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Alt-Rödelheim verkommt zum Schandfleck

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Von: Sonja Thelen

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Die Häuserzeile in Alt-Rödelheim steht schon lange leer.
Die Häuserzeile in Alt-Rödelheim steht schon lange leer. © Renate Hoyer

Der Anblick der leerstehenden Häuserzeile Alt-Rödelheim in Frankfurt nervt Anwohner und Ortsbeirat. Ihre Forderung: Die Stadt soll endlich handeln.

Frankfurt – Ortsbeitrat und Nachbarschaft haben den „verlotterten“ Anblick der leerstehenden und abgesperrten Häuserzeile Alt-Rödelheim und Assenheimer Straße satt. Sie fordern die Stadt zum Handeln auf. Demnächst sollen die Neubaupläne der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Die Menschen rund um die leer stehende und mit Absperrgittern versehene Häuserzeile Alt-Rödelheim 14-20 und Assenheimer Straße 1 „haben die Faxen dicke“ von dem „verlotterten“ Anblick inmitten des alten Ortskerns. Das verdeutlichte Anwohner Klaus Winger in der Bürgerfragestunde des Ortsbeirats 7 am Dienstagabend. Die Stadt solle dringend etwas gegen diese Situation unternehmen, forderte er mit anderen Mitstreitenden aus dem Umfeld.

Frankfurt: Unterschriftensammlung gegen Häuserzeile in Alt-Rödelheim

Seit März haben sie 737 Unterschriften gesammelt und in der Ortsbeiratssitzung an Ortsvorsteher Johannes Lauterwald (Bündnis 90/Die Grüne) überreicht. Er solle sie an Planungsdezernent Mike Josef (SPD) weiterleiten. „Wir wissen, dass der Ortsbeirat seit Jahren versucht, die Missstände einzudämmen“, sagte Winger. Doch unklare Eigentumsverhältnisse über einen mehrjährigen Zeitraum haben solche Bemühungen vereitelt.

Mittlerweile hat die jetzige Eigentümerin, die Sky Construction GmbH, Bauantrag für ihr Vorhaben eingereicht. Das bestätigt auf Anfrage Mark Gellert, Referent des Planungsdezernenten. Gemeinsam mit Architekt Payel Rahman hatte der Investor das Vorhaben am Montagabend Mitgliedern des Ortsbeirats bei einem Treffen vorgestellt und dabei seine Bereitschaft signalisiert, das Vorhaben auch öffentlich im Ortsbeirat vorzustellen, teilte Lauterwald mit. Das bestätigt Architekt Rahman: „Wir möchten der Öffentlichkeit das Projekt näher bringen.“ Mit dem Ortsbeirat werde nun nach einem Termin gesucht. „Wir wissen um die Dringlichkeit einer solchen Vorstellung“, so Lauterwald: Eventuell werde es eine Sondersitzung noch vor der Sommerpause geben, sonst direkt nach den großen Ferien.

Neubaupläne

Der neue Komplex im alten Ortskern (Alt-Rödelheim und Assenheimer Straße), der sich von der Anmutung her in den Bestand einfügen soll, sieht eine drei- bis viergeschossige Bebauung mit Dachgeschoss und Walm- und Satteldächern vor. Die heutige Häuserzeile Alt-Rödelheim sei zu baufällig und aus brandschutztechnischen sowie statischen Gründen nicht zu erhalten, erläutert Architekt Payel Rahman.

Geplant sind 26 Mietwohnungen , „zu fairen Preisen“, 55 bis 110 Quadratmeter groß, und eine Tiefgarage. An den Einmündungen der Sackgasse Alt-Rödelheim und Assenheimer Straße werden die Neubauten ein Stockwerk niedriger als die umliegenden Häuser. Im mittleren Teil werde der Neubau vier Geschosse hoch, „während die Häuser gegenüber fünf Stockwerke hoch sind“. the

Frankfurt: Anwohner in Rödelheim wollen nicht weiter vertröstet werden

Die Anwohner-Initiative fordert überdies, bei der künftigen Bebauung der Häuserzeile frühzeitig die Gestaltung dieses zentralen Platzes und Anregungen aus der „Ideenwerkstatt Rödelheim“ 2016 zu berücksichtigen. Auch die Nachbarschaft solle bei den Plänen beteiligt werden. „Der Platz ist ein Schandfleck. Ich bin entsetzt, wie eine Stadt einen Stadtteil so vergessen kann“, monierte eine Nachbarin, die in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt in Rödelheim lebt. Eine Mitbewohnerin ergänzte: Rödelheim sei ein attraktives Quartier. Sie bat den „Ortsbeirat um Unterstützung, damit dieser Ort wieder ein lebendiger Platz wird“.

Anwohner Helmut Furtmann sagt: „Die Leute stehen auf der Matte, sie wollen nicht weiter vertröstet werden.“ Er reklamierte, bei der künftigen Planung müsste die Stadt Neubau und Platzgestaltung zusammen betrachten. „Das ist das Herz von Rödelheim“, sagte Klaus Winger. Es spiegele die dörflichen Wurzeln und die Gründerzeit wider. Die Menschen wünschen sich diesen Ort als Treffpunkt. „Die Gestaltung des Platzes hängt mit dem Bauvorhaben zusammen und mit dessen geplanter Höhe“, so Winger. CDU-Fraktionschef Veljko Vuksanovic erinnerte daran, dass sich der Ortsbeirat seit Jahren engagiere, damit dort endlich etwas passiert: „Es ist nicht zu akzeptieren, dass die Fläche seit fünf Jahren brach liegt.“ Die Stadt müsse „handeln und den Eigentümer unter Druck setzen“.

Auch der Platz vor der abgesperrten Häuserzeile verkommt immer mehr.
Auch der Platz vor der abgesperrten Häuserzeile verkommt immer mehr. © Renate Hoyer

Frankfurt: Problemhäuser in Rödelheim sind Verantwortung des Eigentümers

Dazu tragen die Unterschriften bei, so Ortsvorsteher Lauterwald: „Die sind sehr wertvoll.“ Dem pflichtete SPD-Fraktionschef Hans-Jürgen Sasse bei: „Die Unterstützung der Bürger ist großartig. Wir brauchen den öffentlichen Druck.“ Allerdings machten Lauterwald und Sasse deutlich, dass es sich um einen privates Bauvorhaben auf einem Privatgundstück handele. „Die Schuld an der Situation trägt der Eigentümer und nicht die Stadt. Die konnte nichts tun. Es gibt in Deutschland keine Baupflicht, lediglich eine Verkehrssicherungspflicht“, die der Eigentümer zu erfüllen habe und was er durch die Absperrung des Areals auch tue, betonte Sasse. Beim Thema Platzgestaltung hofft der Sozialdemokrat, „dass der Investor bereit ist, die eine oder andere Idee aus der Bürgerschaft und der Ideenwerkstatt aufzugreifen. Zwingen können wir ihn nicht“.

„Wir möchten den Quartiersplatz beleben“, bestätigt Architekt Rahman auf Anfrage. So sollen im Erdgeschoss des Komplexes ein Café, ein Bioladen, eine Eisdiele und ein Bäcker unterkommen.

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