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Einst fuhr erst die Linie 3, dann die Linie 23 durch Rödelheim.
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Einst fuhr erst die Linie 3, dann die Linie 23 durch Rödelheim.

Rödelheim

Als die Westerbachstraße voller Kastanienbäumen war

  • VonAlexandra Flieth
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Der neue Stadtteilkalender des Rödelheimer Heimat- und Geschichtsvereins ruft mit seinen historischen Fotos persönliche Anekdoten der Alteingesessenen wach.

Als junge Frau war für Renate Söns die Straßenbahn das wichtigste Verkehrsmittel, um von Rödelheim zu ihrem damaligen Arbeitsplatz im Ostend zu gelangen. „Ich bin sozusagen von einer Endstation zu anderen gefahren“, erzählt die Rödelheimerin, die für die Trümmerverwertungsgesellschaft gearbeitet hat bis diese im Jahr 1964 liquidiert wurde. „Erst war es die Linie 3, später die Linie 23, die mich an meinen Arbeitsplatz brachte.“

Seit vielen Jahren engagiert sie sich als Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein Rödelheim. Die Abbildung für den Januar im neuen Stadtteilkalender für 2022 gefällt ihr besonders gut, verbindet sie diese doch mit ihrer eigenen Geschichte. Es ist eine Schwarz-Weiß-Fotografie um 1978, die zeigt, wie die Straßenbahn der Linie 23 einst durch den Stadtteil fuhr.

„Die Aufnahme entstand kurz bevor die Linie eingestellt wurde“, erzählt Erwin von Spannenberg, ebenfalls Mitglied im Verein. Er habe das Datum der Fotografie mit Hilfe des Verkehrsmuseums in Schwanheim recherchiert. Söns und von Spannenberg kümmern sich seit der ersten Auflage des Stadtteilkalenders im Jahr 2000 federführend um die Auswahl der Fotos und die Gestaltung. Die Idee dafür geht zurück auf Renate Söns, die seit 1998 Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein ist.

Neben Fotos in Schwarz-Weiß gibt es seit drei Jahren im Kalender auch Farbabbildungen, darunter gemalte Darstellungen zum Beispiel in der neuen Auflage „Ein Blick in die Flussgasse“ nach einem Aquarell von Fritz Klostermeier. Auch das Titelblatt ist die Abbildung einer kolorierten Zeichnung, die das 1888 erbaute alte Stellwerk am Rödelheim Bahnhof wiedergibt, das Mitte der 1970er Jahre abgerissen wurde. Nochmals dargestellt ist dieses Stellwerk auf dem Septemberblatt des kommenden Jahres auf einer farbigen Postkarte, die den Bahnhof um das Jahr 1940 zeigt.

Auch Helmut Schröder, Schriftführer im Verein, hat im neuen Kalender sein persönliches Lieblingsmotiv. „Der März zeigt das Eckhaus in der Westerbachstraße 30, wo ich lebe“, erzählt er. Die Abbildung entstand um 1930 und visualisiert, dass die Westerbachstraße damals beidseitig von Kastanienbäumen gesäumt wurde. „Auch heute gibt es noch Kastanien, aber nur noch auf einer Seite“, sagt Schröder.

Renate Söns und Erwin von Spannenberg, der viele Jahre im Grafikdesign tätig war, suchen jedes Jahr im Archiv des Vereins nach den passenden Motiven. Das Archiv umfasst mehrere Tausend Fotografien und Abbildungen. Rund 7000 davon wurden in den vergangenen Jahren von engagierten Mitgliedern digitalisiert. Nicht immer sei dabei das Entstehungsjahr bekannt und muss nachrecherchiert werden. Er und andere Mitglieder greifen dafür gerne auf das Wissen alteingesessener Rödelheimer:innen zurück.

Der Heimat- und Geschichtsverein wurde 1989 im Anschluss an die 1200-Jahr-Feier Rödelheims gegründet. Dieser hat seinen Sitz in dem von dem Architekten Eugen Kaufmann (1892 – 1984) entworfenen Pavillon im Brentanopark. „Uns scheint es notwendig, das Wissen um die Geschichte Rödelheims für die nächsten Generationen zu bewahren und der Jahreskalender soll einen Teil dazu beitragen“, beschreibt Erwin von Spannenberg seine Motivation.

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