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Anfang des 20. Jahrhunderts entsteht die Kolonie.

Zeilsheim

Rock den Frosch

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Der Stadtteil feiert am Wochenende seine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 794.

Im Jahr 794 hat Flanbrecht aus dem Dorf Ciolfesheim Geschichte geschrieben. Er schenkt dem Kloster Lorsch einen Hof mit 30 Morgen Land, 30 weitere Morgen und einen Knecht. Besagte Schenkung ist die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Zeilsheim. Der ist damit genauso alt wie die freie Reichstadt Frankfurt.

Das feiern die Zeilsheimer am Wochenende ausgiebig. Los geht’s am Freitag, 31. Mai, 19 Uhr in der Stadthalle, Bechtenwaldstraße 17. Nicht nur Promis und Honoratioren sind eingeladen. „Alle Mitbürger, auch ehemalige Zeilsheimer“, sagt Alfons Gerling, der Ehrenvorsitzende des Vereinsrings.

Der Vereinsring zeigt erstmals einen „sehr sehenswerten Kurzfilm“ von der 1200-Jahrfeier 1994. Historiker Wolfgang Metternich referiert zur Geschichte; die Moderation übernimmt Benny Maro. Karten kosten zehn Euro an der Abendkasse.

Am Samstag, 1. Juni, steht das traditionelle Froschbrunnenfest an, von 14 bis 24 Uhr am Froschbrunnenplatz und der oberen Klosterhofstraße mit Ständen der Vereine und Gewerbetreibenden. Straßenkünstler treten auf, ab 17 Uhr spielt eine zünftige Musikkapelle, ab 20 Uhr heißt es dann: Rockt den Frosch, mit drei lauten Bands, die beim Froschrocken unterstützen. Für Kinder gibt es ab 14 Uhr eine Hüpfburg, Rutschbahn, Bobby-Cars, Clown, Torwandschießen und mehr.

Alter Hof in Zeilsheim. 

Der Sonntag, 2. Juni, beginnt um 11 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Kirche Alt-Zeilsheim. Die Vereine nehmen mit Fahnenabordnungen teil. Danach ist Sektumtrunk im Kirchgarten. Um 15 Uhr begibt sich der Heimat- und Geschichtsverein auf Spurensuche zu historischen Gebäuden. Treffpunkt ist der Schulhof der Käthe-Kollwitz-Schule.

28 blau emaillierte Schilder hat der Verein im Stadtteil angebracht, die Auskunft geben über seine 1250-jährige Geschichte. Wobei das Alter streng genommen Quatsch ist. Auch vor 794 haben Menschen dort gelebt. In der Steinzeit, um 8000 vor Christus, sind die Zeilsheimer bereits aktiv, das belegen Funde. Sie beschäftigen sich halt weniger mit Urkunden schreiben, dafür mehr mit ersten Versuchen in Ackerbau und Viehzucht.

Später prägen die Römer die Gegend, bauen Straßen und Gutshöfe. Bei Ausgrabungen 2004 und 2005 an der A66 finden Archäologen ein römisches Gräberfeld aus der Zeit um 130 nach Christus. Eigentlich haben Fachleute die zivile Besiedlung des Gebiets rechts des Rheins auf etwa 100 nach Christus datiert. Zuvor habe es lediglich Militärstationen gegeben. Nicht so in Zeilsheim. Dort entsteht bereits 25 Jahre vorher eine ländliche Siedlung, ein Hof, gegründet von einem ehemaligen Legionär. Von Aufstieg und Fall der Familie zeugt ein ehemals prachtvolles Mausoleum, das die Archäologen ausgebuddelt haben.

Der Froschbrunnen. an der Welschgrabenstraße.

Über die Jahre sind die Zeilsheimer unter wechselnden Grundbesitzern landwirtschaftlich tätig. Der 30-jährige Krieg trifft das Dorf hart, wie auch die umliegenden Ortschaften. Kaum hat sich Zeilsheim erholt, wütet 1666 die Pest, 24 der 95 Einwohner sterben. 1683 wird erstmals eine Schule erwähnt.

Später prägt die Industrialisierung den Ort. 1899 entsteht die Arbeiterkolonie, die im englischen Cottage-Stil errichteten Häuschen mit Gärten sind heute ein Wahrzeichen. Zunächst sind sie aber Zankapfel. In die Kolonie ziehen viele Protestanten, die Skepsis gegenüber den Neuankömmlingen in dem zuvor rein katholischen Ort hält lange an. Ab Sommer 1945 kommen 150.000 heimatlose Juden in die amerikanische Besatzungszone. Sie können nicht in ihre frühere Heimat zurück und leben vorübergehend als „DP’s“ (Displaced Persons) in „DP-Lagern“. Eines davon ist das Steinbarackenlager Zeilsheim. Dort wohnen zeitweise 5000 Personen. Die Einheimischen müssen zusammen rücken. Bis heute ist Zeilsheim ein beschaulicher Ort. Trotz des Industrieparks und der nahegelegenen Autobahn. Das haben die Zeilsheimer schriftlich. Frankfurts OB Peter Feldmann schreibt es in seinem Grußwort zur 1250-Jahrfeier.

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