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Rodung für die Autobahn: Räumung im Fechenheimer Wald in Frankfurt steht unmittelbar bevor

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Von: Florian Leclerc

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Für die Rodung zum Autobahnausbau soll die Besetzung des Fechenheimer Walds beendet werden. Die Polizei bereitet die Räumung der Baumhäuser vor.

Frankfurt - Die Rodung im Fechenheimer Wald für den Ausbau der Autobahn 66 zur Autobahn 661 im Frankfurter Osten rückt näher. Wie die Autobahn-Gesellschaft des Bundes mitteilte, ist das Rodungsgebiet im Fechenheimer Wald von Freitag, 6. Januar, bis voraussichtlich 31. Januar für die Öffentlichkeit gesperrt.

Hindernisse, Baumhäuser und Traversen sollen die Rodung im Fechenheimer Wald hinauszögern.
Hindernisse, Baumhäuser und Traversen sollen die Rodung im Fechenheimer Wald hinauszögern. Renate Hoyer © Renate Hoyer

„Die Autobahn-GmbH untersagt die Nutzung der Flächen, insbesondere auch den dauerhaften und auch nur vorübergehenden Aufenthalt in den dort errichteten Baumhäusern und sonstigen Einrichtungen“, teilte die Behörde mit.

Zum Einsatz komme schweres Gerät wie Bagger und Harvester. Falls die bis zu 30 Meter hohen Bäume fielen, könnten sie weitere Bäume oder Drahtseile, die im Wald befestigt seien, mit sich reißen. Wer sich im genannten Zeitraum im Waldstück aufhalte, befinde sich „in Lebensgefahr“. Die Autobahn-Gesellschaft ist Besitzerin des Grundstücks. Sie macht von einer Sperrbefugnis laut Hessischem Waldgesetz Gebrauch.

Waldbesetzung soll Rodung in Frankfurt verhindern: Räumung im Fechenheimer Wald steht unmittelbar bevor

Die gesperrte Fläche ist zwischen 70 und 140 Meter breit und 230 Meter lang und liegt in etwa parallel zu den U-Bahn-Haltestellen Kruppstraße und Hessen-Center in Fechenheim. Auf dem Areal halten sich seit mehr als einem Jahr etwa ein Dutzend Waldbesetzerinnen und Waldbesetzer auf. Sie haben zahlreiche Baumhäuser und Traversen errichtet sowie ein etwa 40 Meter hohes Gestell an einem Baum, einen sogenannten Tripod. Die Waldbesetzung soll die Rodung verhindern oder zumindest verzögern.

Zahlreiche Container nahe der U-Bahn-Station Kruppstraße kündigen die Rodungsarbeiten im Fechenheimer Wald an.
Zahlreiche Container nahe der U-Bahn-Station Kruppstraße kündigen die Rodungsarbeiten im Fechenheimer Wald an. Foto: Renate Hoyer © Renate Hoyer

Dabei pochen die Besetzer:innen unter anderem auf den Artenschutz. Im Sommer wurde der geschützte Käfer Heldbock im Wald nachgewiesen. Die Autobahn-Gesellschaft ließ das Vorkommen prüfen, wodurch sich der Rodungsbeginn seit November verzögerte. Laut Gutachten könnte der Käfer in mehr als 1200 Eichen im Fechenheimer Wald leben. 47 Eichen liegen im Rodungsgebiet.

Frankfurt: Autobahn-GmbH will Rodung im Fechenheimer Wald trotz Artenschutz ermöglichen

Die Autobahn-GmbH meidet nun diese Eichen bei der Rodung für den Bau von zwei Baustraßen. Die Baustraßen führen dann um die Eichen herum. Ein zweites Gutachten im Jahr 2023 soll das Vorkommen der Käferart bei den mehr als 1200 Eichen im Fechenheimer Wald untersuchen. Danach wäre eine Rodung in dem nun ausgesparten Gebiet möglich.

Autobahn-Ausbau

Im Frankfurter Osten soll die Autobahn 66, die derzeit am Hessen-Center endet, bis zur Autobahn 661 ausgebaut werden. Das Autobahndreieck Erlenbruch als Verbindung zur A661 gibt es bereits. Die Anschlussstelle Hessen-Center der A66 wird durch die Anschlussstelle Borsigallee ersetzt.

Die Ausbaustrecke ist 2,2 Kilometer lang. Die Hälfte davon soll im Tunnel liegen, dem Riederwaldtunnel. Gebaut werden soll voraussichtlich bis 2031. Die Kosten liegen derzeit bei geschätzten 600 Millionen Euro. Bauherrin ist die Autobahn-GmbH des Bundes. Baurecht gibt es seit 2007. Das hessische Verkehrsministerium hat zuletzt 2019 einen geänderten Planfeststellungsbeschluss genehmigt.

Befürworter:innen des Projekts erwarten eine Verkehrsentlastung im Frankfurter Osten. Laut Verkehrsprognose nimmt der Verkehr unter anderem auf der Straße am Erlenbruch sowie auf weiteren Straßen ab, die aus der Stadt herausführen. Gleichzeitig steigt der Verkehr laut Prognose auf Straßen, die in die Stadt hineinführen. Dazu zählen die Friedberger Landstraße, die Hanauer Landstraße, der Ratsweg. Darauf weisen Kritiker:innen des Projekts hin. fle

Simone Kühn, eine Biologielehrerin, die sich im Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn engagiert, warb für mehr Artenschutz statt Autobahnausbau. „Längst spüren wir ein Unbehagen, weil wir wissen, dass bei der Naturzerstörung, beim unzureichenden Klimaschutz, bei der Missachtung von Wasserkreisläufen, beim Verlust von Böden und bei der Investition von Milliardenbeträgen, die für Autobahnbau und Autobahnsanierung beansprucht werden, überzogen wird“, teilte sie in einem Schreiben mit.

Frankfurt: Umweltverband erwägt Klage gegen Rodung im Fechenheimer Wald

Im Gespräch kritisierte sie mögliche Ausnahmen vom Artenschutz, welche im Bundesnaturschutzgesetz vorgesehen sind, falls das öffentliche Interesse überwiegt. „Die Ausnahmen, die beim Artenschutz gemacht werden, um weitere Autobahnen bauen zu können, scheinen kaum noch Einzelfälle zu sein, sie sind offenbar längst die Regel.“ Der BUND in Frankfurt hält sich die Möglichkeit einer Klage gegen die Rodung vor.

Das Rodungsgebiet.
Das Rodungsgebiet: Quelle: Autobahn-Gesellschaft © Grafik: FR. Quelle: Autobahn-Gesellschaft

Die Frankfurter Polizei hat für Montag, 9. Januar, zu einem Info-Gespräch ins Polizeipräsidium eingeladen. Anwesend sein werden Vertreter:innen der Stadt Frankfurt, parlamentarische Beobachter:innen aus dem Römer, Vertreter:innen der Autobahn-Gesellschaft und der Waldbesetzer:innen. Die gehen davon aus, dass die besetzten Waldflächen erst nach dem Info-Gespräch geräumt werden, also voraussichtlich ab Dienstag, 10. Januar. Die Autobahn-Gesellschaft hat in dieser Fällperiode bis Ende Februar Zeit für die Rodung.

Demonstration: Die Waldbesetzer: innen rufen für Samstag, 7. Januar, 10.30 Uhr, am DGB-Haus, Wilhelm-Leuschner-Straße 69/77, zur Demonstration für den Erhalt des Fechenheimer Waldes auf. Die Veranstaltung ist parallel zum DGB-Empfang. Unter dem Motto „Fecher bleibt“ läuft der Zug zum Roßmarkt. (Florian Leclerc)

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