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Aids-Hilfe in Frankfurt

Zahl der HIV-Neuinfektionen geht zurück

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Die Frankfurter Aids-Hilfe stellt das Kompetenzzentrum für Sexualität, Identität und Gesundheit vor. Die gute Nachricht: Die Zahl der HIV-Neuinfektionen sinkt.

Die Zahlen kommen frisch aus Berlin, vom Robert-Koch-Institut. Der bundesweite Trend, den die Aids-Hilfe am Donnerstag, im Vorfeld des Welt-Aids-Tages vorstellte, war deutlich: In der Gruppe der am meisten gefährdeten Personen ist die Zahl der Neuinfektionen mit HIV zurückgegangen. Von 2100 im Jahr 2016 auf 1700 im vorigen Jahr. Carsten Gehrig, Fachbereichsleiter Psychosoziales bei der Aids-Hilfe, geht davon aus, dass die Entwicklung in Frankfurt ähnlich ist. „Unsere Präventionsarbeit, Beratungs- und Testangebote haben dazu sicherlich beigetragen“, meint er.

Gehrig und der Vorstandsvorsitzende der Aids-Hilfe, Christian Setzepfandt, gehen davon aus, dass die Zahl der Neuinfektionen weiter sinken wird, wenn sich Medikamente, die zur Vorbeugung vor einer Infektion eingenommen werden, weiter durchsetzen. Diese sogenannte Präexpositionsprophylaxe, kurz PrEP, genannt, ist derzeit für 40 Euro im Monat zu haben. Im nächsten Jahr sollen die Kosten für dieses Präparat von den Krankenkassen übernommen werden. In Städten, in denen PrEP schon länger verbreitet ist, „gehen die Zahlen stärker zurück“, berichten Gehrig und Setzepfandt.

Voraussetzung für die Verschreibung eines Rezepts sind regelmäßige HIV-Tests. Solche Schnelltests werden inzwischen nicht nur bei der Aids-Hilfe und niedergelassenen Ärzten angeboten, sondern seit einigen Wochen auch in Apotheken. Theoretisch können sie auch in Drogerien vertrieben werden. Die Aids-Hilfe sieht solche Selbsttests eher kritisch. Außerhalb der Ballungszentren könnten sie möglicherweise ein niedrigschwelliges Angebot sein. Aber „was passiert, wenn das Ergebnis positiv ausfällt?“, fragt Setzepfandt.

Die Aids-Hilfe verkauft die Tests zu einem Preis von 20 Euro und bietet gleichzeitig eine Beratung an. Im Switchboard in der Alten Gasse und im Kiss in der Wielandstraße – zwei Treffpunkten der schwulen Szene, werden die Schnelltests unter medizinischer Aufsicht vorgenommen. Auch in der Geschäftsstelle der Aids-Hilfe können sich Besucher in absehbarer Zeit testen lassen. Denn die Einrichtung in der Friedberger Anlage 24 soll zu einem „Kompetenzzentrum für Sexualität, Identität und Gesundheit“, dem „MainCheck“ ausgebaut werden.

Angebote zu Beratung und Prävention sollen hier gebündelt und der psychosoziale Bereich gerade für geschlechtliche und sexuelle Minderheiten (GMS) ausgebaut werden. In diesem Bereich gebe es in Frankfurt „so gut wie nichts“, sagen Gehrig und Setzepfandt. Hier habe die Schließung des Instituts für Sexualwissenschaft von Volkmar Sigusch im Jahr 2006 eine Lücke gerissen. Diese Menschen gingen nicht zum Hausarzt.

Noch immer sterben in Frankfurt jährlich etwa 70 Menschen an Aids. Sie gehören jener Generation an, für die die Einnahme von Medikamenten mit starken Nebenwirkungen verbunden war. Diese Erkrankten seien häufig vereinsamt und lebten oft in einer schwierigen finanziellen Situation. Für sie betreibt die Aids-Hilfe einen Tagestreff.

Längst habe sich das Erscheinungsbild von Aids gewandelt, betonen Gehrig und Setzepfandt. Wer sich heute einer retroviralen Therapie unterziehe, könne davon ausgehen, dass das Virus nach einer gewissen Zeit im Blut nicht mehr nachgewiesen werden kann und damit der Geschlechtsverkehr ohne Kondom mit keinem Risiko für den Partner verbunden sei.

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