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Schüler der Pestalozzischule nahmen im Februar 2019 an einer Demo gegen den Riederwaldtunnel teil.

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Riederwaldtunnel in Frankfurt: Eine Idee aus dem letzten Jahrhundert

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Das Geld für den Riederwaldtunnel wäre an anderer Stelle besser ausgegeben, findet FR-Redakteur Florian Leclerc.

Der Riederwaldtunnel ist ein Anachronismus, der dem Bewusstseinswandel in der Bevölkerung trotzt. Über Jahrzehnte hinweg wurde der Autobahnausbau durch den Frankfurter Stadtteil Riederwald durch die Arbeit der Straßenverwaltung und die Beschlüsse der Politik zu einem Selbstläufer, der kaum noch zu stoppen ist.

Man muss sich vor Augen führen, dass die Planung für den Rhein-Main-Schnellweg, Vorläufer der A66, schon 1963 begann, als das Automobil noch Symbol schlechthin für Status, Wohlstand und Wirtschaftswachstum war.

Auch das Aufkommen der Umweltbewegung änderte nichts daran, dass die Politik 1980 beschloss, mit dem Alleentunnel eine unterirdische Autobahn mitten durch Frankfurt zu bauen, von der Miquelallee zur A661. Noch im Geiste der autofreundlichen Epoche begann 1989 die Planfeststellung für den Riederwaldtunnel. Der Beschluss kam 2007.

Den Alleentunnel wickelte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) vor fünf Jahren ab. Ihm und den Bürgerinitiativen ist es zu verdanken, dass die Straßenverwaltung Hessen Mobil den Beschluss für den Riederwaldtunnel nun nachgebessert hat. Leider schadet der Autobahnausbau mehr, als er nutzt. Den Riederwäldern stehen acht Jahre Bauzeit bevor, die den Stadtteil verlärmen und mit Schadstoffen belasten werden. Ist der Riederwaldtunnel fertig, fahren drei Mal so viele Fahrzeuge über die Autobahn wie jetzt über die Anschlussstelle Bergen-Enkheim. Die notorisch verstopfte Straße am Erlenbruch wird zwar entlastet. Doch das wird den Anwohnerinnen und Anwohnern, die bald eine Autobahn vor der Haustür haben werden, ein schwacher Trost sein. Wer es sich leisten kann, zieht weg. Das Geld für den Riederwaldtunnel, 477 Millionen Euro, wäre an anderer Stelle besser ausgegeben. Für ein 365-Euro-Ticket im RMV, für Pendler-Parkhäuser an den Autobahnausfahrten wie der Borsigallee.

Heutzutage käme niemand mehr auf die Idee, eine Autobahn durch eine Stadt zu bauen.

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