+
Exponate im Porzellanmuseum im Kronberger Haus. Was mag da wohl für eine Anekdote hinter stecken? 

Frankfurt-Höchst

Ringen ums Höchster Porzellan

  • schließen

Debatte über die Zukunft des Museums im Bolongaropalast reißt nicht ab. Museumsverein lädt Kritiker zum Austausch ein.

Die Zukunft des Porzellanmuseums beschäftigt die Höchster weiter. Der Magistrat hat den Plänen von Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig (beide SPD) zugestimmt, das Museum mit dem neu zu gründenden Höchster Bürger und Geschichtsmuseum im Bolongaropalast zu fusionieren. Die CDU-Stadtverordneten haben eine endgültige Entscheidung darüber aber vertagt. Zunächst gelte es, offene Fragen zu klären.

Die SPD-Stadtverordneten kritisieren ihre Kollegen dafür unverholen. „Ich bin überrascht“, schreibt Hubert Schmitt in einer Presseerklärung. „Aus heiterem Himmel“ sei der CDU-Einwand gekommen. Damit gehe „unnötig kostbare Zeit zur Vorbereitung des Umzugs verloren“.

Anders als die CDU befürchte, werde das Porzellanmuseum vom Umzug in den Bolongaropalast profitieren. „Ein Bedeutungsverlust ist angesichts des repräsentativen Gebäudes und des gemeinsamen Betriebs mit dem Museum Höchster Geschichte nun wirklich nicht zu erwarten,“ sagt Schmitt.

Jan Gerchow vom Historischen Museum, unter dessen Direktion das Porzellanmuseum steht und künftig vielleicht auch das Museum Bolongaro, hatte bei der Vorstellung der Pläne im Juni bereits ziemlich deutlich den Umzug als große Chance bezeichnet. Die Ausstellung im Kronberger Haus sei zwar „herrlich“ aber nicht mehr zeitgemäß. Er wolle im Bolongaropalast das „Narrativ Porzellan“ neu erzählen.

Tatsächlich sind im Kronberger Haus zwar sehr viele Schmuckstücke in sehr vielen Vitrinen zu sehen. Ein Narrativ aber ist nicht zu erkennen. Die vielen Anekdoten, die hinter den Artefakten stecken, erfahren nur Besucher, die an einer Führung teilnehmen.

Markus Grossbach, der Vorsitzende des Höchster Museumsvereins, versucht derweil, der Debatte etwas die Schärfe zu nehmen. Demnächst will er sich zusammensetzen mit Thomas Dürbeck, dem kulturpolitischen Sprecher der CDU. Auch die Mitglieder des Ortsbeirats 6 will er mit ins Boot holen, genauso wie den Höchster Geschichtsverein.

Grossbach findet, es kursierten einige Missverständnisse über den möglichen neuen Standort des Porzellanmuseums. „Es entsteht der Eindruck, die Stadt wolle das Porzellanmuseum ins Elend stürzen“, sagt er. Und: „Das Gegenteil ist der Fall.“

Da wäre etwa der Verweis auf statische Probleme im Bolongaropalast, die die Zahl der Museumsbesucher einschränken würden. „Gutachter haben das geprüft“, sagt Grossbach. Ein Museumsbetrieb sei problemlos machbar. Natürlich könnten die Böden keine Menschenmassen tragen. Wie etwa eine Schirn oder ein Städel in Frankfurt an Gästen haben. Ein derartiger Ansturm sei aber nicht zu erwarten. Überdies sei auch das Kronberger Haus ein historischer Bau, der von der Statik her ebenso wenig Besuch wie der Bolongaropalast vertrage.

Zumal die Besucherströme sich im Palast besser verteilen könnten. Das Kronberger Haus hat nur an Wochenenden und Feiertagen überhaupt geöffnet. Schulklassen sei der Besuch damit verwehrt. Mit dem Umzug in den Bolongaropalast kann die Stadt die Öffnungszeiten ausweiten. Auf fünf Tage die Woche. Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare