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Das Schneidrad frisst sich ab Spätsommer durch Kiessande und Frankfurter Ton zum Platz der Republik.

U-Bahn-Ausbau in Frankfurt

Riesige Raupe Nimmersatt

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Das tonnenschwere Schneidrad für den Bau der U-Bahn ins Europaviertel ist nun in der Grube, ab Spätsommer gräbt es sich unterirdisch zum Platz der Republik.

Diesen Anblick wird es in Frankfurt vielleicht nur noch ein Mal geben. Am Freitag hat die Projektgesellschaft SBEV, die für den Bau der U-Bahn ins Europaviertel verantwortlich ist, ein riesiges grünes Schneidrad in die Baugrube an der Europa-Allee heben lassen. Um sich die Ausmaße vorzustellen: Das Schneidrad hat einen Durchmesser von rund sieben Metern und wiegt 72 Tonnen. Ein 500-Tonnen-Kran ließ es im Schneckentempo in die Baugrube schweben.

„Alles was davor ist, wird weggebohrt“, sagte Thomas Wissgott, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), zu welcher die SBEV zu 51 Prozent gehört, der übrige Teil gehört der Stadt. Das grüne Schneidrad mit den weißen Zähnen („Schälmesser“) ist der vordere Teil der 80 Meter langen Tunnelvortriebsmaschine, die in den kommenden Tagen und Wochen in der Baugrube zusammengebaut wird. Der Hersteller setzt dabei rund 150 000 Einzelteile zusammen. Die Tunnelbohrmaschine mit dem Schneidrad in der VGF-Farbe Grün kommt auf ein Gewicht von 580 Tonnen. Eine riesige Raupe Nimmersatt.

Sie muss einen gewaltigen Hunger haben, wenn sie im Spätsommer die Schälmesser wetzen wird. Für jede der beiden Tunnelröhren legt die Maschine eine Strecke von 850 Metern zurück – zweimal von der Baugrube in der Europa-Allee bis zum Platz der Republik. „Für Technikfans ist das ein Spaß“, sagt VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer. Ingo Kühn, Geschäftsführer der SBEV, lobt die Anwohner für ihre Geduld und das Verständnis „wenn es sonntags mal hämmert“. Ende August steht die Taufe an, dann bekommt die Tunnelbohrmaschine einen Namen, riesige Raupe Nimmersatt bietet sich natürlich an. Aber warum wird es den Anblick des Schneidrads so schnell nicht wieder geben? Zum einen „werden wir es so sauber nicht mehr wiedersehen“, sagt Wissgott, wohlwissend, dass Tonnen von Kiessanden und Frankfurter Ton auch an den standhaftesten Schälmessern ihre Spuren hinterlassen. Zum anderen ist der Bau einer U-Bahn im Tunnel heutzutage so teuer, dass die Stadt es sich genau überlegen wird, ob sie das wieder macht. Zuletzt stiegen die Kosten für die U-5-Verlängerung um rund 100 Millionen Euro auf 373 Millionen Euro an, unter anderem wegen Weltkriegsbombenfunden und Bauzeitverlängerungen.

Eine zweite Raupe Nimmersatt wird es in Frankfurt wohl noch geben, wenn die U4 zwischen Bockenheim und Ginnheim verlängert wird. Weitere unterirdische U-Bahn-Strecken schloss Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), der an dem kurzfristig angesetzten Termin nicht teilnehmen konnte, zuletzt aus.

Das Projekt

Die U-Bahn-Linie U5 wird vom Hauptbahnhof ins Europaviertel verlängert. Der Betrieb soll im Laufe des Jahres 2024 starten.

Die U5 wird dann an vier Stationen halten: unterirdisch am Güterplatz, oberirdisch an der Emser Brücke, am Europagarten und am Wohnpark. Die Kosten liegen mittlerweile bei 373 Millionen Euro.

Eine weitere Verlängerung zum Rebstockgelände, wo ein neues Wohngebiet entsteht, steht in Aussicht. Langfristig ist eine Verlängerung nach Nied oder nach Höchst denkbar.

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