1. Startseite
  2. Frankfurt
  3. Rödelheim

Die Frankfurter Neue Altstadt als Vorbild für Rödelheim

Erstellt:

Von: Sabine Schramek

Kommentare

Architekt Payel Rahman zeigt die Pläne für die Bebauung in Alt-Rödelheim.
Architekt Payel Rahman zeigt die Pläne für die Bebauung in Alt-Rödelheim. © Sabine Schramek

Investoren und Architekt stellen ihre Pläne für den vergammelten Ortskern vor. Die anwesenden Bürger und Bürgerinnen werden dadurch durchaus beruhigt.

Vergammelt und völlig marode ist seit Jahren die Häuserzeile Alt-Rödelheim 14 bis 20. Genauso lange mokieren sich Bürger:innen und Ortsbeirat darüber. Jetzt haben neue Investoren und ihr Architekt gemeinsam mit der Bauaufsicht einen genehmigungsfähigen Plan vorgestellt.

Der Saal in der Cyriakusgemeinde ist so voll, dass alle Besucher und Besucherinnen Maske tragen müssen. Sie wollen unbedingt wissen, was die Investoren und der Architekt der Sky Construction GmbH mit ihrem alten Ortskern vorhaben, der seit sechs Jahren Schandfleck ist. Unterschriften wurden gesammelt, aus Angst, was hier geplant ist. Schnell werden die Bürger:innen eines Besseren belehrt. Geschäftsführer Gökce Koc und Architekt Payel Rahman haben maßgetreue Modelle dabei und stellen sich den Fragen. „Wir sind keine Spekulanten, sondern ein mittelständiges Unternehmen mit 18 Mitarbeitern“, so Koc, der in Darmstadt geboren wurde, Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt studiert und neun Jahre lang im Immobiliensektor bei einer Bank gearbeitet hat.

Neugierig gucken und fotografieren Nachbar:innen und Ortsbeiratsmitglieder die Modelle. Koc war bereits bei der Kundgebung für einen Quartiersplatz am 1. Juli dabei. Ortsvorsteher Johannes Lauterwald (Grüne) erwähnt das positiv. „Er hätte nicht kommen müssen und auch heute ist es nicht selbstverständlich, dass Investoren, Architekt und Bauamt hier sind“, sagt er.

Koc und Rahman erklären, dass sie vorher wenig preisgeben konnten, da ihre Pläne erst genehmigungsfähig hätten erklärt werden müssen. Das sei nun der Fall. Simone Zapke und Andreas Neubauer von der Bauaufsicht nicken und wirken entspannt, während Rahman das Projekt vorstellt. 26 Wohnungen, vier Gewerbeflächen im Erdgeschoss und eine Tiefgarage mit 15 Stellplätzen sowie ein großzügiger Innenhof auf der bis heute komplett versiegelten Fläche sind ebenso vorgesehen wie ein Platz zum Verweilen mit einem Café an der Frontseite.

„Wir haben uns die Neue Altstadt als Studienobjekt genau angesehen und ein Jahr lang geplant, um allen Interessen gerecht zu werden“, so Rahman. Berücksichtigt worden seien die beiden Ideenwerkstätten, die Nachbarschaft und der Wunsch nach einem Quartiersplatz. Links und rechts sollen die Gebäude niedriger sein als in der Mitte, wo die Investoren vier Stockwerke plus Dachgeschoss mit Satteldach aufweisen. Mit Balkons an jeder Wohnung, die zwischen 50 und 100 Quadratmeter groß werden, barrierefrei und mit Aufzügen zu erreichen sind. Dazu Photovoltaik und Wärmepumpe.

„Wir wollen selber bauen und selber vermieten. Es wird keine Spielhalle einziehen“, so Koc, der die Sorgen der Anwesenden spürt. „Wir wollen hochwertig bauen und so, dass es in das Stadtbild passt.“ An den Seiten wird das Ensemble zehn Meter schmaler als es jetzt ist. Der bisher bebaute Innenhof bleibt frei.

Das Gebäude wird kein monolithischer Block, sondern eine Bebauung ähnlich der Gründerzeit mit modernen Aspekten. Viele Kompromisse seien eingegangen worden. Zapke erklärt, dass die bislang zweigeschossige Architektur vorne wie von der Ideenwerkstatt 1 gewünscht wurde, nicht zustande käme, weil die bestehenden Gebäude nicht zu retten seien. „Es ist mehr als einsturzgefährdet, sondern nicht mehr standfest“. Damit falle auch das vorhandene Planungsrecht, Denkmalschutz bestünde nicht. Dafür sei eine Gründerzeit-typische Mischnutzung aus vier Gewerbebetrieben und Wohnungen darüber entstanden, wie in der Ideenwerkstatt 2 vorgeschlagen. Noch sei keine Genehmigung da. „Wir könnten mit dem Vorschlag leben“, so Zapke. Jetzt müsse man mit der Nachbarschaft sprechen.

Die Mieten von etwa 16 Euro pro Quadratmeter scheinen manchen zu hoch. „Dafür werden die Nebenkosten keine zweite Miete“, verspricht Koc. Die Kritik an dem Vorhaben hält sich in Grenzen. Sogar Applaus ist zu hören. Die Vorstellung, dass der Schandfleck noch lange so bleibt, wie er ist, gefällt niemanden. „Wir wollen anfangen und stehen Gewehr bei Fuß, sobald die Genehmigung da ist“, so Koc.

Auch interessant

Kommentare