Lieblingsstücke wechseln den Besitzer. Rolf Oeser
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Lieblingsstücke wechseln den Besitzer.

Riederwald

Riederwald: Mit neuen Klamotten die Umwelt schützen

  • vonMaxie Römhild
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Beim Kleidertausch geht es um nachhaltigen Konsum und sozialen Austausch.

Das Geräusch von Plastik, das an Plastik reibt, erfüllt den Raum im Erich-Mühsam-Haus in Riederwald. Bis zu zehn Teile können Besucher zum Kleidertausch am Sonntagnachmittag mitbringen – und mindestens ebenso viele neue Stücke mitnehmen. Da braucht es große Taschen, und so schieben sich die etwa 80 Anwesenden mit ihren voll beladenen Einkaufstüten aneinander vorbei durch den kleinen Raum, um sich in das Getümmel zu stürzen.

„Am Anfang kamen nur 20 oder 30 Leute“, erzählt Christa Petkovsek, die den Kleidertausch organisiert. Mittlerweile sei es immer sehr voll – auf den Tischen und in den Gängen dazwischen. Was übrig bleibt, wird für das nächste Mal aufgehoben oder an den Familienmarkt am Hessencenter gespendet.

„Mit den Klamotten auf den Flohmarkt zu gehen bringt nichts“, sagt Birgit Lüdecke. Man werde die Sachen nicht wirklich los und bekäme nur wenig Geld dafür. Der Kleidertausch mache mehr Spaß: „So sieht man, wie die Leute sich freuen. Und ich gehe jedes Mal mit neuen Lieblingsstücken heim.“ Lüdecke ist eine der vielen Ehrenamtlichen, die Petkovsek bei der Organisation unterstützen: beim Auf- und Abbau und beim Buffet, das für alle kostenlos ist. Petkovsek freut sich über die große Hilfsbereitschaft.

Es gehe ihr um Konsumkritik, erklärt sie, darum dass vieles an Kleidung unter Ausbeutung von Mensch und Natur produziert und von Konsumenten leichtfertig weggeworfen werde. Aber sie hat noch ein weiteres Anliegen. „In Riederwald sind soziale Einrichtungen weggebrochen, wie zum Beispiel die Bücherei“, sagt sie. Viele Riederwäldler seien daher frustriert und fühlten sich von der Politik allein gelassen. Deswegen würden einige von ihnen rechte Parteien wählen. „Wir versuchen, dem etwas entgegenzusetzen.“

Der Kleidertausch soll ein Angebot sein, nicht nur für nachhaltigeren Konsum, sondern auch zum Austausch in der Nachbarschaft. „Mit Fremden diskutiert man nicht so viel, wie mit Leuten, die man kennt.“ Das sei das beste Mittel gegen Vereinsamung. Und eben auch gegen rechts. Wie sie dazu steht, macht Petkovsek gleich zu Beginn der Veranstaltung klar, als sie in einer kurzen Ansprache über den Anschlag in Hanau spricht. An der Wand hängt nun ein Schild mit der Aufschrift: „Respekt. Kein Platz für Rassismus.“

Darunter wird etwa zur Halbzeit Platz für eine Modenschau gemacht. Unter den Models ist die Kolumbianerin Luisa Virgen. Sie präsentiert stolz ihre Funde: einen bodenlangen Boho-Mantel aus Spitze, eine Holzkette und einen Gürtel. „Das hat Spaß gemacht“, sagt sie nach ihrem Auftritt. Virgen ist zum ersten Mal hier und von der Idee Kleidertausch begeistert. Vor allem auch, weil man viele neue Leute kennenlernen könne.

„Am Anfang haben viele gesagt ‚Oh nein, das mache ich nicht‘”, sagt Petkovsek über die Modenschau, die Teil jeden Kleidertauschs am letzten Sonntag im Februar, Mai, August und November ist. „Jetzt machen sie es gern.“

Von Maxie Romhild

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