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Kathrin Sündermann mit dem Bild der jungen Oma Rink.

Kunst  

Restaurierung im Museum  für Moderne Kunst Frankfurt

Kathrin Sündermann leitet die Restaurierung des Museums für Moderne Kunst Frankfurt. In ihrem Atelier in Bornheim restauriert sie Gemälde, Skulpturen und andere Kunstwerke

Kathrin Sündermann steht vor dem Gemälde einer Frau und rollt gleichmäßig ein großes Wattestäbchen über die Oberfläche. Die Frau ist Oma Rink, die verstorbene Inhaberin einer bekannten Frankfurter Apfelweinkneipe, die die Zeit ebenfalls nicht überlebt hat.

Sündermann zieht Watte aus einer Dose und wickelt sie um ein langes Holzstäbchen, tunkt das fertige Wattestäbchen in eine klare Flüssigkeit und rollt es erneut über den Arm von Oma Rink. Mit jeder Bewegung wird die Stelle etwas heller, bis schließlich die leuchtende Originalfarbe zum Vorschein kommt.

Kathrin Sündermann ist Diplom-Restauratorin und arbeitet in ihrem Atelier, das sie zusammen mit ihrem Kollegen Ulrich Lang führt. Der Raum ist groß und hell. An den weißen Wänden stehen Schränke mit alten Apothekenglasflaschen und Büchern. Es riecht nach Lösungsmitteln und die Beatles klingen aus den Lautsprecherboxen.

Leinwände liegen auf Böcken und Staffeleien, Skulpturen sind mit „Vorsicht, Kunst“-Schildern versehen, auf den Fensterbrettern stehen Becher mit Pinseln.

Seit achteinhalb Jahren arbeitet Sündermann als selbstständige Restauratorin in dem Atelier in Bornheim, seit zwei Jahren auch als Restaurierungsleiterin am Frankfurter Museum für Moderne Kunst. Sie ist spezialisiert auf moderne und zeitgenössische Kunst. Die Restaurierung verbindet nicht nur Kunst und Naturwissenschaften, sondern auch all ihre Fähigkeiten und Leidenschaften, sagt sie.

Die Kenntnis verschiedener Materialien und wie sie miteinander reagieren, sei genauso wichtig, wie die Bereitschaft, sich auf ein Werk einzulassen und es zu verstehen. Ziel der Restaurierung sei es, dessen Wirkung wieder herzustellen. „Wenn ich meinen Job gut mache, sieht man nichts.“ sagt Sündermann. Ihre Maxime sei, so wenig wie möglich einzugreifen und nur Materialien zu benutzen, die wieder entfernt werden könnten. Die Stoffe, mit denen zeitgenössische Künstler arbeiten, seien wenig erforscht. Da niemand wisse, wie sie sich über die Jahrzehnte veränderten, müssten sie für Fachleute erkennbar und leicht zu entfernen sein.

Zum Werk entsteht oft eine Beziehung

Natürlich hat der Beruf nicht nur gute Seiten. Langes Verharren in anstrengenden Positionen, Schmutz und gesundheitsgefährdende Lösungsmittel gehören auch dazu. Ab und zu findet sich sogar totes Ungeziefer in Rahmen oder Sockeln. Aber das nimmt Sündermann gerne in Kauf, wenn sie das Ergebnis ihrer Arbeit sieht. Manchmal falle es ihr sogar schwer, sich von einem fertiggestellten Werk zu trennen, weil gerade bei intensiver und langer Arbeit eine Beziehung entstehe.

Besonders in Erinnerung geblieben sei ihr die Arbeit an einer Maria-Magdalena-Skulptur, erzählt die Restauratorin. Sechs Monate lang habe sie unzählige Farbschichten entfernt und schließlich eine am ganzen Körper behaarte Figur zum Vorschein gebracht. Während sie anfangs nicht gerade begeistert von der Aufgabe gewesen sei, sei ihr der Abschied dann doch schwergefallen. Auch die Restaurierung des Alien-Kostüms aus dem gleichnamigen Film hat sie beeindruckt. Es ist das einzige, vollständig erhaltene Originalkostüm in Europa und wird im Deutschen Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt ausgestellt.

Kathrin Sündermann hatte schon viele wertvolle und berühmte Werke vor sich, trotzdem hat sie vor jedem einzelnen Respekt. „Kunst berührt mich immer wieder“, sagt sie. Mittlerweile ist es draußen dunkel. Sündermann lässt die Rollläden herunter, schaltet die Alarmanlage ein und verlässt das Atelier durch den Seiteneingang. Oma Rink bleibt noch ein paar Tage hier, bis ihr Bild wieder so strahlt wie früher.

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