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Von der obersten Etage der Seniorenanlage die A661 voll im Blick: Hanna-Lore Letsch (li.) und eine Mitbewohnerin.

Verkehr in Frankfurt-Ost

Senioren im Riederwald stinkt es gewaltig

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Riederwälder Altenheim-Bewohner klagen über den Verkehr in Frankfurts Osten.

Mehr als 20 Senioren drängen sich auf einem Balkon der Seniorenwohnanlage in der Schulze-Delitzsch-Straße. Sie wollen zeigen, was ihnen mächtig stinkt: die Verkehrsituation vor ihrer Haustür. Die Bürgerinitiative Riederwald (BIR) und ihr Mitglied Hanna-Lore Letsch haben deshalb am vergangenen Donnerstag zum Blick „in luftige Höhe“ eingeladen. Hanna-Lore Letsch wohnt im 8. Stock in Richtung der vielbefahrenen Straße „Am Erlenbruch“. Daran, dass der Riederwaldtunnel zur Besserung beiträgt, hegen sie und ihre Nachbarn große Zweifel.

„Hier vorne“, zeigt Letsch vom Balkon herunter, „soll eine sechs Meter hohe Lärmschutzmauer hin. Dass mir der Blick auf das Waldstück vorher besser gefallen ist das eine. Aber die Mauer wird auch zu niedrig sein, um meine Wohnung im 8. Stock zu schützen.“ Früher sei hinter dem Altwasser alles grün gewesen, Bäume hätten die Autobahn verdeckt, man habe dort immer gut spazieren gehen können.

Gegen den „Stinkemuff“

Eine andere Bewohnerin mit Wohnung im vierten Stock ärgert sich besonders über die schlechte Luft. „Ich bekomme immer den ganzen Stinkemuff ab. Nach dem Lüften riecht es schlechter als davor und alles ist voller Staub.“ Eine Bewohnerin sei wegen ihres Asthmas sogar weggezogen, heißt es. Seit sie auf dem Land lebe, das habe sie beim letzten Kaffeetrinken erzählt, sei es weg.

Ein Senior stört sich vor allem am Geräuschpegel. „Bei Westwind hört man pausenlos das Klackern der Autobahn.“ Hinzu kämen die täglich 22 000 Autos und 1700 Lkws am Erlenbruch, die Tag und Nacht über die bröckelige Straße rauschten oder mit laufendem Motor im Stau stünden.

Der Ausblick vom Balkon, sagt Letsch, habe sich in den vergangenen Jahren extrem verändert: Heute bewegt sich der Verkehr der A661 vom Horizont kommend nach links am Berger Hang entlang, der Blick nach rechts zeigt die U7, die in Richtung Enkheim abbiegt. Senkrecht unter dem Balkon ist der Feierabendverkehr am Erlenbruch unterwegs. Zwischen den Straßen erstreckt sich eine matschige Fläche, auf der Bagger den Riederwaldtunnel vorbereiten.

Dass dieser die Situation beruhigen wird, daran glaubt die BIR nicht. Die Mitglieder befürchten, dass sich bei hohem Verkehrsaufkommen auf der A661 ein Rückstau bildet. Mit einer Ampel solle dieser zwar aus dem Tunnel herausgehalten werden, damit würde sich die angespannte Verkehrssituation am Erlenbruch aber verschlimmern. Die Initiative wünscht sich eine Deckelung der Autobahn und einen Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. „Die Fahrpreise ermutigen Pendler nicht, auf den ÖPNV umzusteigen“, sagt BIR-Mitglied Rainer Frey. „Auch für die Senioren, die den Stadtteil für einen Bibliotheks- oder Bankbesuch verlassen müssen, ist er zu teuer.“ Eine kostengünstige Lösung für die Stadt sähe er in einer häufigeren Taktung der nordmainischen Regionalbahn und einer Wiederbelebung von vorhandenen Gleisen in Richtung Seckbach und Bergen.

„Es kommen ja auch Leute nach“, sorgt sich eine Seniorin. „Hier ziehen immer neue Leute ein, und es gibt so viele Kitas im Stadtteil“. Man müsse doch mehr in die Zukunft denken, findet sie.

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