuen Busbetriebshofs an der Lorscher Straße kurzfristig abgesagt wurde. Wie kann der Ortsbeirat sich noch Gehör schaffen?

Die Absage war schade, aufgrund von Corona aber nachvollziehbar. Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, um Bürger:innen anzuhören und zu beteiligen. Daher soll die Vorstellung möglichst bald nachgeholt werden. Die Pläne wurden in einer Runde, an der ich als Ortsvorsteher und die Fraktionsvorsitzenden teilgenommen haben, erläutert. Wir als Ortsbeirat lehnen eine weitere Belastung vor allem der Thudichumstraße und des Hausener Wegs ab. Essenziell ist ein angemessenes Verkehrskonzept. Sowohl Aufstellungs- als auch Satzungsbeschluss des Bebauungsplans stehen seitens der Stadtverordnetenversammlung noch aus. Insofern hat der Ortsbeirat noch Möglichkeiten, sich einzubringen.

Zur Person

Johannes Lauterwald (Grüne) ist seit Mai Vorsteher des Ortsbeirat 7. Der 24-jährige Student lebt in Rödelheim, ist zudem Stadtverordneter.

Im Ortsbeirat 7 sind die Grünen mit die stärkste Fraktion (fünf Sitze), gefolgt von CDU (vier), SPD und Farbechte/Die Linke (jeweils drei). FDP, BFF, ÖkoLinX und Freie Wähler haben je einen Sitz.

Zum Ortsbezirk gehören Rödelheim, Praunheim, Hausen, Westhausen und Industriehof; dort leben rund 40 000 Menschen.

Die nächste Sitzung ist am Dienstag, 18. Januar, um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Nordweststadt (Walter-Möller-Platz/Nidaforum 2, Saalbau Titus Forum).

Die FR blickt mit allen 16 Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern in Frankfurt zurück auf das Jahr 2021. Die Serie erscheint in loser Folge. the

Auch die Siedlung Westhausen war oft Thema. Unter anderem wegen eines fehlenden Treffs, der auf dem Areal des ehemaligen evangelischen Gemeindehauses an der Kollwitzstraße unterkommen könnte, das die Stadt gekauft hat. Wie ist der Stand der Dinge?

Der Verkauf ist abgeschlossen. Jetzt geht es um die künftige Nutzung. Ebenso wie die Anwohner:innen Westhausens wollen wir keine Schule und keine Kita an der Stelle, wegen der Verkehrsbelastung. Es gibt bereits drei große Schulen vor Ort, der Kita-Bedarf ist gedeckt. Ich hoffe sehr, dass dieser Wunsch berücksichtigt wird. Da es sich um eine Gemeinbedarfsfläche handelt, kann ich mir sehr gut gemeinschaftliches Wohnen kombiniert mit einem Bürgertreff vorstellen.

Ein Problemfall, der sich zum Jahresende erneut offenbarte, ist die Kerschensteinerschule in Hausen, die seit Jahren auf die Sanierung und Erweiterung wartet. Wie können Sie da aktiv werden?

Ich stehe mit dem Amt für Bau und Immobilien (ABI) hierzu in Kontakt. Im Moment hakt es an der Auslagerungsfläche während der Bauarbeiten. Die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Aber in der Tat ist die Kommunikation mit dem ABI recht schwierig. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Versprechen des früheren Baudezernenten Jan Schneider. Ich hoffe, dass es Anfang 2022 mit hoher Priorität voran geht.

Der Zustand der Häuserzeile Alt-Rödelheim 14-20 wurde im Ortsbeirat und von Bürger:innen massiv kritisiert. Ein Investor plant einen Neubau. Der Ortsbeirat wünscht sich zudem eine gestalterische Aufwertung des Platzes. Wie geht es hier weiter?

Die Eigentumsverhältnisse waren lange Zeit ungeklärt. 2016 gab es die Ideenwerkstatt, die dort einen Mix aus Geschäften und Wohnen sowie bestandsnahe Nachverdichtung favorisiert. Vom neuen Investor „Sky Construction“ erwarten wir, dass es bald weitergeht. Das momentane Erscheinungsbild ist inakzeptabel. Im Hinterhof der Häuserzeile wird massiv Sperrmüll abgeladen, es herrschen unhygienische Zustände. Nicht nur deswegen werde ich mit dem Eigentümer Kontakt aufnehmen. Klar ist aber auch: Die Chance für einen Quartiersplatz darf nicht ungenutzt bleiben.

Zu guter Letzt: Seit November können Wasserratten ganzjährig im Freibad Hausen schwimmen, dank einer Traglufthalle während der kalten Jahreszeit. Was sagen Sie dazu? Sind Sie selbst schon ins Becken gesprungen?

Bislang war ich nur bei der Eröffnung, aber noch nicht schwimmen. Das werde ich aber bald tun. Ich komme ja selbst aus dem Triathlon und schwimme sehr gerne. Ich denke, es ist ein guter Kompromiss zwischen Schulen, Vereinen und privaten Nutzer:innen gefunden worden. Angesichts der vielen Nichtschwimmer:innen ist es wichtig, dass es einen ganzjährig geöffneten Ort gibt, um schwimmen zu lernen und zu trainieren.

Interview: Sonja Thelen

Die Auferstehungskirche in der Graebestraße. Rund um diese Straße hat sich eine Initiative gegründet.
Dank der Traglufthalle kann das Freibad Hausen nun ganzjährig genutzt werden.

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