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Das neue Schild wird enthüllt.

Riederwald

Neue Straßenschilder im Riederwald

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Angehörige und der OB und benennen gleich zwei Plätze nach weiblichen Vorbildern.

Erst klemmt es ein bisschen, als die Klasse 4b an der Schnur zieht. Laut haben die Schüler der Pestalozzischule von zehn abwärts gezählt, um das neue blau-weiße Straßenschild mit einem Ruck zu enthüllen. Mit etwas rütteln klappt es dann: Der Platz vor dem Kinder- und Familienzentrum an der Schäfflestraße heißt seit vergangenem Montag offiziell Marie-Juchacz-Platz. Auf Anhieb hat es beim gegenüberliegenden Cäcilie-Breckheimer-Platz funktioniert.

Gut hundert Personen, darunter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), sind zur Einweihungsfeier gekommen. Angehörige der in Auschwitz ermordeten Riederwälderin Cäcilie Breckheimer zeigen sich „ergriffen“. Außer dem Johanna-Tesch-Platz war im Riederwald bisher keine Straße und kein Platz nach einer Frau benannt. „Politikerin, Frauenrechtlerin, Gründerin der Arbeiterwohlfahrt“, lauten die biografischen Eckdaten auf dem Straßenschild für Marie Juchacz (1879-1956). Die kurze Vita zum Gedenken an die Riederwälderin Cäcilie „Cilli“ Breckheimer (1895-1943): „Sozialdemokratin, als Jüdin im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet.“

Die Grundschüler können mehr vortragen. Sie hatten sich mit den beiden Frauen und der Frage „Was ist gerecht?“, beschäftigt. Bei einem Schulbesuch konnte Breckheimers Enkelin Ellen Engel ihnen außerdem einen persönlichen Einblick geben. Breckheimer wurde bereits ein Stolperstein vor der Raiffeisenstraße 25, wo sie mit Mann und Sohn lebte, gewidmet. „Cillis Sohn Wolfgang war 1932 selbst Schüler an der Pestalozzischule“, weiß ein Junge. Im Riederwald sei ihre schönste Zeit gewesen, bis sich das mit Beginn des Nationalsozialismus schlagartig änderte. Die Kinder erklären was Demokratie, was Diktatur bedeutet. Die gelernte Näherin, Jüdin, Sozialdemokratin und „mutige Frau“ sei zunächst als Zwangsarbeiterin beschäftigt worden – hörte dennoch nicht auf, sich politisch zu engagieren. Emigrationsversuche scheiterten. „Aus dem Gefängnis Klapperfeld hat sie 1943 noch einen Brief an ihre Familie geschrieben.“ Im gleichen Jahr starb sie in Auschwitz an „allgemeiner Körperschwäche“.

Vor hundert Jahren hat sich Marie Juchacz Leben verändert, mit ihr das aller Frauen in Deutschland. „Marie Juchacz hat 1919 im Parlament eine Rede gehalten. Sie war eine der ersten Frauen im Parlament.“ Die Frauenrechtlerin hatte maßgeblichen Einfluss auf die Einführung des Frauen-Wahlrechts. Nur so ist es gerecht, finden die Viertklässler. Im gleichen Jahr gründete die Sozialdemokratin die Arbeiterwohlfahrt. Auch sie wurde von den Nazis verfolgt und musste in die USA fliehen.

„Starke Symbolkraft habe die Benennung“, so OB Feldmann. Man sei nicht tolerant gegenüber Leuten, die antisemitisch, islamophob oder fremdenfeindlich handeln. Ansgar Dittmar, Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Frankfurt, sagt: „Sie sind Vorbilder und stehen dafür, dass sich was verändern kann, wenn man sich einsetzt.“ Ein „gutes Fundament für die Zukunft“, sehen „Ria“ Breckheimer, Schwiegertochter der Geehrten, und Bernhard Engel, Ehemann der Enkelin, darin, dass die Feier von vielen Kindern mitgestaltet wurde.

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