Eine Simulation zu Neubauten von Oper und Schauspiel. gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner
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Frankfurt

Ringen um künftige Bühnenstandorte

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Grünen sehen bei der Vorlage der Kulturdezernentin noch „Klärungsbedarf“.

Am kommenden Freitag, 10. Juli, tagt zum letzten Mal vor der politischen Sommerpause die Frankfurter Stadtregierung. Danach fallen bis in den September hinein im Römer keine Entscheidungen mehr. Um eine wichtige Vorlage von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) wird hinter den Kulissen gerade erbittert gerungen. Es geht um den Auftrag an die Stabsstelle Städtische Bühnen, fünf mögliche künftige Standorte für Oper und Schauspiel genauer zu untersuchen.

Hartwig selbst hatte Mitte Juni den von ihr favorisierten Plan einer Kulturmeile präsentiert. Er sieht vor, eine neue Oper auf dem Grundstück der Frankfurter Sparkasse, Neue Mainzer Straße 47–51, zu errichten und ein neues Schauspiel am östlichen Rand des Willy-Brandt-Platzes. Doch das ist nur eine von fünf Alternativen, die jetzt eingehend geprüft werden sollen.

Das entsprechende Papier von Hartwig ist freilich im Magistrat zuletzt von den Grünen angehalten worden. Je wichtiger es wird, desto karger fallen die Stellungnahmen der Politiker aus. „Wir sehen noch letzten Klärungsbedarf“, sagt knapp Sebastian Popp, Fraktionschef der Grünen im Römer. Jana Kremin, Sprecherin des Kulturdezernats, teilt mit: „Die Vorlage wird gerade innerhalb der Koalition final abgestimmt.“

Von der CDU ist zu hören: „Aus unserer Sicht kann die Sache laufen.“ Der Frankfurter CDU-Vorsitzende und Baudezernent Jan Schneider hatte vor seinem Urlaubsantritt Anfang der Woche erreicht, dass auch seine Lösung für die Bühnen geprüft wird: Neubau von Oper und Schauspiel auf dem Grundstück Mayfarthstraße 14 im Frankfurter Osthafen.

Bei den Grünen ist die Sache komplexer. Sie wollen angesichts des rasch fortschreitenden Klimawandels die Belastung für die Umwelt durch neue Städtische Bühnen so gering wie möglich halten. Auch die Eingriffe von Neubauten in die geschützten Wallanlagen (siehe zweiter Text) sollen nur klein sein. Im Gegenteil, so das Ziel der Grünen, müssten die Wallanlagen sogar wachsen. Das verspricht Kulturdezernentin Hartwig auch. Durch die „Kulturmeile“, so ihre Rechnung, werde die Fläche der Wallanlagen um 3500 Quadratmeter größer, weil der heutige Standort der Oper am Willy-Brandt-Platz zum Park werde. Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler, Autor einer städtebaulichen Studie zur „Kulturmeile“, sieht sogar einen Zuwachs von 5000 Quadratmeter Grün.

Die Grünen erarbeiten aber darüber hinaus einen umfangreichen Fragenkatalog zu den Themen Kultur, Verkehr und Umwelt. Da geht es dann zum Beispiel darum, dass die Neue Mainzer Straße verkehrsberuhigt werden soll, wenn dort die neue Oper liegt. Heute ist die sogenannte „Bankenklamm“ noch eine vierspurige, vielbefahrene Straße, auf der auch gerast wird, wenn nicht gerade Stau herrscht. Wenn all diese Fragen beantwortet würden, so ist bei den Grünen zu hören, seien sowohl die Magistratsgruppe als auch die Römer-Fraktion rasch „entscheidungsfähig“ in Sachen Bühnenstandort.

Geprüft werden sollen auch ein Neubau von Oper und Schauspiel auf dem heutigen Grundstück am Willy-Brandt-Platz, außerdem die sogenannte Spiegellösung, bei der ein neues Schauspiel gegenüber von der Oper gebaut werden würde – dort wo heute das Eurozeichen steht. Und schließlich ist auch ein Neubau des Schauspiels am Opernplatz gegenüber dem Konzerthaus Alte Oper im Gespräch. In dieser Variante würde das Opernhaus am Willy-Brandt-Platz neu gebaut.

Die Fachleute der Stabsstelle machen keinen Hehl daraus, dass sie den von der CDU gewollten Bühnenstandort im Osthafen für nicht geeignet halten: Das 25 000 Quadratmeter große städtische Grundstück Mayfarthstraße 14, das mit Optionen bis 2033 an die Baustoffhandlung Raab Karcher verpachtet ist, sei schlecht erschlossen.

Die Entfernung von dort zur nächsten U-Bahn-Station Ostbahnhof ist mit 700 Meter Luftlinie vermessen worden, tatsächlich sei es zu Fuß ein Kilometer. Das sei den Bühnenbesuchern kaum zuzumuten, die am Willy-Brandt-Platz direkt aus der U-Bahn-Station heraus Oper oder Schauspiel erreichen.

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