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Frankfurt: Widerstand gegen Riederwaldtunnel - „Wald zeigt Wunden“

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Von: Timur Tinç

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Die Rodung der Bäume ist zunächst auf die Wintersaison 2022/2023 verschoben.
Die Rodung der Bäume ist zunächst auf die Wintersaison 2022/2023 verschoben. © Monika Müller

120 Menschen kommen am Sonntag zum Spaziergang in den Fechenheimer Wald, um gegen den Bau des Riederwaldtunnel zu protestieren.

Frankfurt - Wer ist das erste Mal bei der Waldbegehung dabei“, fragt Sonja die versammelte Menge in Frankfurt. Fast die Hälfte der Anwesenden heben ihre Hände in die Höhe. Rund 120 Menschen sind am Sonntagmittag auf Einladung von People for Future Frankfurt, Greenpeace Frankfurt und weiteren Initiativen zum Spaziergang in den Fechenheimer Wald gekommen. Sie haben sich an der Mahnwache in der Nähe der U-Bahn-Station Kruppstraße gesammelt, um sich über die Situation im Fechenheimer Wald zu informieren und gegen dessen Rodung zu protestieren. „Wenn ein Wald in der besonderen Vielfalt für eine veraltete Verkehrspolitik abgeholzt werden soll, möchten wir den Menschen aufzeigen, was es bedeutet, wenn dieser Wald gehen muss“, erklärt Sonja.

Für den Lückenschluss der A66 zur A661 im Frankfurter Osten soll eine Fläche von 2,7 Hektar im Wald sowie Bäume im Teufelsbruch verschwinden. Wegen fehlender Genehmigungen wurde die Rodung durch die Autobahn GmbH des Bundes auf die Wintersaison 2022/2023 verschoben. Die Autobahn soll von 2023 bis 2031 gebaut werden.

Riederwaldtunnel in Frankfurt: „Der Wald zeigt Wunden“

Geleitet wird der Spaziergang am Sonntag von Forstwirt Volker Ziesling, dem Sprecher der Initiative „Waldwende Jetzt!“. „Der Wald zeigt Wunden wegen des absinkenden Grundwasserspiegels“, teilt Ziesling den Interessierten mit. Es handele sich um eine sehr seltene Waldgesellschaft, die ökologisch höchst wertvoll sei. Der Wald könne die Umgebungstemperatur, um bis zu acht Grad absenken. Er empfahl der Bürgerinitiative noch einmal einen Blick in das Inventar der geschützten Tierarten und das Baumkataster des Waldes zu werfen, um eventuell auch über diesen Hebel eine Rodung zu verhindern. „Wir kämpfen um jeden Quadratmeter Wald und legen uns überall quer“, betont Ziesling. Es gehe bei der Bekämpfung der Klimakrise nicht nur um den Erhalt der Natur, sondern auch um das Leben der Menschen. Wenn in den kommenden 80 Jahren für das Rhein-Main-Gebiet ein Temperaturanstieg von 4,5 Grad und im Worst-Case sogar acht Grad erwartet wird, müsse man jetzt handeln.

Am Samstag war Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) zur Mahnwache gekommen und hat mit den Waldbesetzer:innen gesprochen, die dort über den gesamten Winter in den Baumhäusern bleiben wollen. Heilig verwies dabei wie ihr Parteikollege Stefan Majer auf den Planfeststellungsbeschluss, der die Stadt zur Übergabe des Geländes an die Autobahn GmbH verpflichtet.

Riederwaldtunnel in Frankfurt: Streit über Lärmschutz

Das sehen die Aktivistinnen und Aktivisten anders. Friedhelm Ardelt-Theeck vom Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn, zitierte aus dem Planänderungsbeschluss von 2019: „Der Riederwaldtunnel darf erst in Betrieb genommen werden, wenn alle Lärmschutzmaßnahmen abgeschlossen sind.“ Derzeit laufe ein weiteres Planänderungsverfahren für den Ausbau der A661. Dort würden zehn Meter hohe Lärmschutzwände südlich der Friedberger Landstraße westlich wie östlich über mehrere Hundert Meter geplant. „Das heißt Bornheim und Seckbach werden völlig getrennt. Das ist unzumutbar“, sagte Ardelt-Theeck. Dadurch würde auch die Frischluftschneise unterbrochen.

Gabi Hanka und Andreas Werther erwarten von den Frankfurter Politiker:innen, dass sie ihre Entscheidung revidieren. „Wenn man sagt: Klimaschutz steht ganz oben, dann ist es absurd an alten Entscheidungen festzuhalten“, findet Hanka. Der Bau des Riederwaldtunnels werde mit einer Verkehrsentlastung begründet, letztlich würde er aber, wie bei allen Projekten dieser Art, zu mehr Verkehr führen. Dass die Politik nun nichts mehr tun könne, sei eine Parole, „die 40 Jahre alt ist“, sagte Werther, der schon bei den Protesten gegen die Startbahn West dabei war. Statt mehr Autoverkehr müsse ein ökologisch verträglicher und kostengünstiger Nahverkehr angestrebt werden. (Timur Tinc)

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