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Der Riederwald galt lange als Hochburg der Sozialdemokraten. Doch die SPD musste zuletzt Einbußen hinnehmen.

Riederwald

Es rumort im Riederwald

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Die Sozialdemokraten stellen Ergebnisse ihrer - nicht repräsentativen - Stadtteilumfrage vor. Darin zeigt sich eine große Unzufriedenheit der Bewohner im Riederwald.

Wie denkt der Riederwald? Diese Frage stellte sich der SPD-Ortsverein nach den vergangenen Bundestagswahlen. Gegenüber der Wahl im Jahr 2013 musste die SPD in ihrer Hochburg einen Stimmverlust von mehr als 10 Prozent verkraften. Besonders schlimm für die Sozialdemokraten: Davon profitierte vor allem die AfD. Ihr Anteil lag mit 13,1 Prozent deutlich über dem Frankfurter Durchschnitt von 8,6 Prozent.

Nach der Wahl wollte der SPD-Ortsverein den Ursachen für den Stimmungswechsel auf den Grund gehen. „Vielleicht gibt es Dinge, die wir nicht beachtetet haben“, sagte Stefan Marx, stellvertretender Ortsvereins-Vorsitzender. Rund 3000 Fragebögen mit Fragen zu Mietkosten, Infrastruktur und dem Wohnumfeld haben er und seine Mitstreiter verteilt. Am Donnerstag präsentierten sie die Ergebnisse der Umfrage.

Derzeit leben 4911 Menschen in der ehemaligen Arbeitersiedlung. Somit dürften die Fragebögen nahezu jeden Haushalt erreicht haben. Der Rücklauf war aber eher dürftig: lediglich 98 ausgefüllte Fragebögen kamen zurück. Wirklich repräsentativ ist die Umfrage nicht. „Dennoch gibt sie einen Einblick in den Alltag der Riederwälder“, betonte Raven Kirchner, Vorsitzender des Ortsvereins.

Viele Bewohner drücken Sorgen 

Selbst wenn man die Ergebnisse als Ausschnitt interpretiert, wird deutlich: Es rumort im Riederwald. Beispiel Miete: 52 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Miete gerade noch bezahlbar sei, acht Prozent finden sie „zu hoch“. Demgegenüber halten sie 40 Prozent für „angemessen“.

Beispiel Einkaufsmöglichkeiten: Ganze 25 Prozent gaben an, dass diese „kaum vorhanden“ seien, und 37 Prozent bewerteten sie als „mangelhaft“. Lediglich sieben Prozent der Befragten bewerteten das Angebot als „bestens“, immerhin 31 Prozent halten es für „befriedigend“. „Ein unisono schlechtes Ergebnis“, sagte Ortsvereins-Vize Marx.

Treffpunkte und Geschäfte schließen 

Überhaupt machen die Antworten der Umfrage deutlich, dass der Wegfall von Infrastruktur die Anwohner beschäftigt. In den offen gestellten Fragen wurde vor allem die Schließung der Sparkassen-Filiale im vergangenen Juli bemängelt. Auch der Wegfall der Stadtteilbücherei im Jahr 2011 beschäftigt die Riederwälder nach wie vor. Kritisiert wurde außerdem, dass ein Nachbarschaftstreff im Viertel fehle.

Die Umfrage zeigt aber auch, dass rechte Deutungsmuster im Riederwald verbreitet sind. „Wir wollen den Riederwald wieder deutscher haben“, sei ein Satz, den er oft gelesen habe, sagte Marx. Ein Eindruck, den der Ortsvereins-Vize aus seiner alltäglichen Erfahrung bestätigen kann: „Organisierte AfD-Strukturen gibt es hier zwar nicht, aber die Einstellung schon“, sagte er. „Es hat zugenommen, dass sich Leute offen dazu bekennen. Da muss man nur mal zum Bäcker gehen.“

Und jetzt? „Wir werden darüber diskutieren und dann auch den einen oder anderen Antrag im Ortsbeirat stellen“, sagte Kirchner. Doch nicht alle aufgeworfenen Probleme dürften im klein-klein der Ortsbeiratsarbeit zu lösen sein: Die SPD müsse sich wieder für bezahlbaren Wohnraum einsetzen, Pflegearbeit aufwerten und die Gewerkschaften stärken, heißt es in einer Antwort.

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