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Ernst-May-Häuser im Riederwald.

Riederwald

Riederwald: Mieten nicht erhöhen

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Frankfurt möchte bis 2025 seine Ernst-May-Siedlungen herausputzen. Sanierungen sollen aber nicht zu Lasten der Bewohner gehen, fordert der Ortsbeirat 11.

Wenn die Frankfurter May-Siedlungen 2025 ihr 100-jähriges Bestehen feiern, sollen möglichst viele Gebäude – größtenteils Wohnungen – wieder in vollem Glanz erstrahlen. Der Ortsbeirat 11 will nun sicherstellen, dass die Sanierungen im Riederwald nicht zu Ungunsten der Mieter ausfallen und hat jüngst einen entsprechenden Antrag der Linken verabschiedet. Unter den Bewohnern gebe es die Befürchtung, dass die Sanierungen zu drastischen Mieterhöhungen führen und schlussendlich die Vertreibung aktueller Mieter nach sich ziehen könnten, heißt es in der Vorlage.

Neben Pestalozzischule und Heilig-Geist-Kirche sind Häuser um den Engelsplatz, der Straßenzug am Erlenbruch zwischen Lahmeyer- und Schäfflestraße, außerdem die Häuserzeilen in Görresstraße, sowie Karl-Marx- und Friedrich List-Straße in der Zeit erbaut worden, als Ernst May Stadtbaurat in Frankfurt war. Der Architekt hat zwischen 1920 und 1925 das „Neue Frankfurt“ erbauen lassen. Der minimalistische Stil hat das Stadtbild beeinflusst, viele Gebäude stehen unter Denkmalschutz.

„Fest steht, dass neben der Heimatsiedlung, der Römerstadt auch der Riederwald angegangen wird“, sagt Philipp Sturm, Geschäftsführer der Ernst-May-Gesellschaft und Leiter des Forums „Neues Frankfurt“. „Sicherlich werden nicht die ganzen Siedlungen saniert, sondern bestimmte Gebäude. Ein Fokus liegt auch auf den Frei- und Grünflächen im öffentlichen Raum, die über die Jahrzehnte teilweise sehr verlottert sind.“

Man befinde sich aber noch in den Vorbereitungen, sagt Mark Gellert, Referent des Planungsdezernats. Bisher seien nur Absichtserklärungen unterschrieben worden, detaillierte Pläne gebe es zumindest für den Riederwald noch nicht. Zusammen mit städtischen Mitteln, Geld aus einem Förderprogramm des Bundes und dem Budget der Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding, in deren Besitz viele May-Gebäude sind, hätte man für alle drei Siedlungen gut 60 Millionen Euro mobilisieren können. Beim Dezernat gehe man davon aus, dass bis zum Jubiläum auch die gesamte Riederwald-Kolonie „ertüchtigt, fit gemacht, modernisiert und instandgesetzt“ werde. „Das obliegt aber unternehmerischen Entscheidung der ABG“, sagt Gellert.

Geschäftsführer Junker ärgert sich über Voreiligkeit des Antrags

Auch die Riederwälder May-Siedlungen sind zu großen Teilen im Besitz der ABG-Holding. Geschäftsführer Frank Junker ärgert sich über die Voreiligkeit des Antrags. „Es gibt noch gar kein Konzept. Das Jubiläum ist 2025, die Häuser werden bis dahin niemals alle saniert“, ist er sicher. Dafür sei die Zeit zu knapp und der finanzielle Aufwand zu hoch. Zunächst bedürfe es einiger Vorbereitungen, einer finalen Abstimmung mit dem Denkmalamt beispielsweise. Was Mieten angehe, gelte: Bei Instandhaltungsarbeiten bleiben sie konstant, nur bei Modernisierungen könne ein Teil der Kosten auf die Mieter umgelegt werden. Das würde dann drei Monate im Voraus mitgeteilt. „Daran müssen sich alle halten“, so der ABG-Vorstand.

Dass das Ausbleiben von Mieterhöhungen durch einen Zuschuss der Stadt sichergestellt werden kann, schließt Gellert aus. Das ist vor einigen Jahren bei der denkmalgerechten Sanierung von Wohnhäusern im Riederwald der Fall gewesen. „Damals hatte die Stadt gefordert, dass etwas gemacht werden muss“, erklärt Gellert. Da hätte die Ausnahme gegolten, dass der Eigentümer die Kosten nicht alleine hätte tragen können. „Wenn Modernisierungen vorgenommen werden“, könne Gellert die Mieter der May-Häuser beruhigen, „würde, weil die ABG Eigentümer ist, eine Umlegung der Kosten relativ moderat ausfallen.“ Das habe die ABG immer so gehandhabt.

Mit der Verabschiedung des Antrags möchte der Ortsbeirat auf Nummer sicher gehen: Der Magistrat soll über Planungsstand und Zeitraum der Sanierungen Auskunft geben. Außerdem ein Konzept vorlegen, wie das Ausbleiben von Mieterhöhungen sichergestellt werden könne.

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